Rezension: Jens Nordalm Deutschland, Das unterschätzte Land. Ein Loblied

| Frankfurter Buchmesse 2026 | Die Wahl von Tobias Rausch (AfD) zum ersten AfD-Landtagspräsidenten | Die Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeyer zum Tag der Deutschen Einheit am 3.10.2026 in Bremen |


In einer Zeit, in der das Lamentieren über „die da oben“ zur Regel geworden ist, das die Beliebtheitswerte den Bundeskanzler fast verschwinden lässt, die Regierung für jede Krise verantwortlich gemacht wird, in der Reformen angemahnt und dann sogleich bekämpft werden, in der der Niedergang der Wirtschaft allerorten beklagt wird, in der eine rechtsextreme Partei die CDU „vernichten“ will, tut es gut, sich die Erfolge der deutschen Geschichte und Literatur einmal vor Augen zu halten und die Erfolge unseres politischen Systems aus einer anderen Perspektive zu betrachten: uns unserer erfolgreichen Demokratie zu vergewissern. Dabei geht es überhaupt nicht darum, die Verbrechen des Dritten Reiches auch nicht im geringsten zugunsten anderer Epochen auch nur ansatzweise zu minimieren.

„Ein Loblied“
stimmt Jens Nordalm in seinem Band > Deutschland – Das unterschätzte Land an und erinnert daran, was es bedeutet, von Deutschland zu reden. Nein, er redet natürlich keinem wie auch immer gearteten kurzsichtigen Nationalismus das Wort. Aber in einem Satz fasst er das Potential der Geschichte und das, was die Passion eines Historikers bestimmen kann, zusammen: „Eben das ist ihr Bildungsziel: die Abgewöhnung schlichter und schneller Urteile.“ (S. 20) Das ist es, was den Geschichtsunterricht so spannend macht: Vor 32 Schülerinnen und Schülern in der Landesschule in Naumburg/Saale zu stehen und das über 14 Jahre alte Schulbuchkapitel über die Folgen des Nationalsozialismus mit einem Video, das ein Interview mit dem Leiter der Gedenkstätte Konzentrationslagers Buchenwald Jens-Christian Wagner zeigt, zu aktualisieren. Mit der Klasse darüber sprechen, was heute die Erinnerungskultur bedeutet. Zwei bis vier Schulstunden Zeit, um ihnen, die Bedeutung des Nachdenkens nicht nur über die Verbrechen des Nationalsozialismus, sondern auch immer wieder über Geschichte, ihre Tragweite und den Ansporn, darüber nachzudenken, mit auf den Weg zu geben. Die Verantwortung für diese Aufgabe ist riesig und doch so großartig und wird von denen, die in Sachsen-Anhalt so leichtfertig die Bedeutung der Geschichte des Dritten Reiches abwerten wollen, bewusst unterschlagen.

Die Geschichte der Landesschule, Friedrich Nietzsche und Leopold von Ranke zählten zu ihren Schülern seit 1543 (Schulgeschichte seit 1543), der Unterricht in ihren Klostermauern und dann die vielen Unterrichtsstunden über den Nationalsozialismus waren für den Historiker ein einzigartiges Betätigungsfeld, zumal in den anderen Unterrichtsstunden im Grundkurs der Jahrgangsstufe 12 mit 24 Schülerinnen und Schülern über das Ende des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ und über die Reformbewegungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gesprochen wurde: „Deutsche Geschichte als Reformgeschichte – das hätte einiges Recht.“ (Nordalm, S. 21) über Deutschland (und seine Erfolge) gesprochen wurde. Und die AfD in Sachsen-Anhalt möchte doch so gerne, dass mehr über Bismarck statt über Hitler gesprochen  werde. Nun gut, auf dass sie lerne, wie der Nationalismus aufgekeimt ist und warum später Charles de Gaulle sich so vehement gerne ein „Europa der Vaterländer“ gewendet hat: H. W., Ein vereintes Europa – Une Europe unie – auf dem Weg zu einer Konföderation  Ein vereintes Europa – Une Europe unie – auf dem Weg zu einer Konföderation.

