Handlungsempfehlungen für Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt

In meinen letzten vier Schulahren als Lehrer in Internatsgymnasien zeigt die Beobachtung von Schüler/innen, dass sie bei jeder sich nur bietenden Gelegenheit mit einem Griff ihr Smartphone hervorholen, entsichern, wischen und immer wieder wischen. Sie sitzen den Pausen in Gruppen zusammen oder alleine, starren auf ihr Smartphone, Gespräche entstehen eigentlich nur, wenn einer dem anderen das Display zeigt. Viele von ihnen tragen ihr Smartphone ständig auf der flachen Hand vor sich her. Kaum jemand von ihnen guckt irgendetwas Schulrelevantes nach, alle sind den sozialen Medien verfallen, denen es mit allen Tricks gelingt, ständig die Aufmerksamkeit ihrer User zu kapern. Das Wort „Konzentration“ kommt nur auf S. 58 einmal vor. Wegen der besonderen Tragweite des Mangels an Konzentration durch die sozialen Medien hätte dieser Begriff viel mehr Aufmerksamkeit verdient.

Die jetzt vorgelegte Studie schlägt sehr zu Recht eine großen Bogen, in dem sie viele Aspekte der digitalen Welt, in die viele Jugendliche sich gerne zurückziehen untersucht. Die große Vorsicht, mit der die Autoren sich einer Regelung der Nutzung der „Sozialen Medien“ annähern, zeigt, dass sie sich sehr wohl den technischen Hürden, die mit einer solchen Regelung verbunden sind, bewusst sind. Es wird auch deutlich, wie notwendig eine europäische Regelung dieser Frage ist.

Die Unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ hat am 24. Juni 2026 der Bundesbildungs- und – familienministerin Karin Prien 56 Handlungsempfehlungen für eine moderne Kinder- und Jugendpolitik im digitalen Zeitalter überreicht.

Handlungsempfehlungen der Expertenkommission Kinder und Jugendmedienschutz

Kurzfassung: Handlungsempfehlungen der Expertenkommission Kinder und Jugendmedienschutz

Die Empfehlungen zeigen Wege auf, wie Schutz, Befähigung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt gelingen können. Sie bilden die Grundlage für die im Koalitionsvertrag vereinbarte Gesamtstrategie der Bundesregierung zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt. Die Empfehlungen enthalten Vorschläge zum Schutz, zur Befähigung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt. Der Bericht ist auch eine Grundlage für die im Koalitionsvertrag vereinbarte Gesamtstrategie der Bundesregierung zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt.

Karin Prien bewertet die Empfehlungen der Kommission als wichtige Grundlage für eine moderne Kinder- und Jugendpolitik in der digitalen Welt. Sie fordert mehr Verantwortung von Plattformanbietern, sichere und kindgerechte digitale Angebote („Safety by Design“) sowie eine gesetzliche Altersgrenze von 13 Jahren für soziale Medien mit wirksamer Alterskontrolle. Zudem unterstützt sie die stärkere Verankerung elterlicher Medienerziehung und setzt auf gemeinsame Anstrengungen von Politik, Bildungseinrichtungen, Wissenschaft und Familien. Ziel ist eine Gesamtstrategie, die Schutz, Befähigung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen gleichermaßen stärkt und ihnen eine sichere Nutzung digitaler Angebote ermöglicht.

Die 56 Handlungsempfehlungn Kurzfassung: Handlungsempfehlungen der Expertenkommission Kinder und Jugendmedienschutz, S. 8-10, enthalten eine sehr großes Bündel an weitreichenden Maßnahmen, die nahezu alle Aspekte der Nutzung von digitalen Angeboten durch Kinder und Schüler enthalten.

Hat unsere Rdaktion etwas übersehen? „TikTok“ kommt gar nicht vor. „YouTube“ wird auch nicht genannt. Es geht aber um „soziale Medien“: „Kinder und Jugendliche wachsen in einer Welt auf, in der digitale Medien allgegenwärtig sind. Soziale Medien, digitale Plattformen und zunehmend auch Anwendungen künstlicher Intelligenz (KI) prägen ihre Informationsumgebungen, ihre Freizeitgestaltung, ihre sozialen Beziehungen, ihre Lernprozesse und insgesamt ihre gesellschaftliche Teilhabe. “ S. 4

In der „Handlungsempfehlung 19“ wird der Bericht deutlicher. Wir zitieren:
„Problem. Internet und soziale Medien sind für junge Menschen zentrale Quellen politischer Informationen und zugleich Räume der Identitätsbildung. Dort treffen sie auf vereinfachte, zunehmend KI-generierte Narrative, emotionale Zuspitzungen und gezielte Desinformation antidemokratischer Akteure. Diese Strategien sind schwer zu durchschauen und sie beeinflussen die Meinungsbildung und das Demokratieverständnis.“ S. 47

Die „Empfehlung“ lautet:
„Medienbildung und politische Bildung sollen gezielt verzahnt werden, damit junge Menschen antidemokratische Narrative erkennen und sich aktiv damit auseinandersetzen.
Über ein bundesweites Förderprogramm sollen Konzepte für Schule, Jugendverbandsarbeit, Vereine und die offene Kinder- und Jugendarbeit entwickelt, erprobt und implementiert werden, getragen von Projektverbünden aus Praxis und wissenschaftlicher Begleitung. Eine Zusammenarbeit mit den Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung soll angestrebt werden.

Zuständig ist der Bund.“ (ib.)

Die „Wirkung“ auf der gleichen Seite klingt wie ein Lernziel, das geschärft werden könnte:
„Junge Menschen durchschauen manipulative Online-Strategien, ordnen sie ein und
entwickeln eigene Handlungsmöglichkeiten. Sie bilden ein faktenbasiertes
Demokratieverständnis und eine demokratische Haltung aus, mit denen sie sich an der Gesellschaft beteiligen.“ (ib.)

