Rezension: Jens Nordalm Deutschland, Das unterschätzte Land. Ein Loblied

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| Frankfurter Buchmesse 2026 | Die Wahl von Tobias Rausch (AfD) zum ersten AfD-Landtagspräsidenten | Die Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeyer zum Tag der Deutschen Einheit am 3.10.2026 in Bremen |


Jens Nordalm
Deutschland – Das unterschätzte Land
Ein Loblied
Stuttgart: Cotta 2026.

Frankfurter Buchmesse 2026: Zwischenbilanz nach den ersten beiden Fachtagen

65.000 Fachbesucher*innen aus 130 Ländern | Neues Hallenlayout / KI dominiert die Gespräche | Frankfurt: Wo Kultur und Politik aufeinandertreffen

An den ersten beiden Fachtagen der 78. Frankfurter Buchmesse (7.–11. Oktober 2026) blieb die Besucher*innenzahl auf dem gleichen hohen Niveau wie im Vorjahr. Am Mittwoch und Donnerstag (7.–8. Oktober 2026) besuchten insgesamt 65.000 Fachbesucher*innen aus 130 Ländern die Messe, die noch bis Sonntagabend dauert. Zum ersten Mal kamen Fachbesucher*innen aus Kap Verde, Grönland, Guinea, den Turks- und Caicosinseln sowie Eswatini auf die Messe. 4.000 Aussteller präsentieren ihre Bücher, Produkte und Dienstleistungen auf der führenden internationalen Buchmesse in Frankfurt. Die diesjährige Messe bietet mehr Bühnen als je zuvor. Dort finden mehr als 3.800 Veranstaltungen auf dem Messegelände und in ganz Frankfurt statt.

Das erneut stark frequentierte „Literary Agents & Scouts Centre“ (LitAg) war von 319 Agenturen aus 32 Ländern belegt. Im LitAg und im „Publishers Rights Center“ wurden insgesamt 582 Tische verkauft (2025: 591 Tische). Zu den bedeutenden Rechtegeschäften, die diese Woche für Schlagzeilen in der Fachpresse sorgten, gehörten der Erwerb des Kinderbuch-Debüts „Once, in the Forest“ der „Chocolat“-Bestsellerautorin Joanne Harris durch den unabhängigen britischen Verlag Magic Cat Publishing. Außerdem wurde ein transatlantischer Vertrag zwischen Penguin Random House UK und der Hachette Book Group über den Krimi „The Protector“ von James Patterson und Arnold Schwarzenegger abgeschlossen.

Positives Feedback zum neuen Hallenlayout 

Die diesjährige Messe findet mit einem neuen Hallenlayout statt: Aussteller mit starker B2B-Ausrichtung befinden sich in den oberen Hallenebenen, während jene mit großem Interesse an Privatbesucher*innen in den Erdgeschossen der Hallen platziert sind. Dazu Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse: „Nach den ersten beiden Fachbesucher*innentagen der Messe kann ich sagen, dass sich das neue Hallenkonzept für unsere Aussteller und Fachbesucher*innen äußerst gut bewährt hat. Bislang haben wir von beiden Gruppen sehr positives Feedback erhalten.“

CEOs über die Rolle der KI und die Bedeutung von Geschichten 

KI auf den Blogs unserer Redaktion:

> Sartre et Dürer – www.romanistik.info, 25. Juli 2026

> Rezension: Rainer Mühlhoff, Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus – www.romanistik.info, 15. Juni 2026

> Lesebericht und Nachgefragt: Michael Wildenhain, »Eine kurze Geschichte der Künstlichen
Intelligenz«
– www.romanistik.info, 19. Juni 2026

> Die Falle der künstlichen Intelligenz – Rezension: Eric Sadin, Le Désert de nous-mêmes: Le tournant intellectuel et créatif de l’intelligence artificielle – www.romanistik.info, 12. Januar 2026

> Im Internet suchen? Wie steht es um die Zuverlässigkeit der KI? – www.france-blog.info, 22. Juli 2026

> IA/KI – L’intelligence artificielle au lycée / Künstliche Intelligenz in der Schule – www.frnce-blog.info, 5. Januar 2025

Am Mittwoch betraten mehrere CEOs die Bühnen. Beim „CEO Talk“ erklärte Tobias Wann, CEO von tonies, dass sein Unternehmen zwar bei einigen seiner Produkte mit KI experimentiert habe, die Toniebox selbst jedoch „niemals ein KI-Spielzeug werden wird“. Nigel Newton, Gründer und CEO von Bloomsbury Publishing Plc führte aus, das Verlagswesen habe schon viele Herausforderungen erlebt. Und er sei sicher, dass KI nur ein weiterer Sturm sei, den die Branche gekonnt überstehen werde. „Es ist noch alles offen. Es bleibt noch Zeit, das Biest zu zähmen.“ An anderer Stelle, auf der Frankfurt Kids Conference, sprach Perminder Mann, CEO von Simon & Schuster UK und International, über die Bedeutung der Veröffentlichung von Erzählungen aus allen Teilen der Welt. „Das ist der Weg, um Menschen in einer polarisierten Welt zusammenzubringen“, erklärte sie.

 Frankfurt: Wo Kultur und Politik aufeinandertreffen 

Bei der Eröffnungs-Pressekonferenz der Messe hielt die amerikanische Historikerin und Pulitzer-Preisträgerin Jill Lepore eine eindringliche Grundsatzrede, in der sie vor einer Welt warnte, in der unsere Zukunft „einer sehr kleinen Zahl unglaublich mächtiger Wirtschaftsmagnaten des 21. Jahrhunderts“ überlassen wird.

Beim Opening, der offiziellen Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse, äußerte sich Glenn Micallef, EU-Kommissar für Generationengerechtigkeit, Jugend, Kultur und Sport, zurückhaltend hinsichtlich des künftigen Einflusses der KI auf die Verlagsbranche und fügte hinzu: „Künstliche Intelligenz wird uns mehr Worte liefern, als jede Generation vor uns jemals hatte. Unsere Verantwortung besteht darin, die Menschen, die dahinterstehen, niemals aus den Augen zu verlieren. Denken Sie daran: Technologie kann Worte generieren. Aber nur Menschen können sie zum Leben erwecken.“ Die literarische Rednerin des Buchmesse-Gastlands, die tschechische Autorin Radka Denemarková, sagte: „Ich stehe hier; ich habe keine Wahl, denn ich existiere, und ich habe die Nase voll von dem, was ich in letzter Zeit so oft gehört habe: dass man Politik und Literatur trennen müsse. Alles ist Politik. Die Frage von heute ist ganz einfach: offene Demokratie oder geschlossene Gesellschaft. Die Literatur kennt die Antwort; deshalb ist sie so gefährlich.“