Ja, es war die Landesschule als der Ort für diesen Unterricht, der diese Epochen alle miterlebt hatte: Bedeutende Schüler der Landesschule. Die Erinnerungen des Rezensenten dieses Buches von Jens Nordalm werden mit dessen Lektüre geweckt, steht doch das Fach Geschichte ganz besonders im Mittelpunkt unserer so dringend notwendigen Neuorientierung unserer Demokratie. „Eine Schule, die Urteilskraft trainiert und kritisches Denken vermittelt“, so lautet eine Kapitelüberschrift in Hubertus Heils Buch Der Angriff der Autokraten. Die Verteidigung der Demokratie gegen innere und äußere Gegner (Stuttgart: Klett-Cotta 2026). Wie war es? Revolution in Frankreich? Und in deutschen Landen? (Vgl. S. 47 f.) Wenn die  Preußischen Reformen im Unterricht thematisiert werden, staunen die Schülerinnen und Schüler über die Modernität Preußens und später dann über den Mut aller, die für eine Verfassung eintraten. Auch die Leser von Nordalm werden über die Werke mancher Leser besonders bei der von ihm vorgeschlagenen neuen Lektüre staunen.

In zwei Teilen Geschichte und Musik, Literatur und Philosophie
pickt er deren Rosinen heraus, wie er selber zugibt und zeigt uns deren Höhepunkte in der deutschen Geistesgeschichte. Allein seineBibliographie (S. 185-189) belegt schon, wie lehrreich die Lektüre seines Buches ist. Deutschland, ein „Sonderweg“? „Anders als wir es im Zechen jenes ‚Sonderweg‘-Denkens lange gelernt haben, ist die deutsche Geschichte des 18. und 19. Jahrhunderts eine europäischer Weg zur Demokratie unter anderen.“ (S. 20) Man kann die Dinge immer von mehreren Seiten, mindestens von zwei sehen… zwei Seiten einer Medaille. Wiederholen wir: „Deutsche Geschichte als Reformgeschichte – das hätte einiges Recht.“ (S. 21) Und er fängt im Mittelalter an… berichtet dann, wie Machiavelli in den Discorsi die deutschen freien Städte bewundert, erwähnt dann die Reise Montaignes nach Deutschland, der die Fugger in Augsburg besucht und im Zusammenhang mit Luther schriebt Nordalm: „Diese Radikalität des Fragens und des Infragestellens sind auf das Gewissen gegründet, vom Standpunkt des einzelnen denkenden Menschen her, aus persönlicher Seelennot, kann ein Vorbild an Selbstermächtigung gegen übermächtig erscheinende Strukturen und Traditionen sein.“ (S.31)

Die so knappe deutsche Geschichte, die Nordalm hier präsentiert, erfüllt besten ihren Zweck, den er ihr zuschreibt, nämlich eine Grundlage für unsere Selbstvergewisserung zu sein.

Nordalms Urteil über das Alte Reich: „Diese Welt des Alten Reichs ist kosmopolitisch: Die Deutschen waren weltoffen“ (S. 37)

Er spürt den Entwicklungen über lange Perioden nach und zeigt, wie unser Sozialstaat durch die „katholische Soziallehre“ und die evangelische Seite beispielsweise durch den „Nationalsozialen Verein“ geprägt ist (Vgl. S. 36 f.)

Die Musik. Nach der Lektüre dieses Kapitels – S. 37-47- werden Sie sogleich Ihre CD-Sammlung durchsehen und nachhören!

Die Modernität Preußens: „Das deutsche 19. Jahrhundert dann wird das Geburtsjahr der Moderne, in der wie heute – trotz aller Ausrufe von Hyper-, Spät- oder Postmoderne noch immer stehen. (S. 56)

Nordalms Vorstellung des 19. Jahrhunderts, seine Einsichten sind ein Ansporn nachzulesen, z. B. auch bei Georg Simmel und Max Weber (vgl. S: 70) und sich dann wieder mit der Weimarer Republik zu beschäftigen: S. 70-74

Auf den zwei Seiten über den Nationalsozialismus nennt Nordalm diejenigen, die Widerstand geleistet haben, die sich der Diktatur nicht gebeugt haben; von Georg Elser bis Dietrich Bonhoeffer. (vgl. S. 74 f.)