„Handlungsempfehlung 20“ will „Erprobungsräume (Safer Spaces) für junge Menschen öffnen, um Internetphänomene zu erkennen und Umgangsstrategien zu entwickeln“ (S. 48)

Das „Problem“ wird wie folgt umrissen: „Das Internet, Soziale Medien und Online-Games sind für junge Menschen zentrale Räume der Information, des Austauschs und der Meinungsbildung. Dort treffen sie aber auch auf Desinformation, populistische Ansprache und Hasskommentare und bewegen sich durch algorithmische Empfehlungen häufig in Echokammern mit einseitiger Orientierung. Um sich eine eigene, an demokratischen Werten ausgerichtete Haltung zu bilden, fehlen ihnen begleitete Räume, in denen sie Gegenstrategien erproben können.“ (ib.)

Spätestens mit hier beschriebenen „Wirkung“: „Junge Menschen durchschauen Desinformation und Manipulation, ordnen sie ein und treten ihnen kompetent entgegen. Sie sind in der Lage, sich vor der Vereinnahmung durch demokratiefeindliche Akteure zu schützen und sich gestärkt an gesellschaftlichen Debatten zu beteiligen,“ (ib.) kommen Zweifel auf, ob die Autoren dieses Berichts die tatsächlichen Gefahren wirklich in den Blick genommen haben.

Die Argumente bezüglich der Altersgrenzen werden in der „Handlungsempfehlung 36“ „Risiko- und designorientiert regulieren – zwei Alternativen: gesetzliche Mindestaltersgrenze (13 Jahre) und dienstspezifische Altersgrenzen“ gegeneinander abgewogen: S. 69-73. Die erste Alternative: „(1) Nach der ersten Alternative soll für die eigenständige Nutzung eigener Social-Media Accounts eine gesetzliche Mindestaltersgrenze von 13 Jahren gelten. Sie soll mit einer wirksamen Altersüberprüfung verbunden werden. Für Kinder unter 13 Jahren soll ein gesetzlicher Erlaubnisvorbehalt geschaffen werden, der nachweislich kindgerechte und risikoarme Angebote zulässt. Das Erziehungsrecht der Mütter und Väter soll gewahrt bleiben, soweit das körperliche, geistige und seelische Wohl des Kindes nicht gefährdet wird.
Für Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren sollen abgestufte Schutzstandards gelten.
Dabei soll zwischen den Altersgruppen 13 bis 16 und 16 bis 18 Jahren unterschieden werden. Riskante Funktionen sollen standardmäßig deaktiviert sein (s. HE 37 „Sichere und altersgerechte Voreinstellungen und Designanforderungen für Jugendaccounts“).“

Die „Handlungsempfehlung 38“ „Eine wirksame und datenschutzgerechte Altersbestimmung unter Wahrung der Grundrechte verbindlich regeln“ wird konkreter: Das Problem, das sich mit den sozialen Medien stellt, wird so beschrieben: Alterskontrollen sollen Kinder und Jugendliche vor schädlichen Inhalten schützen, doch bisher fehlen verbindliche Vorgaben, sodass Plattformen selbst über die eingesetzten Verfahren entscheiden. Viele Methoden bergen Risiken für Datenschutz, Grundrechte und Diskriminierung, während unklare Regeln sowohl den Jugendschutz als auch die Rechte und Teilhabe aller Nutzerinnen und Nutzer gefährden. Die Kommission ist sich bewusst, dass es nicht einfach ist diesen Zugang zu regeln erinnert daran, dass die Verfahren zur Alterskontrolle sich stark in ihrer Zuverlässigkeit, Umgehbarkeit und ihren Auswirkungen auf die Grundrechte der Nutzerinnen und Nutzer unterscheiden. Besonders biometrische und datenbasierte Methoden gefährden Datenschutz und Selbstbestimmung, fördern die Machtkonzentration großer Plattformen und können sowohl den Jugendschutz als auch die Rechte aller Nutzer beeinträchtigen. Dementsprechend sind die Empfehlungen auch kompliziert formuliert: „Variante 1: Bei Einführung eines gesetzlichen Mindestalters für soziale Medien“ und „Variante 2: Risikobasiertes Stufenmodell (ohne allgemeines Mindestalter)“ (S. 75 f)

Unsere Redaktion hat auf unserem Frankreich-Blog schon öfters über die Maßnahmen zum Schutz der Kinder und Jugendlichen in der digitalen Welt in Frankreich berichtet: > Frankreich will den Jugendlichen unter 15 Jahren den Zugang zu sozialen Netzwerken verbieten – 27. Juni 2026

Die Hermann-Lietz-Schule auf Schloss Bieberstein lädt zur Summerschool 2026 ein

Die Hermann-Lietz-Schule auf Schloss Bieberstein lädt zur Summerschool 2026 ein

LIETZ INTERNAT SCHLOSS BIEBERSTEIN
Lädt zur > Summerschool mit Segelfliegen
vom 01.08.2026 bi 14.08.2026

Zum Herunterladen Flyer Summerschool 2026 – Segelfliegen auf der Wasserkuppe

Segelfliegen lernen auf der Wasserkuppe – Wohnen im Schloss.

ABHEBEN. ERLEBEN. WACHSEN.
Zwei Wochen, die dich beflügeln – in jeder Hinsicht.

Tauche ein in zwei unvergessliche Wochen voller Abenteuer, Freiheit und neuer Perspektiven bei der Summerschool im LIETZ Internat Schloss Bieberstein. Vom 01.08. bis 14.08.2026 erwartet dich eine einzigartige Kombination aus Segelfliegen, Gemeinschaft und Schlossleben mitten in der faszinierenden Natur der Rhön. Auf der Wasserkuppe, dem größten Segelflugzentrum der Welt, lernst du gemeinsam mit erfahrenen Fluglehrern die Grundlagen des Segelfliegens. Spüre das Kribbeln beim Start, genieße den Blick über endlose Horizonte und entdecke, wie es sich anfühlt, selbst abzuheben. Dabei wohnst du in einem historischen Schloss mit modernem Komfort und erlebst eine besondere Atmosphäre voller Inspiration und Zusammenhalt. Neben der Flugausbildung erwarten dich spannende Aktivitäten, gemeinsame Erlebnisse und neue Freundschaften, die weit über den Sommer hinaus bleiben. Die Summerschool bietet dir die Chance, Verantwortung zu übernehmen, Selbstvertrauen aufzubauen und über dich hinauszuwachsen.
Hier lernst du nicht nur das Fliegen, sondern auch Teamgeist, Mut und Begeisterung für neue Herausforderungen.