Über die Frankfurter Buchmesse

Die Frankfurter Buchmesse ist die größte Fachmesse für das internationale Publishing und ein branchenübergreifender Treffpunkt für Player aus den Bereichen Bildung, Filmwirtschaft, Games, Wissenschaft und Fachinformation. Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildet seit 1976 der jährlich wechselnde Ehrengast, der dem Messepublikum auf vielfältige Weise seinen Buchmarkt, seine Literatur und Kultur präsentiert. Die Frankfurter Buchmesse organisiert die Beteiligung deutscher Verlage an internationalen Buchmessen und veranstaltet ganzjährig Fachveranstaltungen in den wichtigen internationalen Märkten. Die Frankfurter Buchmesse ist ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Quelle: pr.buchmesse.de

Gastlandauftritt des Weimarer Dreiecks auf der Leipziger Buchmesse 2027

| Rezension: Hubertus Heil, Der Angriff der Autokraten. Die Verteidigung der Demokratie gegen innere und äußere Gegner | Die Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeyer zum Tag der Deutschen Einheit am 3.10.2026 in Bremen |


Anlässlich des Gastlandauftritts „BEZIEHUNGSWEISE EUROPA“ von Polen, Frankreich und Deutschland (Weimarer Dreieck) auf der Leipziger Buchmesse 2027 fand heute auf der Frankfurter Buchmesse eine Pressekonferenz statt. Das Projekt wird von den drei Kulturinstituten der Länder – dem Polnischen Institut, dem Institut français Deutschland und dem Goethe-Institut getragen.

Aufzeichnung der Eröffnungspressekonferenz: https://youtube.com/live/qB7uR76M5J0 

Buchmesse-Direktorin Astrid Böhmisch eröffnete die Pressekonferenz und erklärte: „‚Beziehungsweise Europa‘ steht in einem unmittelbaren inhaltlichen Dialog mit dem Motto der Leipziger Buchmesse 2027 ‚Neugier öffnet neue Seiten‘. (…) So entsteht auf der Messe, aber hoffentlich ganz besonders auch noch im Nachgang, ein Energiefeld für die Geschichten, Haltungen und Impulse, die die Literaturen der drei Länder mitbringen.“

Außerdem sprachen Thorsten Dönges (Kurator), Katarzyna Sitko (Polnisches Institut Berlin), Thomas Michelon (Institut français Deutschland), und Katharina von Ruckteschell-Katte (Goethe-Institut). Karolina Golimowska (Polnisches Institut), Wolf Iro (Goethe-Institut) und Myriam Louviot (Institut français Deutschland), standen nach der Pressekonferenz für Gespräche zur Verfügung und erläuterten als Kurationsteam ihr Konzept und die verschiedenen Veranstaltungsformate.

Das Konzept des Gastlands 2027 wurde erstmals vorgestellt und in seinen kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Kontext eingeordnet. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Repräsentation einer einzelnen nationalen Literatur, sondern die Schaffung eines grenzüberschreitenden Raums für literarischen Austausch, kulturelle Fragen sowie gesellschaftliche und politische Debatten.

So Katarzyna Sitko, Direktorin des Polnischen Instituts Berlin: „Wenn wir die Bücher unserer Nachbarn lesen, verstehen wir einander besser und entdecken, wie viel uns verbindet. Gerade in instabilen Zeiten brauchen wir diese Nähe mehr denn je. Ein starkes Europa lebt nicht nur von politischer und wirtschaftlicher Zusammenarbeit, sondern auch von kulturellen Verbindungen, die uns das Gefühl geben, wirklich Teil einer europäischen Gemeinschaft zu sein.“

Es gibt eine Verbindung zwischen den Literaturen Polens, Frankreichs und Deutschlands, die sowohl Teil des gemeinsamen europäischen kulturellen Erbes als auch prägend für die zeitgenössische Kultur Europas sind. Das Projekt knüpft dabei an die vielfältigen literarischen und kulturellen Beziehungen zwischen den drei Ländern an und greift zugleich die Idee des Weimarer Dreiecks auf: die gemeinsame Verantwortung, die europäische Idee zu stärken und weiterzuentwickeln. „Polen, Frankreich und Deutschland gehören zu Europa, ohne es als Ganzes zu verkörpern; sie stehen einander nahe, ohne deshalb einig zu sein. Was sie verbindet, ist die Geschichte ihrer Beziehungen, ihre gegenseitigen Abhängigkeiten und – vielleicht vor allem– der Wille, miteinander im engen Austausch zu bleiben“ steht im Konzept des Kurationsteams.

Das Weimarer Dreieck ist ursprünglich ein politischer Begriff: Polen, Frankreich und Deutschland haben sich dazu bekannt, die europäische Idee gemeinsam zu stärken und weiterzuentwickeln. Seit seiner Gründung 1991 steht das Weimarer Dreieck für Dialog, Verständigung und die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft Europas. Und, wie Katharina von Ruckteschell-Katte, Abteilungsleiterin Kultur und Bildung Goethe-Institut anmerkt: „Das Weimarer Dreieck ist aus dem politischen Willen entstanden, Europa gemeinsam zu stärken und weiterzuentwickeln. Als Gastland sendet es deshalb ein wichtiges Zeichen: Europas Zukunft liegt nicht in Alleingängen und Abgrenzung, sondern in Zusammenarbeit, Austausch und dem Bewusstsein für das, was uns miteinander verbindet. Gerade Kultur und Literatur machen diese Verbindungen sichtbar und eröffnen zugleich Raum für unterschiedliche Perspektiven. Dies machen wir mit dem Gastlandauftritt erlebbar”.

Der Titel des Projekts ist Programm: “Das Wort beziehungsweise kommt zunächst nur als unscheinbare Konjunktion daher. Doch steckt in ihr die Verbindung der Begriffe Beziehung und weise – und deshalb auch die Frage, auf welche Weise wir unsere Beziehungen bereits gestalten und gestalten wollen. Beziehungsweise Europa betont daher sowohl die europäische Dimension als auch den eigenen Gestaltungsspielraum. Wir tragen gemeinsam Verantwortung, für unsere Beziehungen und für unsere Zukunft. Wie diese aussehen sollen, ist Gegenstand der Veranstaltungen.” so das Kurationsteam.

Präsentiert wurde die Entstehung des Projekts und sein Anliegen, neue literarische Entwicklungen und Strömungen in den drei Ländern sichtbar zu machen. Unterschiedliche Perspektiven auf aktuelle gesellschaftliche und demokratische Herausforderungen sollen miteinander ins Gespräch gebracht werden. Thomas Michelon, Direktor des Institut français Deutschland fügte hinzu: „Diese gemeinsame Initiative wird es dem Publikum ermöglichen, in das schöpferische literarische Schaffen einzutauchen und zugleich zu ermessen, welchen Zugang uns diese Autorinnen und Autoren zu intellektuellen Fragen wie auch zu den großen Herausforderungen unserer Zeit eröffnen.“

Weil Beziehungen in ihren verschiedenen Formen im Mittelpunkt des Projekts stehen, prägen sie auch viele der Veranstaltungsformate und einige davon wurden vorgestellt.