In Erinnerung an die Amtszeit von Angela Merkel: „Viele beschleicht heute das Gefühl, die letzten zwei Jahrzehnte seien der in großer Selbstzufriedenheit erst spät bemerkte Beginn eines neuerlichen Abstiegs unsere Landes gewesen.“ (S. 76) Zur Diskussion gestellt! Die Stichworte: „Euro- und Bankenrettung, ausstiegsbetonte Energie- und Klimapolitik, Migration, Russland“. Und dann nennt Nordalm einen der Gründe für dieses Buch: „Nicht wenige zögern heute erneut, den Weg der Bundesrepublik einverstanden und gelassen als Erfolgsgeschichte zu erzählen, so wie es bis vor zehn, fünfzehn Jahren üblich geworden war – weil es nun die AfD gibt.“ Die AfD hat ihre Wähler darauf eingeschworen, schlecht über unser Land zu reden, und das färbt auf andere Wähler ab. Die Umfragewerte des Bundeskanzlers sind ganz unten und nur wenige trauen sich, auf dessen Erfolge hinzuweisen. Natürlich muss uns das doch auffallen, die Anhänger der AfD lassen sich von den Sirenenklängen der AfD einfangen und reden schlecht über Deutschland, so wie es die AfD Ihnen ständig vormacht, nur negative Seiten hervorheben, um dann eigene simple Lösungen zu präsentieren, verpackt in den Slogan, „man hole sich das Land zurück“ – so geht Populismus. „Nörgler zurücktreten,“ sagte der Kanzler in einer nicht ganz geglückten Form. Liest man aber die Kapitel von Nordalm über die deutsche Geschichte, Literatur und Musik und vergleicht das alles mit dem Grundtenor der AfD-Programme, dann könnte man schon meinen, die AfD weiß nicht, wovon sie redet. Wenn aber eine der ersten offiziellen Verlautbarungen des Landtags in Sachsen-Anhalte in der Überschrift „AFD-Landtagspräsident“ trägt, merkt kam schon, dass diese Partei für das Regieren noch Nachhilfe benötigt, um es nur ganz vorsichtig auszudrücken.

Die Literaturgeschichte (S. 76 – S. 146): „Es braucht die Neubegegnung um zu begreifen, was wir an solchen Werke und Gestalten haben“ (S. 89) Ja, lesen Sie mindestens sechs der von Nordalm hier genannten Autoren, dann merken Sie, wie sich die Perspektive ändert. Lesen (Das Stichwort auf www.france-blog.info.) rückt tatsächlich die Perspektiven zurecht. Allein schon durch die Lektüre dieses wunderbaren Kapitels Literaturgeschichte von Nordalm spricht man hinterher wieder anders über Deutschland. Diesen Anregungen werden sich die Leser seines Buches nicht entziehen können.

Das dritte Kapitel „Politik und Demokratie“ beginnt mit einer Standortbestimmung, was uns die „Nation“ heute bedeutet und erinnert ganz richtig an Ernest Renan, der die Nation nicht als „Abstammungsgemeinschaft, sondern als ein ‚tägliches Plebiszit'“ verstand. (S. 148). Man wird verstehen, dass die AfD dazu nichts beizutragen hat oder nichts damit anfangen kann. Und dann zählt Nordalm drei Errungenschaften auf, die unseren Staat prägen: Die Strukturen des Sozialstaates, der liberale Rechtsstaat und die unabhängigen Gerichten. (vgl. S. 150 ff.) Und er erinnert an die Errungenschaften des Liberalismus… mache Leser werden wohl merken, dass die politische Atmosphäre unserer Zeit versucht, den Liberalismus kritisch zu sehen. Für den Konservatismus stehen Namen wie Ernst Forsthoff, Dietrich Bracher oder Kurt Sontheimer.