Auf unserem Blog > Erinnerungen an die Hermann-Lietz-Schule auf Schloss Bieberstein

Die Teilnahme kostet 2.500 € und beinhaltet Unterkunft, Verpflegung, Flugausbildung, Betreuung sowie das gesamte Programm. Teilnehmen können Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren mit einem ärztlichen Flugtauglichkeitszeugnis und einer Körpergröße bis maximal zwei Meter. Wenn du bereit bist, Neues zu entdecken und unvergessliche Erinnerungen zu sammeln, dann ist diese Summerschool genau das Richtige für dich. Sichere dir jetzt deinen Platz und werde Teil eines Sommers, der dich beflügelt!

Jetzt bewerben: www.lietz-schulen.de/schloss-bieberstein/informationen/kontakt

Hermann-Lietz-Schule auf Schloss Bieberstein

Stellenangebot: Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) am Hermann-Lietz-Internat Schloss Bieberstein

Die Einsatzstelle – das Schloss Bieberstein -, liegt außerhalb des Ortes Hofbieber, ca. 13 km östlich von Fulda und befindet sich in der Kernzone des Biospährenreservats Hessische Rhön.
Mehr zum Schloss: www.bieberstein.de
und hier: Erinnerungen an die Hermann-Lietz-Schule auf Schloss Bieberstein

Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) am Hermann-Lietz-Internat Schloss Bieberstein
> https://www.lietz-schulen.de/schloss-bieberstein/informationen/schloss-bieberstein-als-arbeitgeber#stellenangebot

Umfeld

Die Einsatzstelle liegt außerhalb des Ortes Hofbieber, ca. 13 km östlich von Fulda und befindet sich in der Kernzone des Biospährenreservats Hessische Rhön. Die Rhöngemeinde verfügt über eine gute Versorgungsinfrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, Arzt, Apotheke, Gastronomie, Post. Anschluss an den ÖPNV und Freibad von der Einsatzstelle in Laufweite.

Der Ort bietet sich als Ausgangspunkt für Wanderungen sowie für Rad- und Mountainbike-Touren an. Die nahe gelegene Wasserkuppe bietet weitere Freizeitmöglichkeiten.

Einsatzstelle

Die Hermann-Lietzschule Bieberstein ist ein Oberstufeninternat in freier Trägerschaft und bietet derzeit ca. 100 Schülerinnen und Schülern von der 10. Klasse bis zum Schulabschluss (Abitur/Fachabitur) ein Zuhause. Neben der zum Schulgelände gehörenden historischen Schlossanlage pachtet das Internat einen großer Schulgarten mit Streuobstwiese, der in Kooperation mit einer Schäferin und als Teil des reformpädagogischen Profils zusammen mit den Schülerinnen und Schülern extensiv und naturnah bewirtschaftet wird.

Ihre Aufgaben:

  • Mitarbeit bei der Instandhaltung des Schlossgeländes. Dies umfasst die Pflege von Beeten, Wegen und Rasenflächen, Schnitt von Sträuchern und Stauden. Dabei ist die kontinuierliche Umgestaltung zu einer naturnahen, klimagemäßen Anlage ein Anliegen.
  • Mitarbeit im Schulgarten (Baumschnitt, Kompostierung, Instandhaltungstätigkeiten) Unterstützung der erlebnispädagogischen Arbeit im Regelbetrieb (Anleiten von Schülergruppen bei gärtnerischen Tätigkeiten).
  • Vorbereitung und Durchführung umwelt- bzw. erlebnispädagogischer Aktionen und Projekte (z.B. Apfelernte, Projektwoche, Wochenend-Aktivitäten)

> Bitte weiterlesen.

Stellenangebot: Latein lehren in der Hermann-Lietz-Schule auf Schloss Bieberstein

Hermann-Lietz-Schule Schloss Bieberstein
Das Lietz Internat Schloss Bieberstein ist eine staatlich anerkannte Internatsschule mit ca. 100 Schülerinnen und Schülern der gymnasialen Oberstufe. Es ist ein renommiertes, reformpädagogisch ausgerichtetes Internat mit einer 120-jährigen Geschichte. Die Schule sucht zum 01.08.2026 eine Lehrkraft (m/w/d) für das Fach Latein; das Begleitfach ist beliebig.

Die Anzeige steht auf der Website der Schule: Lateinlehrer/in gesucht.

Mehr zum Schloss Bieberstein: Tatsächlich steht in den Internaten dieser Stiftung ganzheitliches Lernen mit Kopf, Herz und Hand im Mittelpunkt, wobei Gemeinschaft und Kommunikation eine zentrale Rolle spielen. Durch ein strukturiertes Orientierungs- und Coachingkonzept mit zusätzlichen Veranstaltungen wird soziale Verantwortung, Austausch und persönliche Haltung gefördert. Feste Rituale (das Klingeln beim Essen mit den Ansagen oder die Lernstunden oder die wöchentliche – weltliche – Kapelle mit vielen kulturellen Themen, Musik und Lesungen , klare Regeln und ein ausgewogenes Verhältnis von Lernen und Erholung schaffen einen sicheren Rahmen für individuelle Entfaltung. Selbständigkeit wird durch viele Aktivitäten ganz gezielt gefördert… Lesen Sie bitte weiter: > Erinnerungen an die Hermann-Lietz-Schule auf Schloss Bieberstein

Gerade erschienen: Lesen fürs Leben | Ausgabe 1/2026

Unsere Redaktion unterstützt die Initiative > Lesen fürs Leben von > Ernst Klett Sprachen.

Das Magazin „Lesen fürs Leben“ widmet sich der Bedeutung von Literatur und Lesen im schulischen Alltag. Es zeigt, wie Lesen Bildung fördert, Persönlichkeitsentwicklung unterstützt und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Die Beiträge geben Einblicke in moderne Methoden des Literaturunterrichts und der Leseförderung. Dabei werden sowohl klassische Lektüren als auch digitale Medien wie Podcasts oder Hörtexte berücksichtigt. Das Magazin zeigt auch, wie Lesen demokratische Werte vermitteln und Empathie stärken kann.