Genannt wurden die ersten Namen derjenigen Autor:innen, die auf der Leipziger Buchmesse anwesend sein werden: Dorota Masłowska, Marie NDiaye, Annett Gröschner, Zyta Rudzka, Laura Vazquez, Matthias Nawrat und Ozan Zakaryia Keskinkiliç.

Das visuelle Erscheinungsbild des Gastlandauftritts – in Form des Logos von Beziehungsweise Europa – wurde ebenfalls erstmals gezeigt.

Staatsminister Weimer eröffnet 78. Frankfurter Buchmesse und kündigt neue Auszeichnung „Literarisches Wort des Jahres“ an – Staatsminister Weimer: „Wir feiern die einzigartige Kraft der Sprache“

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eröffnet heute im Namen der Bundesregierung die 78. Frankfurter Buchmesse. Vor der Eröffnung hat er die neue Auszeichnung „Literarisches Wort des Jahres“ angekündigt. Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse ist in diesem Jahr Tschechien. Unter dem Motto „Ein Land an der Küste“ präsentiert sich das Land als Sehnsuchtsort für literarische Entdeckungen. Im Ehrengast-Pavillon findet ein umfangreiches Programm mit Lesungen und Gesprächen statt, zudem sind 75 tschechische Autorinnen und Autoren vor Ort.

Staatsminister Weimer sagte im Vorfeld: „Deutschland und Tschechien verbindet eine wechselvolle literarische Freundschaft. Umso mehr freue ich mich, dass wir dieses Jahr im Ehrengast-Pavillon die Chance haben, in die facettenreiche Welt der tschechischen Literaturszene einzutauchen – geprägt von poetischer Sprache, Ironie und Gesellschaftskritik. Literatur schafft Räume für Begegnung und Verständigung. Hier, auf der Frankfurter Buchmesse, kommt die Welt zusammen, um die einzigartige Kraft und Schönheit des Wortes zu feiern und Menschen und Geschichten aus aller Welt zu verbinden.“

Zur Eröffnung der Buchmesse kündigte er eine neue Auszeichnung in Zusammenarbeit mit der Grimmelshausen Gesellschaft an, die das „Literarische Wort des Jahres“ prämieren soll.

Staatsminister Weimer vorab: „Ist es nicht an der Zeit, die einzigartigen Möglichkeiten der Sprache und Literatur zu feiern und dem Unwort des Jahres sein positives Pendant gegenüberzustellen? Gemeinsam mit einer Jury, die neben älterer Literatur auch Neuerscheinungen auf Sprachschöpfungen durchsucht, möchte ich das „Literarische Wort des Jahres“ küren – ein Wort, das die Kraft der Veränderung in sich trägt. Ich bin zuversichtlich, dass es gemeinsam mit der Grimmelshausen-Gesellschaft und weiteren Partnern gelingen wird im kommenden Jahr das erste „Literarische Wort des Jahres“ zu küren.“

Die Frankfurter Buchmesse findet vom 7. bis zum 11. Oktober 2026 statt. Sie ist das wichtigste Jahrestreffen der internationalen Buchbranche und zugleich Handelsplatz, Lesefestival und Debattenforum. Mit zahlreichen Veranstaltungen bietet sie eine Plattform für intensive Diskussionen zu dringlichen Fragen rund um die Folgen technologischer Entwicklungen, Demokratie, Meinungsfreiheit und weltweiten Konflikten. Auch in diesem Jahr sind zahlreiche Autorinnen und Autoren sowie Partnerinnen und Partner aus der ukrainischen Buch- und Verlagsbranche auf der Buchmesse vertreten. Der ukrainische Länderstand wird erneut mit Mitteln aus dem Etat des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien unterstützt.

Quelle: Bundespresseamt

Vermitteln zwischen Sprachen und Märkten: Übersetzer*innen auf der Frankfurter Buchmesse 2026

Übersetzer*innen prägen mit ihrer Arbeit den internationalen Literaturbetrieb und sind auf den Bühnen der FBM26 sehr präsent.

Vom 7. bis 11. Oktober 2026 wird die Frankfurter Buchmesse zum zentralen Treffpunkt der Publishing-Branche und somit auch für Übersetzer*innen literarischer und wissenschaftlicher Werke aus aller Welt. Mit einem vielfältigen Programm und mehreren internationalen Delegationen werden die Vermittler*innen zwischen Sprachen, Kulturen und Märkten in diesem Jahr besonders sichtbar. Auf den Buchmesse-Bühnen diskutieren sie aktuelle Aspekte ihrer Tätigkeit; auf dem Programm stehen zum Beispiel Debatten über künstliche Intelligenz, Geopolitik und faire Vergütung. Am Messe-Mittwoch wird die Übersetzerbarke verliehen, am Donnerstag erhält das digitale Magazin und Übersetzungsprojekt Words Without Borders den internationalen Aficionado Award 2026.

Übersetzer*innen aus Tschechien und Chile: Internationaler Austausch auf den Buchmesse-Bühnen

Die Übersetzungsförderung ist eine zentrale Säule des Ehrengastauftritts auf der Frankfurter Buchmesse. Beim diesjährigen Ehrengast Tschechien präsentieren rund 95 deutschsprachige Verlage über 150 Neuerscheinungen, die durch tschechische Mittel gefördert wurden. Eine Delegation tschechischer Übersetzer*innen ist insbesondere an den Fachbesucher*innentagen in das rund 100 Veranstaltungen umfassende Programm des Ehrengasts eingebunden. Im Messezeitraum findet außerdem das Fellowship-Programm CZECHIA statt. Es richtet sich an 15 erfahrene Übersetzer*innen aus dem Tschechischen und stärkt deren internationales Netzwerk sowie die Sichtbarkeit tschechischer Literatur.

Einen Ausblick auf das kommende Gastland bietet die neue „LatAm Stage“ (3.1 F70). Aus Chile, Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2027, reist eine Delegation von sechs Übersetzer*innen nach Frankfurt. Von Mittwoch bis Freitag widmet sich das Programm der Bühne den fachlichen Entwicklungen der lateinamerikanischen Buchbranche. Ab Freitagnachmittag und am Wochenende übernehmen die chilenischen Delegationsmitglieder sowie weitere Schriftsteller*innen aus Argentinien, Brasilien, Guatemala, Mexiko und Kolumbien das Wort, um in Panels aktuelle literarische und gesellschaftliche Fragen Lateinamerikas zu diskutieren.

Auch Rumänien, Ehrengast 2028, hat bereits ein Übersetzungs-Förderprogramm aufgelegt. Weitere Informationen gibt es beim Ehrengastfrühstück am 9. Oktober 2026 von 9.00-10.00 Uhr am Stand der Leseinsel der unabhängigen Verlage (Halle 3.0 C69).