Ist die liberale Demokratie heute in Gefahr? „…die netzbedingte Dauerpräsenz der Gesellschaft in unseren Hirnen gefährdet heute unser eigenständiges Selbst in einem historisch wohl beispiellosen Grade.“ (S. 167)

S. 170 ff.: Migration und viele andere Reizthemen: wenn man sie von mehreren Seiten sieht, verlieren sie an Virulenz. Nordalms Aufforderung zur Selbstvergewisserung ist notwendig, weil manche sich an die negativen Einstellungen zur Politik unserer Tage gewöhnt haben. Befreien wir uns von diesen Einflüsterungen vom extrem rechten Rand, gewinnen wir deren Wähler zurück, so könnte man den Tenor seines Buhces resümieren. Besinnen wir uns wieder auf die Wohltaten der repräsentativen Dmeokratie. (vgl. S. 175)

„Im Kapitel „Die Verwundbarkeit der Demokratie“ steht die Erkenntnis: „Die große Gefahr unserer Zeit ist nicht der offene Autoritarismus. Es ist der fortschreitende Verlust des Vertrauens in die demokratische Selbtstwirksamkeit der Bürgerinnen und Bürger,“ (S. 21) hieß es in unserer Rezension des Bandes von Hubertus Heil, > Der Angriff der Autokraten. Die Verteidigung der Demokratie gegen innere und äußere Gegner, Stuttgart: Klett-Cotta 2026.

Jens Nordalm
Deutschland – Das unterschätzte Land
Ein Loblied
Stuttgart: Cotta 2026.

Frankfurter Buchmesse 2026: Zwischenbilanz nach den ersten beiden Fachtagen

65.000 Fachbesucher*innen aus 130 Ländern | Neues Hallenlayout / KI dominiert die Gespräche | Frankfurt: Wo Kultur und Politik aufeinandertreffen

An den ersten beiden Fachtagen der 78. Frankfurter Buchmesse (7.–11. Oktober 2026) blieb die Besucher*innenzahl auf dem gleichen hohen Niveau wie im Vorjahr. Am Mittwoch und Donnerstag (7.–8. Oktober 2026) besuchten insgesamt 65.000 Fachbesucher*innen aus 130 Ländern die Messe, die noch bis Sonntagabend dauert. Zum ersten Mal kamen Fachbesucher*innen aus Kap Verde, Grönland, Guinea, den Turks- und Caicosinseln sowie Eswatini auf die Messe. 4.000 Aussteller präsentieren ihre Bücher, Produkte und Dienstleistungen auf der führenden internationalen Buchmesse in Frankfurt. Die diesjährige Messe bietet mehr Bühnen als je zuvor. Dort finden mehr als 3.800 Veranstaltungen auf dem Messegelände und in ganz Frankfurt statt.

Das erneut stark frequentierte „Literary Agents & Scouts Centre“ (LitAg) war von 319 Agenturen aus 32 Ländern belegt. Im LitAg und im „Publishers Rights Center“ wurden insgesamt 582 Tische verkauft (2025: 591 Tische). Zu den bedeutenden Rechtegeschäften, die diese Woche für Schlagzeilen in der Fachpresse sorgten, gehörten der Erwerb des Kinderbuch-Debüts „Once, in the Forest“ der „Chocolat“-Bestsellerautorin Joanne Harris durch den unabhängigen britischen Verlag Magic Cat Publishing. Außerdem wurde ein transatlantischer Vertrag zwischen Penguin Random House UK und der Hachette Book Group über den Krimi „The Protector“ von James Patterson und Arnold Schwarzenegger abgeschlossen.

Positives Feedback zum neuen Hallenlayout 

Die diesjährige Messe findet mit einem neuen Hallenlayout statt: Aussteller mit starker B2B-Ausrichtung befinden sich in den oberen Hallenebenen, während jene mit großem Interesse an Privatbesucher*innen in den Erdgeschossen der Hallen platziert sind. Dazu Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse: „Nach den ersten beiden Fachbesucher*innentagen der Messe kann ich sagen, dass sich das neue Hallenkonzept für unsere Aussteller und Fachbesucher*innen äußerst gut bewährt hat. Bislang haben wir von beiden Gruppen sehr positives Feedback erhalten.“

CEOs über die Rolle der KI und die Bedeutung von Geschichten 

KI auf den Blogs unserer Redaktion:

> Sartre et Dürer – www.romanistik.info, 25. Juli 2026

> Rezension: Rainer Mühlhoff, Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus – www.romanistik.info, 15. Juni 2026

> Lesebericht und Nachgefragt: Michael Wildenhain, »Eine kurze Geschichte der Künstlichen
Intelligenz«
– www.romanistik.info, 19. Juni 2026

> Die Falle der künstlichen Intelligenz – Rezension: Eric Sadin, Le Désert de nous-mêmes: Le tournant intellectuel et créatif de l’intelligence artificielle – www.romanistik.info, 12. Januar 2026