Lesen eröffnet neue Horizonte. Albert Camus erzählt in seinem letzten Roman Le premier Homme, wie er mit seinem Kameraden aus der Bibliothek kommt mit neuen Schätzen unterm Arm. Sie haben sich sogleich auf die nächste Bank gesetzt, um nachzusehen, was für eine Welt ihnen diesmal die neuen Bücher auftun: Das ist die Neugier, die Lust auf Neues, Lesen ist auch ein Abenteuer. Man liest eine Geschichte und hat danach einen anderen Blick auf die Welt… man merkt, dass andere etwas anderes dabei erfahren haben und schon beginnt das Diskutieren über Literatur. Hat man erst mal das Literaturvirus eingefangen, bleibt es, das wird man nicht wieder los:

> Die Lektüresuchmaschine von Ernst Klett Sprachen

> Lesecurriculum Deutsch als Fremd – und Zweitsprache *.pdf – 1,4 MB

In diesem Magazin Lesen fürs Leben helfen praxisnahe Beispiele Lehrkräfte, Literatur motivierend und zeitgemäß einzusetzen. Auch Themen wie Identität, Vielfalt und Integration spielen eine wichtige Rolle. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Förderung benachteiligter Kinder und Jugendlicher. Darüber hinaus werden innovative Projekte und Programme vorgestellt, die Freude am Lesen wecken sollen. Interviews und Erfahrungsberichte zeigen, wie Lesen im Unterricht lebendig werden kann. Das Magazin richtet sich vor allem an Lehrkräfte, Pädagoginnen und Pädagogen sowie alle Literaturinteressierten. Insgesamt bietet es Inspiration und konkrete Ideen, um Lesen als Schlüsselkompetenz für das Leben zu stärken.

In der neuen Ausgabe 1/2026 schreibt Tabea Kretschmann über Demokratische Grundwertebildung mit literarischen Texten und bezieht sich dabei auf die Lektüre > Edelweißpiraten von Dirk Reinhardt: Ein Zufall führt zur Freundschaft zwischen Josef Gerlach, einem Überlebenden des Zweiten Weltkriegs, und dem 16-jährigen Daniel. Als Josef ihm sein Tagebuch überlässt, taucht Daniel in eine dramatische Geschichte ein: Mit 14 verlässt Josef die Hitlerjugend und schließt sich den Edelweißpiraten an, einer Clique mit langen Haaren und lässiger Kleidung. Doch ihr Lebensstil wird von den Nazis nicht geduldet, sodass der Druck wächst und die Freunde schließlich gefährliche Aktionen planen und für ihre Freiheit kämpfen.

> Widerstand im Zweiten Weltkrieg > Edelweißpiraten – Website LMO Lebendiges Museum online – Ein Projekt des Deutschen Historischen Museums in Berlin

> Edelweißpiraten: Teenager gegen Hitler – Mediathek der ARD – verfügbar bis 24.3.2026

> Edelweißpiraten (Leipziger Platz) – Museen Köln

Neben mehreren Artikeln zu Lektüren für Englisch und Spanisch gibt es auch was für Französisch:

Denis Fender, der unserer Blog-Reaktion seit langem bekannt ist > Nachgefragt: Dennis Fender, Depuis notre dernière rencontre – 20. März 2019, gibt 10 Antworten auf die Frage Worum handelt es sich bei der Reihe « Je lis et j‘écoute » ? – Eine gute Gelegenheit, sich mit der französischen Sprache zu beschäftigen: Zur Erinnerung: > 222 Gründe für Französisch.

Mehr Artikel zum Thema Leseförderung finden Sie auf dem Blog von Ernst Klett Sprachen > www.lesen-fuers-leben.de.

> Die Lektüresuchmaschine von Ernst Klett Sprachen

> Weitere Leseempfehlungen für andere Fächer – Ernst Klett Sprachen

Michaela Strobel schreibt über Literarische Bildung für alle. Wie es gelingen kann, benachteiligte Kinder und Jugendliche an Literatur heranzuführen: „Leseförderung ist eine zentrale Aufgabe der Schule, aber sie kann Defizite nicht allein beheben oder Lesemotivation dauerhaft sichern. Oft fehlt bereits zu Hause ein positiver Bezug zu Büchern. Um dem entgegenzuwirken, sollten alle Beteiligten entlang des gesamten Sozialisations- und Bildungsprozesses zusammenarbeiten – von der Kita bis über die weiterführenden Schulen hinaus. Ziel ist es, benachteiligte Kinder durch vielfältige und kultursensible Ansätze zu erreichen und Chancengleichheit zu fördern…“ Bitte weiterlesen > Das Magazin „Lesen fürs Leben“ Nr. 6.

Lena Stenz hat genaue Vorstellungen: Lesen neu denken. Warum Podcasts in den Unterricht gehören. Ihre Grundgedanken „Das Medium Podcast verbindet klassische literarische Inhalte mit der Lebenswelt der Lernenden. Dabei können sie verschiedenste Formate ausprobieren: Buchbesprechungen, Figureninterviews, alternative Enden oder literarische Debatten lassen sich als Audioformate umsetzen,“ erläutert sie ausführlich in ihrem Artikel. Sie gibt nützliche Anregungen für die Nutzung von Podcasts im Unterricht. Am besten gleich ausprobieren: Motivation³ für Ihre Schüler/innen.

Die Redaktion von hat mit Michael Nowak, Schulleiter des Wagenburg-Gymnasiums in Stuttgart ein Gespräch über BÜCHERALARM@school im Einsatz in der Schule geführt. Lesen Sie dieses Gespräch und Sie werden BÜCHERALARM@school ganz bestimmt sehr bald in Ihrem Unterricht ausprobieren.

Die Überschrift des Beitrags von Adriana Akin lautete Lesen im Medienwechsel. Aufmerksamkeit und Teilhabe fördern: „Lesen ist und bleibt eine der zentralen Kompetenzen des Lernens. Doch die Art und Weise, wie junge Menschen Texte aufnehmen, verändert sich rasant. In einer Welt voller TikTok, Chats und Streaming müssen Bücher um Aufmerksamkeit kämpfen. Als Sprachenverlag, der einen großen Fokus auf das Lesen legt, hat Ernst Klett Sprachen dieses Spannungsfeld genauer betrachtet. Passend dazu präsentiert das Verlagshaus neue hybride Angebote, die zeigen, wie Lesen, Medienwechsel und digitale Tools sinnvoll zusammenwirken können.“

Und dann noch ein Beitrg von Grazia Ancillan über Buch oder Film? Beides!