Goldschmidt+: Übersetzer*innen im internationalen Austausch

Das Programm Goldschmidt+ richtet sich an ehemalige Teilnehmer*innen des renommierten Georges-Arthur-Goldschmidt-Programms für Literaturübersetzer*innen aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Österreich. Um im Beruf etablierten Übersetzer*innen eine kontinuierliche Weiterbildung zu bieten, vertieft das Format deren Kompetenzen, baut das internationale Netzwerk aus und rückt die Übersetzung ins Rampenlicht von Festivals und Buchmessen. Auf der Frankfurter Buchmesse 2026 sind die Teilnehmenden auf verschiedenen Fachpanels vertreten. Es geht unter anderem um die Übersetzung Emmanuel Carrères in verschiedene Sprachen, generative KI und Familienbiografien.
Mehr zu Goldschmidt +, Veranstaltungsübersicht siehe unten.

Prämierte Übersetzer*innen im Gespräch

Der internationale Aficionado Award ehrt jährlich wegweisende Initiativen und Organisationen, die die Publishing-Branche nachhaltig verändern. Er wird in Kooperation und mit Unterstützung der Frankfurter Buchmesse und des Salone Internazionale del Libro di Torino durchgeführt. Dass die Auszeichnung 2026 an das globale Übersetzungsprojekt Words Without Borders (Brooklyn, New York) geht, rückt zugleich die literarische Übersetzung auf die internationale Bühne: Das digitale Magazin veröffentlicht seit über zwanzig Jahren internationale Literatur in englischer Übersetzung und macht insbesondere indigene, vom Aussterben bedrohte und übersehene Sprachen zugänglich. Die Preisverleihung findet am Donnerstag, den 8. Oktober 2026, um 11.00 Uhr auf der Global Stage statt (Foyer Halle 5.1/6.1).
Mehr zum Aficionado Award

Weitere preisgekrönte Übersetzer*innen sind Teil des Messeprogramms: Vera Elisabeth Gerling erhält die Übersetzerbarke. Stefan Moster, Träger des Paul-Celan-Preises 2026, sowie Christian Hansen und Wiebke Stoldt, die mit dem Straelener Übersetzerpreis ausgezeichnet wurden, sprechen über Pioniergeist, langen Atem und die Finessen des Übersetzens.

Zentrum Wort: Literatur und Übersetzung auf der Bühne

Das Zentrum Wort (5.0 C115) ist auf der Frankfurter Buchmesse der zentrale Treffpunkt für literarische Übersetzung und Gegenwartsliteratur. Aktuelle deutschsprachige und internationale Literatur sowie übersetzerische Praxis können hier in aller Vielfalt erlebt werden. Gemeinsam gestaltet vom Deutschen Literaturfonds, dem Deutschen Übersetzerfonds und dem Verband deutschsprachiger Übersetzer/innen (VdÜ), bietet das Areal mit seiner Bühne und einer Networking-Area Raum für den fachlichen Austausch. Im Fokus stehen in diesem Jahr drängende Debatten der Branche – von den Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf das Urheberrecht bis hin zur Rolle des Übersetzens in geopolitischen Krisen. Mehr zum Zentrum Wort

Veranstaltungsübersicht (Auswahl, Änderungen vorbehalten)


Preisverleihungen und andere Veranstaltungen mit prämierten Übersetzer*innen

  • „Wir müssen uns Übersetzer*innen als glückliche Menschen vorstellen“: Ein Gespräch anlässlich der Verleihungen des Paul-Celan-Preises und der Straelener Übersetzerpreise 2026
    Mittwoch, 7. Oktober 2026, 16.00-17.00, Zentrum Wort, Halle 5.0 C115
    Mit: Christian Hansen, Stefan Moster, Wiebke Stoldt, Patricia Klobusiczky (Moderation)
  • Verleihung der Übersetzerbarke 2026 an Vera Elisabeth Gerling
    Mittwoch, 7. Oktober 2026, 17.00-18.00, Zentrum Wort, Halle 5.0 C115
  • Aficionado Award: Panel und Preisverleihung
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 11.00-11.30 Uhr, Global Stage, Foyer 5.1/6.1
    Mit: Elisabeth Jaquette (Executive Director von Words Without Borders), Tom Kraushaar (Klett-Cotta) und Erin Cox (Moderation, Frankfurter Buchmesse)

Veranstaltungen mit Teilnehmer*innen des Förderprogramms Goldschmidt+

  • Akzent: Übersetzung ins Rampenlicht
    Mittwoch, 7. Oktober 2026, 11.30-12.10 Uhr, OFF Bühne Schweiz, Halle 3.0 F86
    Mit: Catherine Schlumberger (Geschäftsführerin, Solothurner Literaturtage), Jörn Cambreleng (Direktor, ATLAS), Seid Serdarević (Lektor, Fraktura), Sula Textor (Moderation)
  • Erinnerung übersetzen – Familiengeschichten zwischen Schweigen, Archiv und Sprache
    Mittwoch, 7. Oktober 2026, 15.30-16.00 Uhr, Inspiration Stage, Halle 3.0 J34
    Mit: Sula Textor (Literaturübersetzerin, Goldschmidt+), Patrick Farges (Université Paris Cité) Bettina Sund (Moderation).
  • „Gott spielen“: Wie generative KI Sprache und Denken automatisiert, mit Social-Media-Beiträgen Kriege steuert, uns unmündig macht und was wir dagegen tun können
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 10.00-11.00 Uhr, Inspiration Stage, Halle 3.0 J34
    Mit: Nina George (Bestsellerautorin, Kommissarin für Politische Angelegenheiten des EWC), Hans Neubauer (Autor, Journalist), Claudia Hamm (Übersetzerin)
  • Schreiben und übersetzen
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 11.00-12.00 Uhr, Inspiration Stage, Halle 3.0 J34
    Mit: Julia Wolf (Autorin, Übersetzerin), Francesca Manfredi (Autorin, Übersetzerin), Veronika Islinger (Moderatorin)
  • Geschichte im Prisma der Sprachen: Emmanuel Carrères „Kolchose“ auf Italienisch, Englisch und Deutsch
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 12.00-13.00 Uhr, Inspiration Stage, Halle 3.0 J34
    Mit: Ena Marchi (Lektorin), John Lambert (Übersetzer), Claudia Hamm (Übersetzerin)