> Im Internet suchen? Wie steht es um die Zuverlässigkeit der KI? – www.france-blog.info, 22. Juli 2026

> IA/KI – L’intelligence artificielle au lycée / Künstliche Intelligenz in der Schule – www.frnce-blog.info, 5. Januar 2025

Am Mittwoch betraten mehrere CEOs die Bühnen. Beim „CEO Talk“ erklärte Tobias Wann, CEO von tonies, dass sein Unternehmen zwar bei einigen seiner Produkte mit KI experimentiert habe, die Toniebox selbst jedoch „niemals ein KI-Spielzeug werden wird“. Nigel Newton, Gründer und CEO von Bloomsbury Publishing Plc führte aus, das Verlagswesen habe schon viele Herausforderungen erlebt. Und er sei sicher, dass KI nur ein weiterer Sturm sei, den die Branche gekonnt überstehen werde. „Es ist noch alles offen. Es bleibt noch Zeit, das Biest zu zähmen.“ An anderer Stelle, auf der Frankfurt Kids Conference, sprach Perminder Mann, CEO von Simon & Schuster UK und International, über die Bedeutung der Veröffentlichung von Erzählungen aus allen Teilen der Welt. „Das ist der Weg, um Menschen in einer polarisierten Welt zusammenzubringen“, erklärte sie.

 Frankfurt: Wo Kultur und Politik aufeinandertreffen 

Bei der Eröffnungs-Pressekonferenz der Messe hielt die amerikanische Historikerin und Pulitzer-Preisträgerin Jill Lepore eine eindringliche Grundsatzrede, in der sie vor einer Welt warnte, in der unsere Zukunft „einer sehr kleinen Zahl unglaublich mächtiger Wirtschaftsmagnaten des 21. Jahrhunderts“ überlassen wird.

Beim Opening, der offiziellen Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse, äußerte sich Glenn Micallef, EU-Kommissar für Generationengerechtigkeit, Jugend, Kultur und Sport, zurückhaltend hinsichtlich des künftigen Einflusses der KI auf die Verlagsbranche und fügte hinzu: „Künstliche Intelligenz wird uns mehr Worte liefern, als jede Generation vor uns jemals hatte. Unsere Verantwortung besteht darin, die Menschen, die dahinterstehen, niemals aus den Augen zu verlieren. Denken Sie daran: Technologie kann Worte generieren. Aber nur Menschen können sie zum Leben erwecken.“ Die literarische Rednerin des Buchmesse-Gastlands, die tschechische Autorin Radka Denemarková, sagte: „Ich stehe hier; ich habe keine Wahl, denn ich existiere, und ich habe die Nase voll von dem, was ich in letzter Zeit so oft gehört habe: dass man Politik und Literatur trennen müsse. Alles ist Politik. Die Frage von heute ist ganz einfach: offene Demokratie oder geschlossene Gesellschaft. Die Literatur kennt die Antwort; deshalb ist sie so gefährlich.“

Über die Frankfurter Buchmesse

Die Frankfurter Buchmesse ist die größte Fachmesse für das internationale Publishing und ein branchenübergreifender Treffpunkt für Player aus den Bereichen Bildung, Filmwirtschaft, Games, Wissenschaft und Fachinformation. Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildet seit 1976 der jährlich wechselnde Ehrengast, der dem Messepublikum auf vielfältige Weise seinen Buchmarkt, seine Literatur und Kultur präsentiert. Die Frankfurter Buchmesse organisiert die Beteiligung deutscher Verlage an internationalen Buchmessen und veranstaltet ganzjährig Fachveranstaltungen in den wichtigen internationalen Märkten. Die Frankfurter Buchmesse ist ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Quelle: pr.buchmesse.de

Die Wahl von Tobias Rausch (AfD) zum ersten AfD-Landtagspräsidenten

Was ist da pssiert? Ein Epochenbruch? Sind die Verinbarungen, mit der AfD nicht zusammenarbeiten zu wollen, Schall und Rauch? Wer erliegt der Charmeoffensive von Ulrich Siegmund, der bei Aufrüstung an „Remigration“ denkt? Am 6. Oktober 2026 wurde der Abgeordnete Tobias Rausch (AfD) zum ersten AfD-Landtagspräsidenten im Landtag von Sachsen-Anhalt gewählt. Hans-Thomas Tillschneider, der das Wahlprogramm der AfD maßgeblich beeinflusst haben soll, wurde sein Stellvertreter. Rausch bekam in geheimer Wahl 48 Stimmen, bei 29 Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen. Also stimmten neun Abgeordnete mehr für ihn, als seine Partei Mandate hat. Vor der Abstimmung hatte das BSW angekündigt, mit seinen fünf Mandaten Rausch zu wählen. Welche anderen vier Abgeordnete stimmten für Tobias Rausch?