Die Rubrik Neues von unseren Partnern ist diesmal dem ELI-Verlag gewidmet.

> Die Lektüresuchmaschine von Ernst Klett Sprachen

Siehe auch die Beiträge unserer Redaktion zu > Lektüren im Schulunterricht auf unserem Frankreich-Blog

Klett Sprachen: Logo! B1 – Deutschbuch ist erschienen

Bei Ernst Klett Sprachen ist ein Übungsbuch mit Audios > Logo! B1 Deutsch für Jugendliche erschienen.

*Logo! Einfach und sicher Deutsch lernen!* ist ein modernes und durchdachtes Lehrwerk für Jugendliche ab 10 Jahren, die schnell und zuverlässig Deutsch lernen möchten. Besonders geeignet ist es für den Unterricht mit einer geringen Wochenstundenzahl, da die Inhalte klar strukturiert und gut aufeinander abgestimmt sind.

Mit der flexiblen Kombination aus Print- und digitaler Ausgabe kann *Logo!* im Präsenzunterricht und im Online-Unterricht effektiv eingesetzt werden. Die integrierten digitalen Angebote wie Videos, Grammatikclips, Vokabelspiele und Onlineübungen motivieren für ein kurzweiliges und zeitgemäßes Lernen, das die Lernenden aktiv einbindet.

Das Lehrwerk bietet zahlreiche Differenzierungsangebote, sodass unterschiedliche Lerntypen gezielt gefördert werden können. Zusätzlich bereichern spezielle CLIL-Aufgaben den fachübergreifenden Unterricht und fördern durch Projektaufgaben sowie Mediation wichtige kommunikative Kompetenzen. Gezielte Fertigkeitstrainings und landeskundliche Aufgaben vermitteln nicht nur sprachliches Wissen, sondern auch kulturelle Hintergründe.

> Ins Probekapitel reinschauen.

Trotz der flachen Progression enthält *Logo!* ein intensives Prüfungstraining, das die Lernenden perfekt auf Tests und Prüfungen vorbereitet. Durch Selbstevaluationsangebote und Wahlaufgaben wird das autonome Lernen gestärkt.

*Logo!* überzeugt als vielseitiges, schülernahes und praxisorientiertes Lehrwerk, das Lehrkräfte und Lernende optimal beim Deutschlernen unterstützt.

Zielgruppe: Logo! führt zu den Niveaustufen A1, A2 und B1 und bereitet anhand jugendtypischer Themen auf die Prüfungen Fit, DSD I, KID und Zertifikat B1 vor.

Deutsch als Fremdsprache (DaF)
Sarah Fleer, Tanja Mayr-Sieber, Anna Pohlschmidt, Bettina Schwieger
> Logo! B1
Deutsch für Jugendliche
Übungsbuch mit Audios
ISBN: 978-3-12-605403-4

> Alle Titel der Reihe: Logo!

Unterrichten in Schulpforta

Mit den Monaten nach Schloss Bieberstein als Französisch- und Geschichtslehrer in der Landesschule Pforta in Naumburg auf den Spuren von Friedrich Nietzsche, der dort von 1858-1864 Schüler war, sind nachdrückliche Erlebnisse und Erinnerungen verbunden. Sue Prideaux hat in ihrer Biographie ausführlich über die Schulzeit Nietzsches in Schulpforta berichtet: Lesebericht: Sue Prideaux, Ich bin Dynamit. Das Leben des Friedrich Nietzsche.

Schloss Bieberstein, ein privates Oberstufengymnnasium der Hemann-Lietz-Stiftung auf deiner hohen Bergkuppe und dann die Landesschule Pforta, ein öffentliches Internatsgymnasium für Hochbegabte in einem alten Zisterzienser Kloster vor den Toren von Naumburg. Kleine Lerngruppen auf Schloss Bieberstein und in der Landesschule – insgesamt 300 Schüler/innen – hatte ich 82 Schüler in fünf Klassen. Der vergleich der beiden Internate war sehr lehrreich. Beide Schulen haben ihren jeweils ganz eigenen spiritus loci. Das altehrwürige Schloss oberhalb von Hofbieber bei Fulda, das Hermann Lietz kurz nach 1900 erworben hat, um darin eine seiner Schulen zu gründen und die Landesschule, die 1543 das Kloster bezog, dass die Zisterzienser kurz vorher aufgegeben hatten. Zum Kloster gehört noch heute eine Kirche, die größer als so manche Stadtkirche ist und in der u .a. am Montagabend, Schüler/innen de Andacht weitgehend selbst gestalten. Wenn sie singen, könnte an meinen, die Kirche sei voll. Heute lernen in Schulpforta rund 300 Jugendliche der Klassen 9 bis 12 unter anspruchsvollen Aufnahmebedingungen und im Rahmen des Internatslebens. Ziel der Schule ist es weiterhin, talentierte junge Menschen unabhängig vom sozialen Hintergrund zu fördern, weshalb die Internatskosten vergleichsweise niedrig sind und zusätzliche Unterstützung durch Stiftungen erfolgt.

Unser Fotoalbum:

Nach dem Weggang der Zisterziensermönche 1540 wurde das Kloster 1543 von Kurfürst Moritz von Sachsen in eine staatliche Internatsschule für begabte Jungen umgewandelt, die kostenlos ausgebildet werden sollten. Anfangs lag der Schwerpunkt auf den Alten Sprachen, besonders Latein, und die Schule entwickelte sich trotz Kriegen und Krisen zu einer bedeutenden Bildungsstätte mit vielen berühmten Absolventen. Im 19. Jahrhundert erlebte Schulpforte unter preußischer Herrschaft eine Blütezeit, während sich im 20. Jahrhundert durch Weltkriege, Inflation und politische Umbrüche tiefgreifende Veränderungen ergaben. ⚔️ Während der NS-Zeit wurde die Schule zur nationalsozialistischen Eliteschule umgestaltet, später in der DDR in das sozialistische Bildungssystem integriert, wobei nach und nach neue Schwerpunkte wie Sprachen und Musik entstanden. Nach der deutschen Wiedervereinigung ging die Schule in die Trägerschaft Sachsen-Anhalts über, wurde modernisiert und um einen naturwissenschaftlichen Zweig ergänzt, sodass heute etwa 300 Schülerinnen und Schüler dort gemeinsam lernen und leben. Noch nie habe ich in einer Schule so viele Klaviere gesehen… und eine Schülerin, die ich suchte, saß in einem der Übungsräume und übte Harfe. In einen der Clubraeume kamen abends 20 Schüler/innen und wir haben den Klavierspieler vom Gare du Nord angeguckt. Ein anderer hatte mir Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ mitgebracht und wir haben mehrere Wochen lang, regelmäßig darin gelesen und darüber diskutiert.