Veranstaltungen im Zentrum Wort, 5.0 C115

  • Böhmische Dörfer – Zeitgenössische Literatur aus Tschechien übersetzen
    Mittwoch, 7. Oktober 2026, 15.00-16.00 Uhr
    Mit: Mirko Kraetsch, Eva Profousová, Katharina Borchardt (Moderation)
  • Unterschreiben oder verlieren? KI-Training, Urheberrecht und faire Vergütung für Übersetzer*innen
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 11.00-12.00 Uhr
    Mit: Johanna Czerny, Philipp Diepmans, Elvira Iannone, Ricarda Essrich (Moderation)
  • Vermintes Gelände – Übersetzung im geopolitischen Spannungsfeld
    Freitag, 9. Oktober 2026, 14.00-15.00 Uhr
    Mit: Larissa Bender, Karin Betz, Christiane Körner Paul Ingendaay (Moderation)
  • Von Wikingern, Mord und Spice – Wie Genreübersetzungen entstehen
    Samstag, 10. Oktober 2026, 15.00-16.00 Uhr
    Mit: Freyja Melsted, Julia Schwenk, Justus Carl (Moderation)
  • Übersetzungen in der Öffentlichkeit: Vom Feuilleton zu BookTok
    Samstag, 10. Oktober 2026, 16.00–17.00 Uhr
    Mit: Jacqueline Mikol, Leyli Sahin, Lea Schneider Julia Rosche (Moderation)
  • Poetische Schwarmintelligenz: ein Übersetzungsexperiment
    Sonntag, 11. Oktober 2026, 12.00-13.00 Uhr
    Mit: Sven Koch, Leonie Nückell, Anna Eble (Moderation)
  • Übersetzung: Mensch oder Maschine? Finden Sie den Unterschied!
    Sonntag, 11. Oktober 2026, 14.00-15.00 Uhr
    Mit: Heide Franck, Andreas Jandl und Myriam Alfano

Veranstaltungen auf weiteren Bühnen

  • (M)other tongues: Workshop mit Ela zum Winkel
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 10.30-11.10 Uhr, OFF Bühne Schweiz, Halle 3.0 F86
    Mit: Ela zum Winkel (Literaturübersetzerin, Theaterschaffende)
  • Why Translation Funding Matters
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 11.00-12.00 Uhr, LatAm Stage, Halle 3.1 F70
    Mit: Cristina Varas Largo, Pavella Copolla Palacios, Claudia Cabrera, Soledad Lagos (Moderation). Sprache: Englisch
  • Wer überlebt im Literaturbetrieb? Urheberschaft für Übersetzer*innen
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 12.30-13.00 Uhr, Discovery Stage, Halle 5.0 C147
    Mit: Tong Yali (Lyrikerin, Klangpoetin, Literaturwissenschaftlerin, Übersetzerin)
  • Endlicher Spaß. Zur Kunst des Übersetzens
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 15.30-16.30 Uhr, Halle 3.0 D87
    Mit: Ulrich Blumenbach, Träger des Johann-Heinrich-Voß-Preises für Übersetzung 2026, und Daniel Göske, Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung
  • Translations and their Funding in Asia – Concepts, Demands and Ideas
    Freitag, 9. Oktober 2026, 14.30-16.00 Uhr, Asia Stage, Halle 5.1 A75
    Mit: Sabine Müller, Chanwoo Park, Charisse Aquino-Tugade, Elaine Ng
  • „Des Paradieses Töne“ – Arabische Lyrik in deutscher Sprache
    Freitag, 9. Okt. 2026, 17.00-18.00 Uhr, Dialogue Stage, Foyer Halle 4.0/4.1
    Mit: Stefan Weidner, Claudia Ott, Christian Junge (Moderation)
  • Translating Children’s Books
    Freitag, 9. Okt. 2026, 17.00-18.00 Uhr, LatAm Stage, Halle 3.1
    Mit: Paula Fernández, Maria José Ferrada, Mariana Warth, Paula Peretti (Moderation). Sprache: Englisch

Veranstaltungen im Ehrengast-Pavillon, Forum, Ebene 1

  • Europa übersetzen: Das ENLit-Netzwerk 
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 13.00-13.50 Uhr, Harbour Stage
    Mit: Izaskun Arretxe, Elise Vanoosthuyse und Eleonora di Blasio, Martin Krafl (Moderation). Sprache: Englisch
  • KI in der Übersetzungs- und Verlagsbranche: neue Studien von Humanaid und CEATL
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 14.00-14.50 Uhr, Harbour Stage
    Mit: Jiřina Šmejkalová, Lenka Pořízková, Francesca Novajra, Anna Luňáková (Moderation). Sprache: Englisch
  • ÜbersetzerInnen und ihre Rolle: VerlegerIn, AgentIn, OrganisatorIn, AktivistIn
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 15.30-16.20 Uhr, Shore Stage
    Mit: Veronika Siska, Susanna Räty, Julia Miesenböck, Jitka Hanušová (Moderation). Sprache: Englisch
  • Perlen auf dem Meeresgrund. Unübersetzt gebliebene Bücher der tschechischen Literatur.
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 11.150-12.00 Uhr, Shore Stage
    Mit: Susa Wolfrum (Moderation), Jana Krötzsch (Moderation). Sprache: Englisch

Lesebericht: Antonio Scurati, »Faschismus und Populismus«

Stürzende Imperien««Die neue weiße Reihe bei Cotta bündelt immer wieder, präzise auf den Punkt gebracht, Überlegungen zu den großen Fragen unserer Zeit. Im vorliegenden Buch meldet sich Antonio Scurati zu Wort und erklärt die Zusammenhänge zwischen Faschismus und Populismus. Es lohnt sich, »Faschismus und Populismus« zu lesen und seine Gedankengänge genau nachzuvollziehen, da es seinen Lesern von heute den Blick auf die Praktiken der Populisten schärft, die unsere Parlamente erobern, obwohl sie mit der parlamentarischen Demokratie fremdeln. Dieses Buch ist auch ein Weckruf. Seid wachsam gegenüber den Populisten, ihr Treiben ist durchschaubar, man muss nur genau hinsehen. Lasst Euch nicht verführen, denn irgendwann ist es zu spät, so könnte das Resümee dieses Buches lauten.

I. Faschismus. Antonio Scurati, Literaturwissenschaftler und Autor des mehrbändigen Romanzyklus über Mussolini »M« erklärt in dem Essay »Faschismus und Populismus« (übers. v. E. Heinemann, Stuttgart: Cotta 2024), warum die populistischen Extremisten, die sich nicht unbedingt links oder rechts einordnen lassen, unseren Demokratien so gefährlich werden. Wie konnte es dazu kommen? „Dass das Gefühl für Geschichte verloren ging, ist eine der großen geistigen Unzulänglichkeiten unserer Zeit, die in vielerlei Hinsicht eine privilegierte Epoche ist“ (S. 9). Es sei zu Beginn des Millenniums gewesen: „Wir verloren die Fähigkeit, uns vom großen Strom der Zeit, die von fernher kam und in die Ferne strömte noch getragen zu werden…“ (S. 11). Das sei kein Grund, sich zu verstecken, zumal gerade eine rechtsextreme Partei in Italien die Regierung übernommen hat. Wird die Verbindung zur Geschichte von ihr einfach gekappt oder neu interpretiert werden? Da die Debatte bisher ausgeblieben sei, befürchtet Scurati, dass es zu einem „aufwiegelnden und gehässigen Revisionismus“ (S. 14) kommen werde.