Die Bundestagsfraktion der SPD brachte ihre Wut am Dienstagabend mit einem Protestmarsch zum Ausdruck. Die Abgeordneten gingen durch das Brandenburger Tor zum Bebelplatz, dem Ort der Bücherverbrennung nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hielt eine kurze Ansprache und stimmte dann die Nationalhymne an: (Quelle: https://www.facebook.com/reel/1388728773248253)

David Mandrella (SPD) MdB) berichtete auf seinem Instagram-Account und seinem Facebook-Account „Boris Pistorius findet klare Worte zur Wahl des AfD Landtagspräsidenten in Sachsen Anhalt mit Stimmen der CDU“. „Bericht aus Berlin“ Magazin zur Bundespolitik – aus dem ARD-Hauptstadtstudio im Ersten berichtete am 6.10.und zeigte, wie Bundeverteidigungsminister die Nationalhymne anstimmt:

Bundeskanzler Merz anlässlich des 3. Jahrestags des 7. Oktobers 2023

„Am heutigen Jahrestag der furchtbaren Hamas-Terroranschläge vom 7. Oktober 2023 sind unsere Gedanken bei den Opfern und ihren Hinterbliebenen, den Überlebenden und den ehemaligen Geiseln. Wir gedenken der Toten. Wir trauern mit den Hinterbliebenen. Und wir hoffen, dass der tiefe Schmerz und die Wunden, die dieser Tag, die diese monströsen, barbarischen Taten geschlagen haben, heilen können.

Deutschland steht fest an der Seite Israels. Unsere israelischen Freunde können auf unseren Einsatz zählen, damit sich ein solches Verbrechen niemals wiederholt. Wir stehen für die Sicherheit und Existenz Israels ein – das ist Lehre aus der Shoah und Teil deutscher Identität.

Es muss nun darum gehen, das Fundament einer neuen Ordnung zu legen, in der Israelis, Palästinenser und ihre Nachbarn in Frieden und Sicherheit leben können. Dafür setzt sich die Bundesregierung ein. Unserer Überzeugung nach ist dieses Ziel am besten durch die Gründung eines palästinensischen Staates an der Seite Israels zu erreichen.

In Deutschland erleben wir heute einen zunehmenden Antisemitismus, der viel zu oft unwidersprochen bleibt. Die Bundesregierung wird alles in ihrer Macht Stehende tun, um Antisemitismus in all seinen neuen und alten Formen konsequent zu bekämpfen. Jüdinnen und Juden müssen in ganz Deutschland ohne Angst leben können. Jüdisches Leben muss sich in unserer Gesellschaft weiter entfalten können. Deshalb gehen wir gegen antisemitische Vorfälle und Angriffe mit aller Entschlossenheit vor. Und wir treten denjenigen entgegen, die das Existenzrecht Israels relativieren oder gar in Frage stellen. Nicht nur am 7. Oktober, sondern jeden Tag.“

Quelle: Bundespresseamt

Gastlandauftritt des Weimarer Dreiecks auf der Leipziger Buchmesse 2027

| Rezension: Hubertus Heil, Der Angriff der Autokraten. Die Verteidigung der Demokratie gegen innere und äußere Gegner | Die Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeyer zum Tag der Deutschen Einheit am 3.10.2026 in Bremen |


Anlässlich des Gastlandauftritts „BEZIEHUNGSWEISE EUROPA“ von Polen, Frankreich und Deutschland (Weimarer Dreieck) auf der Leipziger Buchmesse 2027 fand heute auf der Frankfurter Buchmesse eine Pressekonferenz statt. Das Projekt wird von den drei Kulturinstituten der Länder – dem Polnischen Institut, dem Institut français Deutschland und dem Goethe-Institut getragen.