Die Landesschule Pforta fördert besonders begabte Schülerinnen und Schüler ab der 9. Klasse in den drei Schwerpunkten Fremdsprachen, Musik oder Naturwissenschaften, ohne die allgemeine Bildung zu vernachlässigen. Neben der fachlichen Vertiefung legt die Schule großen Wert auf soziale Kompetenzen, die durch das gemeinsame Leben im Internat und die Betreuung durch Lehrer als Hauseltern gestärkt werden. Als zertifizierte Begabtenförderschule ist sie Teil mehrerer Fördernetzwerke und Initiativen, wodurch ihre Absolventinnen und Absolventen zusätzlich zum Abitur besondere Leistungsnachweise für Studium und Beruf erhalten.

Schulpforta besitzt eine bemerkenswerte Historische Bibliothek, die um 1570 gegründet wurde und umfasst heute rund 80 000 Titel umfasst. Sie gehört jedoch aufgrund fehlender Neuanschaffungen seit dem Zweiten Weltkrieg vor allem zu den wissenschaftlich-historischen Sammlungen. Ihre Bestände reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, darunter mittelalterliche Handschriften und Inkunabeln, und wuchsen über Jahrhunderte durch staatliche Mittel, Spenden und Geschenke erheblich an. Heute ist sie eine Präsenzbibliothek für Forschung und historische Studien, während aktuelle Literatur den Schülerinnen und Schülern in einem modernen Studienzentrum zur Verfügung steht.

Friedrich Gottlieb Klopstock (1724 – 1803), Johann Gottlieb Fichte (1762 – 1814), Philosoph.Leopold von Ranke (1795 – 1886), Friedrich Nietzsche (1844 – 1900), Karl Gotthart Lamprecht (1856 – 1915) gehören zu den berühmten Schülern dieser Schule.

Erinnerungen an die Hermann-Lietz-Schule auf Schloss Bieberstein

Drei Jahre lang als Französischlehrer während der Schuljahre 2022/2023 bis 2024/2025 auf Schloss Bieberstein in Hofbieber 16 km östlich von Fulda haben mir unvergessliche Erinnerungen beschert. Dort befindet sich ein Oberstufengymnasium der Hermann-Lietz-Stiftung, zu der auch die Schulen in Haubinda und Hohenwehrda gehören:

Hermann-Lietz-Schule Schloss Bieberstein

Auf das Stellenangebot eines Französischlehrers habe ich mich im Frühsommer 2022 dort beworben. Nachdem ich einiges über Hermann Lietz gelesen hatte, war ich neugierig geworden, ob ich dort tatsächlich sehen würde, wie die Lietz-Ideen dort in die Praxis umgesetzt wurden: Eine moderne Hermann-Lietz-Schule lautete mein Resümee nach frei Jahren.

Dr. Hermann Lietz war ein deutscher Reformpädagoge und Gründer der deutschen Landerziehungsheime….

Tatsächlich steht in den Internaten dieser Stiftung ganzheitliches Lernen mit Kopf, Herz und Hand im Mittelpunkt, wobei Gemeinschaft und Kommunikation eine zentrale Rolle spielen. Durch ein strukturiertes Orientierungs- und Coachingkonzept mit zusätzlichen Veranstaltungen wird soziale Verantwortung, Austausch und persönliche Haltung gefördert. Feste Rituale (das Klingeln beim Essen mit den Ansagen oder die Lernstunden oder die wöchentliche – weltliche – Kapelle mit vielen kulturellen Themen, Musik und Lesungen , klare Regeln und ein ausgewogenes Verhältnis von Lernen und Erholung schaffen einen sicheren Rahmen für individuelle Entfaltung. Selbständigkeit wird durch viele Aktivitäten ganz gezielt gefördert. Ein starkes internes und externes Netzwerk, der Verein der Altbürger bietet allen stündig neue Perspektiven.V ielfältige Angebote zur Berufs- und Studienorientierung unsere Schüler/innen nicht nur auf das Abitur, sondern auch auf ein selbstbestimmtes Leben vor.

PC: F 11 zeigt die Fotos über den ganzen Bildschirm. Mit einem Klick auf den rechten oder linken Bildrand des Fotos geht es vor oder zurück: 31 Fotos.

Schloss Bieberstein: Tor zum schlosshof. Blick auf den Sonnenaufgang

Auf der Website der Schule wird eine Führung durch die gesamte Schule angeboten. Außerdem gibt es auch ein Webcamera, mit der man vom Schloss rund in das Land sehen kann: Die Schule sagt, wir bieten unseren Schülern den Blick ins Leben.

> Stellenangebote auf Schloss Bieberstein

Viele Schüler/innen lernen diese Hermann-Lietz-Schule durch ein Probewohnen kennen. Zwei/drei Tage nehmen sie am Internats-und Schulleben teil, wohnen dabei auch gleich in einer der Internatsfamilien und können sich dann entscheiden, ob sie dort oben lernen wohnen wolllen.

Schule auf Reisen lautet die Überschrift einer Seite auf der Website der Schule: Die 10. Klasse Gymnasium mit dem Schwerpunkt „10G Learn & Travel“ vermittelt wirtschaftliche, soziale, sprachliche und kulturelle Kernkompetenzen und bereitet gezielt auf die gymnasiale Oberstufe sowie die spätere Studien- und Berufswahl vor. Ergänzend zum regulären Unterricht nehmen die Schüler:innen an drei mehrwöchigen Auslandsreisen nach Italien, Ägypten und in die USA teil, die ganzheitliches Lernen durch direkte kulturelle Erfahrungen ermöglichen. Eine umfassende Berufs- und Studienorientierung mit Praxistagen, Betriebsbesichtigungen, Bewerbungstraining und Mitarbeit in schuleigenen Schülerbetrieben unterstützt die individuelle Stärkenentwicklung. Darüber hinaus fördern das Curriculum und das Internatsleben selbstständiges Arbeiten, Medienkompetenz sowie soziale und persönliche Fähigkeiten wie Verantwortungsbewusstsein und Selbstsicherheit.