Es sind die Erfahrungen, die Scurati bei der Niederschrift des Romanzyklus über Mussolini »M« gesammelt hat, die sein historisches Bewusstsein geschärft haben. Im neuen Millennium verstärkten sich die revisionistischen Geschichtsdarstellungen und die Propaganda von offen neofaschistischen Gruppen und es gab immer neue Grenzüberüberschreitungen geprägt vom nationalen Bewusstsein. So erlitt die demokratische Grundeinstellung einen offensichtlichen Schaden, während zur gleichen Zeit Populisten auf dem Vormarsch waren (vgl. S. 21).

Den deutschen Ausdruck Vergangenheitsbewältigung gebe es nicht im Italienischen. Mit der Erzählung des Faschismus aus der Sicht des Antifaschismus hofft Scurati, seinen Teil dazu beitragen zu können, dass die Vergangenheit besser verstanden werde. Sein Befund scheine sich mit aktuellen Lage Italiens zu bestätigen. An dieser Stelle präzisiert Scurati seine Einschätzung: die Parteien, die heute die Demokratien herausfordern, seien Nachfahren des populistischen, nicht des faschistischen Mussolinis, der den Faschismus konzipiert und die politische Praxis eingeführt hat, die heute als „souveränistischer Populismus“ (S. 28 f.) bezeichnet wird. Mit der Unterstützung der Arditi und der Gründung der Italienischen Kampfverbände begann der Faschismus, immer geprägt von Gewalt: „Die Gewalt ist das Alpha und Omega des Faschismus“ (S. 39).

II. Populismus. Die folgenden identifizierten Merkmale des Populismus ergaben sich für Scurati auch aus seiner Arbeit an »M«:

1. Autoritäre Personalisierung ist eines der Kennzeichen, die auf Verführung hinweisen, wenn der Populist sich mit dem Volk gleichsetzen will. Personalisierung entsteht immer, wenn eine Person für die Partei bzw. gar für ein ganzes Volk stehen will. 2. Antiparlamentarische Polemik, die sich aus der Gleichsetzung mit dem Volk ergibt und die Vielfalt der Meinungen im Parlament verunglimpft sowie einfache Lösungen anbietet. 3. Führung durch Nachfolgen wird Mussolinis Leitsatz werden, Taktik statt Strategie, ständiger Verrat. 4. Politik der Angst. Die vermeintlichen Gefahren ständig beschwören, den Niedergang allen vor Augen führen, nicht Hoffnung, sondern Angst verbreiten. Jetzt ist das Ziel fast erreicht: 5. Die Angst in Hass verwandeln, wie Mussolini dies ausdrücklich wünschte. 6. Das moderne Leben vereinfachen: Die Migranten seien der Feind, so wie damals die Sozialisten. Das Verführungskonzept von Mussolini funktioniere heute noch, so Scurati. 1.-6. definiert den Autoritarismus, den die Extremen wie auch Trump sich auf ihre Fahnen geschrieben haben. Dazu kommt die Kommunikation, die sich nicht widerspruchsduldend an die primitiven Instinkte der Menschen richte: „Der Faschismus ist keine Komödie, sondern eine Tragödie“ (S. 80).

Im Nachwort erinnert Scurati schließlich an den Fall der Berliner Mauer und heute nach 20 Jahren sei er sich der „Illusion der ewigen Demokratie“ (S. 83) bewusst.

Antonio Scurati
Faschismus und Populismus
Aus dem Italienischen von: Enrico Heinemann
Stuttgart: klett-Cotta 2024, 96 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-7681-9861-5

Gerade erschienen: Lesen fürs Leben | Ausgabe 1/2026

Unsere Redaktion unterstützt die Initiative > Lesen fürs Leben von > Ernst Klett Sprachen.

Das Magazin „Lesen fürs Leben“ widmet sich der Bedeutung von Literatur und Lesen im schulischen Alltag. Es zeigt, wie Lesen Bildung fördert, Persönlichkeitsentwicklung unterstützt und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Die Beiträge geben Einblicke in moderne Methoden des Literaturunterrichts und der Leseförderung. Dabei werden sowohl klassische Lektüren als auch digitale Medien wie Podcasts oder Hörtexte berücksichtigt. Das Magazin zeigt auch, wie Lesen demokratische Werte vermitteln und Empathie stärken kann.

Lesen eröffnet neue Horizonte. Albert Camus erzählt in seinem letzten Roman Le premier Homme, wie er mit seinem Kameraden aus der Bibliothek kommt mit neuen Schätzen unterm Arm. Sie haben sich sogleich auf die nächste Bank gesetzt, um nachzusehen, was für eine Welt ihnen diesmal die neuen Bücher auftun: Das ist die Neugier, die Lust auf Neues, Lesen ist auch ein Abenteuer. Man liest eine Geschichte und hat danach einen anderen Blick auf die Welt… man merkt, dass andere etwas anderes dabei erfahren haben und schon beginnt das Diskutieren über Literatur. Hat man erst mal das Literaturvirus eingefangen, bleibt es, das wird man nicht wieder los:

> Die Lektüresuchmaschine von Ernst Klett Sprachen

> Lesecurriculum Deutsch als Fremd – und Zweitsprache *.pdf – 1,4 MB

In diesem Magazin Lesen fürs Leben helfen praxisnahe Beispiele Lehrkräfte, Literatur motivierend und zeitgemäß einzusetzen. Auch Themen wie Identität, Vielfalt und Integration spielen eine wichtige Rolle. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Förderung benachteiligter Kinder und Jugendlicher. Darüber hinaus werden innovative Projekte und Programme vorgestellt, die Freude am Lesen wecken sollen. Interviews und Erfahrungsberichte zeigen, wie Lesen im Unterricht lebendig werden kann. Das Magazin richtet sich vor allem an Lehrkräfte, Pädagoginnen und Pädagogen sowie alle Literaturinteressierten. Insgesamt bietet es Inspiration und konkrete Ideen, um Lesen als Schlüsselkompetenz für das Leben zu stärken.

In der neuen Ausgabe 1/2026 schreibt Tabea Kretschmann über Demokratische Grundwertebildung mit literarischen Texten und bezieht sich dabei auf die Lektüre > Edelweißpiraten von Dirk Reinhardt: Ein Zufall führt zur Freundschaft zwischen Josef Gerlach, einem Überlebenden des Zweiten Weltkriegs, und dem 16-jährigen Daniel. Als Josef ihm sein Tagebuch überlässt, taucht Daniel in eine dramatische Geschichte ein: Mit 14 verlässt Josef die Hitlerjugend und schließt sich den Edelweißpiraten an, einer Clique mit langen Haaren und lässiger Kleidung. Doch ihr Lebensstil wird von den Nazis nicht geduldet, sodass der Druck wächst und die Freunde schließlich gefährliche Aktionen planen und für ihre Freiheit kämpfen.