Die Schüler/innen in E-International können in der Einführungsphase das erste Schulhalbjahr weltweit im Ausland zu verbringen und dabei Unterricht nach hessischem Lehrplan mit erlebnisorientiertem Lernen zu verbinden. Der Unterricht wird digital organisiert und durch Videounterricht, Lernplattformen sowie eine enge Begleitung durch Lehrkräfte und Coaches unterstützt, wobei Selbstständigkeit und Medienkompetenz im Mittelpunkt stehen. Die Zielländer sind gezielt so gewählt, dass ihre kulturellen, historischen, wirtschaftlichen und ökologischen Besonderheiten optimal zu den Unterrichtsinhalten passen. Das Programm fördert praxisnahes Lernen, Teamarbeit und Persönlichkeitsentwicklung und steht neben Bieberstein-Schüler:innen auch externen Bewerber/innen aus ganz Deutschland offen.

> Hermann-Lietz-Schule Schloss Bieberstein

Und danach der Unterricht in Schulpforta.

Lesebericht: Wilhelm von Humboldt, Bildungstrieb und Freiheitsdrang. Über die Erziehung zur Mündigkeit

Mit diesem Band von Wilhelm von Humboldt (1767-1835) > Bildungstrieb und Freiheitsdrang. Über die Erziehung zur Mündigkeit setzt Klett-Cotta die Reihe zeitlos-aktueller Werke der Pädagogik und Erziehungsphilosophie aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums der Klett-Gruppe (Ernst Klett Verlag) fort. Nach Johann Amos Comenius, Große Didaktik und John Locke, Einige Gedanken über Erziehung erscheint nun eine Sammlung von Texten, die einen umfassenden Einblick in das Gesamtwerk von Wilhelm von Humboldt vor allem zur Bildung des Menschen vermitteln.

Manfred Geier hat für diesen Band, den wiederum Jürgen Overhoff herausgegeben hat, das Vorwort verfasst. Das Ergebnis ist ein beeindruckender Einblick in das Schaffen von Wilhelm von Humboldt zugunsten seines umfassenden Bildungsanspruchs. Mit der wohl durchdachten Auswahl der Texte in diesem Band aus den Briefen Humboldts und seinen Schriften wird zunächst sein „Weg zur Mündigkeit, 1767-1790“ nachgezeichnet. Selbstvergewisserung und Prinzipientreue sind die Stichwörter des zweiten Kapitels „Selbstbildnis als Lebensprinzip, 1791-1802“. Wahrend seines sechsjährigen Aufenthalts in Rom: „Auf den Spuren der Antike. Rom 1802-1808“ hat Humboldt seine Bildungstheorie vervollständigt und sich dabei, ohne es bereits zu ahnen, auf seine Karriere als „Bildungspolitiker. 1808-1810“ vorbereitet.

Zu Wilhelm von Humboldts Lebensprinzipien gehört „autonomes Selbstsein“ (Geier, S. 13), dessen Begründung er im Stoizismus gefunden hatte, und vor allem die Lehren der Aufklärung sowie auch die konsequente Ablehnung staatlicher Bevormundung. Wenn auch Humboldt Anregungen dankbar aufgriff, so gab es doch wie die Begegnung mit seinem Freund Friedrich Heinrich Jacobi in Pempelfort Grenzen, die Geiger so zitiert: „Die Immanenz der Welt kann nicht mit der Transzendenz eines göttlichen Daseins kurzgeschlossen werden.“ (S. 21) Die Reise ins revolutionäre Paris, wo er am 3.August 1789 eintrifft, der Tag, an dem das Feudalsystem abgeschafft wurde, führt ihn zu dem Text Über Religion und Gesetzgebung, in dem er staatliche Autorität kritisiert, die nicht den Menschen als seinen eignen Zweck respektiere. Geiger nennt Humboldt nach Karl Mannheim einen „freischwebenden Intellektuellen“ auf der Such nach dem, was den Menschen antreibt.

Als Humboldt den Absagebrief an König Friedrich Wilhelm II. verfasst, der ihn 1809 zum Chef des preußischen Erziehungswesen ernennen will, denkt er wohl daran, dass er selbst nie in einer Schule war.
Es hilft kein Sträuben, eine Kabinettsorder des Königs folgt und Humboldt hat die Stelle: Aufklärung, Lernen des Lernens, kein äußerer Zwang, Ausbau der universitären Bildung bleiben seine Stichwörter, mit denen er Erfolg hat. Eine nur zweijährige Beschäftigung, aber er ordnet das preußische Unterrichtswesen ganz neu.

Erstaunlich, wie Humboldt seine Selbstfindung dokumentiert und ganz auf die eigene Individualität und die der anderen setzt: „die höchste Moral, die konsequenteste Theorie des Naturrechts“. (S. 71) Es ist dem Herausgeber dieses Bandes gelungen, Wilhelm von Humboldts Bildungstheorie durch eine kenntnisreiche und kluge Textauswahl auch gerade in ihrer Entwicklung wie in einem Essay, der seinen Gegenstand von verschiedenen Seiten beleuchtet, nachvollziehbar werden zu lassen. So wird 1790 in Über Religion und Gesetzgebung schon über den Gesetzgeber und seine Mittel berichtet, die er nutzt, um die Bildung der Bürger zu fördern, dass diese zweckmäßig seien, wenn „sie die innere Entwicklung der Fähigkeiten und Neigungen begünstigen“, ein Gedanke, der hier  auf das Innere der Seele zielt, eine Veränderung dort bewirkt, aber nie „hervorgebracht werden“ kann. Ein Verbiegen oder eine Veränderung der Individuen ist damit ausgeschlossen: „Denn wahre Tugend ist unabhängig von aller und verträglich mit befohlner, und auf Autorität geglaubter Religion.“ (S. 74) Wir könnten es hier mit dem Lesebericht bewenden lassen, denn präziser kann die Individualität des Lernenden, die es zu schützen gilt, kaum ausgedrückt werden.

Am 16. August 1791 schreibt Humboldt an Georg Forster und kommt wieder auf die Bildung der Individuen zurück. Das erste Gesetz der Moral laute: „Bilde dich selbst,“ und das zweite „Wirke auf andere durch das, was Du bist…“.  (S. 86) Von diesem Maximen möchte Humboldt sich nicht trennen, hat er doch hier auch festgelegt, welches Lehrerbild ihm vorschwebt.

Der Essaycharakter der Auswahl der vorliegenden Texte erweist sich wiederholt, wenn die Auswahl zum zweiten Mal gelesen wird, weil dann erst manche Aussagen erst wirklich ihren verdienten Stellenwert erhalten, so z. B. der Brie fan Friedrich Gentz im Winter 1791: „Wir rühmen uns mehr der menschlichen Erfindungen als der menschlichen Kräfte…“ (S. 91 f.) Was im Menschen zusammengehört wie Vernunft und Sinnlichkeit ist der Kern von Humboldts Menschenbild (vgl. ebd.), woraus man auch die Bedeutung der Ästhetik für die Bildung ableiten darf. In den  Ideen über Staatsverfassung durch die neue französische Constitution veranlasst: es geht hier um Wirkung und Bildung, Kraft, sagt Humboldt, und wiederum „Selbstthätigkeit“ (= selbständiges Arbeiten) und verbindet sie sogleich mit der Freiheit und die Einbettung in die Geschichte als historischen Prozess. Humboldt sagt: „Dass kein einzelner Zustand der Menschen und Dinge Aufmerksamkeit verdient an sich, sondern nur im Zusammenhang mit dem vorhergehenden und folgenden Dasein….“ (S. 96) Diese Bemerkung, so wie sie hier gemeint ist, verweist nicht auf Resultate, sondern auf die (individuellen) Kräfte, die hier am Werk sind. Der Leser spürt hier, wie der Herausgeber Humboldt dazu bringt, hier sein Menschenbild vorzuführen.

Am 1. Juni 1792 nennt Humboldt in seinem Brief an Georg Forster wieder die „innere Kraft des Menschen“ (S. 98) als den einzigen Stoff, dem alles unterzuordnen sei. Man habe sich angewöhnt nur auf Resultate zu achten, er vermisse aber die Aufmerksamkeit auf die „Kraft und die Energie der Menschen“, durch die Resultate von selber kommen und die Aufklärung komme mit dazu (vgl. S. 99). Nichts anderes steht in den Ideen zu einem Versuch, die Gränzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmn. 1792, wenn Humboldt im II. Abschnitt „Der Endzweck des Menschen“ „die höchste und proportionirlichste Bindung seiner Kräfte zu einem Ganzen“ (S. 106) als eben seinen Zweck beschreibt. Seine Bedingung ist die Freiheit und „Mannigfaltig der Situationen“ (ebd.) als Folge der eben dieser Freiheit wieder ein weiterer Baustein der Anthropologie Hmboldts. Sartre nannte den Menschen in seinen Vorwort zu seiner Flaubert-Studie „un universel singulier“, ein „einzelnes Allgemeines“. Im Kapitel VI. „Über öffentliche Staatserziehung“ steht: Erziehung, die den Menschen bildet, benötigt den Saat nicht: „Bei freien Menschen entsteht Nacheiferung…“, (S.116) womit wir wieder beim Lehrerbild sind. Wie gesagt, was man zunächst überliest, wird in diesem Essayband durch weitere Bausteine in Erinnerung gerufen und so zurechtgerückt: „Öffentliche Erziehung scheint mir daher ganz ausserhalb der Schranken zu liegen, in welchen der Staat seine Wirksamkeit halten muss […]. (S. 117)

In Theorie der Bildung des Menschen – Bruchstück 1794/95 steht: Was der Mensch nothwendig braucht, ist bloss ein Gegenstand, der die Wechselwirkung seiner Empfänglichkeit mit seiner Selbstthätigkeit möglich mache.“ (S. 134) In Das achtzehnte Jahrhundert. 1797 steht eine Klage über viele Perioden unseres Lebens, die uns durch Hindernissse niederdrücken und die Ausübung unserer Kräfte “ in ihrer vollen und natürlichen Energie“ (S. 155) behindern. Gemeint ist hier auch der freie Wille und zugleich auch eine Selbstgenügsamkeit: Seine Menschenkenntnis ist für Humboldt der Grund, „warum ich nie etwas hervorbringen werde, was der Mühe wert sey, mich zu überleben.“ (S. 166)

Humboldts zweijährige Tätigkeit als Bildungspolitiker ist deshalb so interessant, weil er alle Vorgänge, die er um sich herum beobachtet, auch in seinen Briefen an seinem Menschenbild misst. Aber er wird auch deutlich. Unterrichtsbesuche: „Ich komme, ohne daß man es weiß.“ (S. 221) Das ist für ihn amüsanter als Akten lesen. Und dann der „Königsberger Schulplan“, gefolgt vom litauischen Schulplan“, beide klüger als die heutigen Kompetenzkataloge, deren Vermittlung und Prüfung den Lehrer immer unentbehrlicher machen und so gar nichts mit der Art und Weise zu tun, wie die Lehrer sich in Humboldts Lehrplänen überflüssig machen sollen. (vgl S. 237)

Wie nennt Humboldt staatliche Bildung? Das „Verbesserungsgeschäft der Nation“, das alle Seiten berücksichtigen muss, die Jugend und die Erwachsenen. Die Schulen haben den Zögling auf die Universität vorzubereiten, so dass dieser „physisch, sittlich und intellektuell der Freiheit und Selbstthätigkeit überlassen werden kann…“ (S. 283). „Ein so vorbereitetes Gemüth nun ergreift die Wissenschaft von selbst….“ (S. 283)

Wilhelm von Humboldt
> Bildungstrieb und Freiheitsdrang
Über die Erziehung zur Mündigkeit
Hrsg. von Jürgen Overhoff
mit einem Vorwort von Manfred Geier
Stuttgart: Klett-Cotta 2022, 336 Seiten, Broschiert
ISBN: 978-3-608-98670-9