> Widerstand im Zweiten Weltkrieg > Edelweißpiraten – Website LMO Lebendiges Museum online – Ein Projekt des Deutschen Historischen Museums in Berlin

> Edelweißpiraten: Teenager gegen Hitler – Mediathek der ARD – verfügbar bis 24.3.2026

> Edelweißpiraten (Leipziger Platz) – Museen Köln

Neben mehreren Artikeln zu Lektüren für Englisch und Spanisch gibt es auch was für Französisch:

Denis Fender, der unserer Blog-Reaktion seit langem bekannt ist > Nachgefragt: Dennis Fender, Depuis notre dernière rencontre – 20. März 2019, gibt 10 Antworten auf die Frage Worum handelt es sich bei der Reihe « Je lis et j‘écoute » ? – Eine gute Gelegenheit, sich mit der französischen Sprache zu beschäftigen: Zur Erinnerung: > 222 Gründe für Französisch.

Mehr Artikel zum Thema Leseförderung finden Sie auf dem Blog von Ernst Klett Sprachen > www.lesen-fuers-leben.de.

> Die Lektüresuchmaschine von Ernst Klett Sprachen

> Weitere Leseempfehlungen für andere Fächer – Ernst Klett Sprachen

Michaela Strobel schreibt über Literarische Bildung für alle. Wie es gelingen kann, benachteiligte Kinder und Jugendliche an Literatur heranzuführen: „Leseförderung ist eine zentrale Aufgabe der Schule, aber sie kann Defizite nicht allein beheben oder Lesemotivation dauerhaft sichern. Oft fehlt bereits zu Hause ein positiver Bezug zu Büchern. Um dem entgegenzuwirken, sollten alle Beteiligten entlang des gesamten Sozialisations- und Bildungsprozesses zusammenarbeiten – von der Kita bis über die weiterführenden Schulen hinaus. Ziel ist es, benachteiligte Kinder durch vielfältige und kultursensible Ansätze zu erreichen und Chancengleichheit zu fördern…“ Bitte weiterlesen > Das Magazin „Lesen fürs Leben“ Nr. 6.

Lena Stenz hat genaue Vorstellungen: Lesen neu denken. Warum Podcasts in den Unterricht gehören. Ihre Grundgedanken „Das Medium Podcast verbindet klassische literarische Inhalte mit der Lebenswelt der Lernenden. Dabei können sie verschiedenste Formate ausprobieren: Buchbesprechungen, Figureninterviews, alternative Enden oder literarische Debatten lassen sich als Audioformate umsetzen,“ erläutert sie ausführlich in ihrem Artikel. Sie gibt nützliche Anregungen für die Nutzung von Podcasts im Unterricht. Am besten gleich ausprobieren: Motivation³ für Ihre Schüler/innen.

Die Redaktion von hat mit Michael Nowak, Schulleiter des Wagenburg-Gymnasiums in Stuttgart ein Gespräch über BÜCHERALARM@school im Einsatz in der Schule geführt. Lesen Sie dieses Gespräch und Sie werden BÜCHERALARM@school ganz bestimmt sehr bald in Ihrem Unterricht ausprobieren.

Die Überschrift des Beitrags von Adriana Akin lautete Lesen im Medienwechsel. Aufmerksamkeit und Teilhabe fördern: „Lesen ist und bleibt eine der zentralen Kompetenzen des Lernens. Doch die Art und Weise, wie junge Menschen Texte aufnehmen, verändert sich rasant. In einer Welt voller TikTok, Chats und Streaming müssen Bücher um Aufmerksamkeit kämpfen. Als Sprachenverlag, der einen großen Fokus auf das Lesen legt, hat Ernst Klett Sprachen dieses Spannungsfeld genauer betrachtet. Passend dazu präsentiert das Verlagshaus neue hybride Angebote, die zeigen, wie Lesen, Medienwechsel und digitale Tools sinnvoll zusammenwirken können.“

Und dann noch ein Beitrg von Grazia Ancillan über Buch oder Film? Beides!

Die Rubrik Neues von unseren Partnern ist diesmal dem ELI-Verlag gewidmet.

> Die Lektüresuchmaschine von Ernst Klett Sprachen

Siehe auch die Beiträge unserer Redaktion zu > Lektüren im Schulunterricht auf unserem Frankreich-Blog

Lesebericht: Sue Prideaux, Ich bin Dynamit. Das Leben des Friedrich Nietzsche

Friedrich Nietzsche (1844-1900) hat einige Jahre zu früh gelebt, möglicherweise war er seiner Epoche voraus. Erst nach seinem Zusammenbruch am 3. Januar 1888 setzte allmählich sein Ruhm ein, seine Bücher verkauften sich besser, das konnte er von seinem Fenster aus in Weimar nicht mehr miterleben und vielleicht hätte er sich in den folgenden Jahren auch gegen die Vereinnahmung seiner Werke durch die rechte Szene verwahrt.

>Nachgefragt:  Sue Prideaux, Ich bin Dynamit. Das Leben des Friedrich Nietzsche  *.pdf

Sue Prideaux hat eine spannende Biographie verfasst. Sie beschreibt en détail die Freundschaft und den so intensiven geistigen Austausch mit Richard Wagner (1813-1883) und Cosima Wagner (1837-1930) – 23 Besuche Nietzsches ab Mai 1869 bis April 1872 in der  Villa Tribschen am Vierwaldstättersee, wo er auch ein eigenes Arbeitszimmer bekam – erzählt seine Kindheit in Röcken, seine Jugend in Naumburg, die Schulzeit in Pforta, seine Krankheiten, die vier Jahre Studium in Bonn und Leipzig, das zeitweise so komplizierte Verhältnis zu seinen Schwestern –  bevor er im Herbst 1866 Richard Wagner (vgl. S. 9-16) kennenlernte. 1869 nimmt er den Ruf auf den Lehrstuhl für Philologie der Universität in Basel an. Am 28. Mai hält er seine Antrittsvorlesung > Homer und die klassische Philologie – zeno.org. Er lernt Jacob Burckhardt (1818-1897) kennen. Er wird freiwilliger Krankenpfleger im Deutsch-französischen Krieg und erkrankt schwer.

Ein Senkrechtstarter, der aber auch von den Verbindungen seines Netzwerkes enorm profitierte. Prideaux nennt die Philosophen, die Nietzsche besonders beeindruckt haben, allen voran Friedrich Schleiermacher (1768-1834) mit Die Welt als Wille und Vorstellung (1819), den er mit seinen Zweifeln am Christentum als Alternative zu Kant verstand. Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik (1872) (S. 117-147), die Erfahrungen aus seinen vielen Gesprächen mit Wagner verarbeitet und sein Profil als Philosoph schärfte, wird eines seiner Hauptwerke. Er bekommt positive Rückmeldungen von den Wagners, die ihn gleich sehen wollen: „Kommen Sie bald auf einen Husch herüber…“ War die Reaktion Wagners ehrlich gemeint oder wollte er Nietzsche schonen? Friedrich Ritschl (1806-1876), dem Nietzsche nach Leipzig gefolgt war, hingegen markierte sein Exemplar der Die Geburt der Tragödie mit Ausrufen wie „Größenwahn“ – er sollte nicht der Einzige bleiben, der von Nietzsches Entwicklung entsetzt war. Unmittelbar danach folgt seine Schrift über > Die Zukunft unserer Bildungsanstalten (zeno.org): Die „Rückkehr zur Bildung als Selbstzweck“ ist ihm ein Anliegen und seine Kritik ist eindeutig: „…dass nämlich der Staat keine brillanten Köpfe wolle, sondern funktionierende Rädchen im Getriebe, Spezialisten, die gerade soweit ausgebildet werden, dass sie unkritisch und untertänig ihren Beitrag leisten können…,“ (S. 133) schreibt Sue Prideaux.

War Nietzsche sich seiner eigenen Unzeitgemäßheit bewusst? Oder ahnte er sie? „Das eine bin ich, das andere sind meine Schriften,“ erklärt er in Ecce Homo (1888, ersch. 1908). 1873 stellt er die erste Unzeitgemäße Betrachtung: David Strauß, der Bekenner und der Schriftsteller fertig. 1874 folgt die zweite > Unzeitgemäße Betrachtung: Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben. – Von seinen Büchern werden nur sehr wenige Exemplare verkauft, das wird sich bis zu seinem Zusammenbruch 1888 nicht ändern. – In dieser Schrift über die Geschichte erscheint das Wort vom „Begriffsbeben“ verbunden mit der Frage „… soll das Erkennen über das Leben herrschen?“ (zit. auf S. 161, vgl. auch das Kap. 7: Begriffsbeben, S. 165-184) Die Wahrheit gibt es in der Wissenschaft genauso wenig wie in der Religion. Jacob Burkhardt mag Nietzsches Argumentation nicht folgen.

Ein unsteter Geist war Nietzsche.
Die vielen Reisen nach Italien, die vielen verschiedenen Orte, wo er sich immer für ein paar Wochen, ein paar Monate niederließ, sind kaum nachzuvollziehen. Er wirkte ständig wie ein von den eigenen Gedanken Getriebener, durch sein Streben, endlich Erfolg zu haben, wie auch durch die schon vertraute Gewohnheit, die Kritik und die mangelnde Beachtung, gar Verachtung seiner Schriften wegzustecken oder zu übergehen. Seine Misserfolge waren für ihn immer ein neuer Antrieb weiterzudenken.

Prideaux legt hier eine Kulturgeschichte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland vor. Wagner und sein Ring gehören ebenso dazu, wie dessen gigantische Anstrengungen, seine Idee der Oper als Gesamtkunstwerk in Bayreuth gegen so viele Widerstände zu realisieren. Muss man herausfinden, wer von beiden, Nietzsche oder Wagner dem Anderen mehr gegeben hat? Oder wird die Frage schon mit den Hinweisen darauf entschieden, dass der Schöpfer des Tristans seinem Kritiker und Freund nicht wirklich zu folgen vermochte? Oder dass Nietzsche sich gedanklich von Wagner abwandte? „Der Fall Wagner ist für den Philosophen ein Glücksfall…,“ hieß es in Nietzsche, Der Fall Wagner, in id., Der Fall Wagner. Schriften – Aufzeichnungen – Briefe, hrsg. v. D. Borchmeyer, S.129. Aber 1882/83 schreibt er: „W(agner), der übrig bleiben wird als M(ensch), der im Ungeschmack der Anmaßung am weitesten gegangen ist.“  Id. „Loslösung von Wagner“ (1877-1883), in: Der Fall Wagner, loc cit., S. 413. Die Freundschaft schien dahin zu sein, als Wagner am 21. September 1873 an Nietzsche schreibt: Er habe mit „trauriger Absichtlichkeit zuletzt lange Zeit gänzlich unterlassen, Nietzsche zu schreiben, weil ich … aus purer Eitelkeit immer noch annahm, Sie würden einen Brief von mir auch selbst lesen wollen, was Ihnen übel bekommen mußte.“ (R. Wagner, Briefe, hrsg. v. H. Kesting, München, Zürich 1983, S. 584) – Die Erschütterungen ihrer Freundschaft zeichnet Prideaux genau nach und lässt erkennen, wie hier der Musiker und der Philosoph mit ihren jeweiligen Empfindlichkeiten nicht gerade freundschaftlich miteinander umgehen.

Menschliches, Allzumenschliches
(Kap. 10, S. 221-234) erscheint 1876/78 in Aphorismenform. Der ersehnte Erfolg stellt sich nicht ein und dieses Kapitel endet mit der Aufgabe der Professur in Basel am 2. Mai 1879. Man kann wohl nicht sagen, dass seine publizistische Arbeit ihm seine Stellung gekostet hat, aber auch sein Ansehen war durch seine Publikationen nicht gerade größer geworden. Er wird zum Wanderer und Dauerreisenden zwischen Naumburg, Venedig, Genau, Rom, Luzern und neuen Bekanntschaften darunter Lou Salomé (1861-1939).

Von Genua nach Rappallo, wo er sich in Klausur begab, in der Also sprach Zarathustra entstand, in der er vom Übermenschen spricht, wird die individuelle Tugend, das Wesen des Verbrechens und die Frage nach einem guten Tod erläutert. (vgl. S. 299). Prideaux hat eine bemerkenswerte Art, die Inhalte und die Interpretation der Werke Nietzsches in die Erzählung seiner Biographie so zu integrieren, auf dass sie dem Leser eindrucksvolle Einblicke in die Beweggründe seines Schreibens vermitteln kann.

Auf Jenseits von Gut und Böse (1886)
mit dem Untertitel Vorspiel einer Philosophie der Zukunft (vgl. S: 346-360) folgte 1887/88 Zur Genealogie der Moral. Eine Streitschrift und 1889 Götzen-Dämmerung. Prideaux stellt alle drei Werke in einen Zusammenhang, den Nietzsche selber in Ecce homo, „Warum ich ein Schicksal bin“, Abschnitt 1 so kommentiert: „Ich kenne mein Los. Es wird sich einmal an meinen Namen die Erinnerung an etwas Ungeheures anknüpfen – an eine Krisis, wie es keine auf Erden gab, an die tiefste Gewissens-Kollision, an eine Entscheidung, heraufbeschworen gegen alles, was bis dahin geglaubt, gefordert, geheiligt worden war. Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit.“

Sue Prideaux
Ich bin Dynamit. Das Leben des Friedrich Nietzsche
Aus dem Englischen von: Thomas Pfeiffer und Hans-Peter Remmler
Klett-Cotta: stuttgart 2020
ISBN: 978-3-608-98201-5