Aufzeichnung der Eröffnungspressekonferenz: https://youtube.com/live/qB7uR76M5J0 

Buchmesse-Direktorin Astrid Böhmisch eröffnete die Pressekonferenz und erklärte: „‚Beziehungsweise Europa‘ steht in einem unmittelbaren inhaltlichen Dialog mit dem Motto der Leipziger Buchmesse 2027 ‚Neugier öffnet neue Seiten‘. (…) So entsteht auf der Messe, aber hoffentlich ganz besonders auch noch im Nachgang, ein Energiefeld für die Geschichten, Haltungen und Impulse, die die Literaturen der drei Länder mitbringen.“

Außerdem sprachen Thorsten Dönges (Kurator), Katarzyna Sitko (Polnisches Institut Berlin), Thomas Michelon (Institut français Deutschland), und Katharina von Ruckteschell-Katte (Goethe-Institut). Karolina Golimowska (Polnisches Institut), Wolf Iro (Goethe-Institut) und Myriam Louviot (Institut français Deutschland), standen nach der Pressekonferenz für Gespräche zur Verfügung und erläuterten als Kurationsteam ihr Konzept und die verschiedenen Veranstaltungsformate.

Das Konzept des Gastlands 2027 wurde erstmals vorgestellt und in seinen kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Kontext eingeordnet. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Repräsentation einer einzelnen nationalen Literatur, sondern die Schaffung eines grenzüberschreitenden Raums für literarischen Austausch, kulturelle Fragen sowie gesellschaftliche und politische Debatten.

So Katarzyna Sitko, Direktorin des Polnischen Instituts Berlin: „Wenn wir die Bücher unserer Nachbarn lesen, verstehen wir einander besser und entdecken, wie viel uns verbindet. Gerade in instabilen Zeiten brauchen wir diese Nähe mehr denn je. Ein starkes Europa lebt nicht nur von politischer und wirtschaftlicher Zusammenarbeit, sondern auch von kulturellen Verbindungen, die uns das Gefühl geben, wirklich Teil einer europäischen Gemeinschaft zu sein.“

Es gibt eine Verbindung zwischen den Literaturen Polens, Frankreichs und Deutschlands, die sowohl Teil des gemeinsamen europäischen kulturellen Erbes als auch prägend für die zeitgenössische Kultur Europas sind. Das Projekt knüpft dabei an die vielfältigen literarischen und kulturellen Beziehungen zwischen den drei Ländern an und greift zugleich die Idee des Weimarer Dreiecks auf: die gemeinsame Verantwortung, die europäische Idee zu stärken und weiterzuentwickeln. „Polen, Frankreich und Deutschland gehören zu Europa, ohne es als Ganzes zu verkörpern; sie stehen einander nahe, ohne deshalb einig zu sein. Was sie verbindet, ist die Geschichte ihrer Beziehungen, ihre gegenseitigen Abhängigkeiten und – vielleicht vor allem– der Wille, miteinander im engen Austausch zu bleiben“ steht im Konzept des Kurationsteams.

Das Weimarer Dreieck ist ursprünglich ein politischer Begriff: Polen, Frankreich und Deutschland haben sich dazu bekannt, die europäische Idee gemeinsam zu stärken und weiterzuentwickeln. Seit seiner Gründung 1991 steht das Weimarer Dreieck für Dialog, Verständigung und die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft Europas. Und, wie Katharina von Ruckteschell-Katte, Abteilungsleiterin Kultur und Bildung Goethe-Institut anmerkt: „Das Weimarer Dreieck ist aus dem politischen Willen entstanden, Europa gemeinsam zu stärken und weiterzuentwickeln. Als Gastland sendet es deshalb ein wichtiges Zeichen: Europas Zukunft liegt nicht in Alleingängen und Abgrenzung, sondern in Zusammenarbeit, Austausch und dem Bewusstsein für das, was uns miteinander verbindet. Gerade Kultur und Literatur machen diese Verbindungen sichtbar und eröffnen zugleich Raum für unterschiedliche Perspektiven. Dies machen wir mit dem Gastlandauftritt erlebbar”.

Der Titel des Projekts ist Programm: “Das Wort beziehungsweise kommt zunächst nur als unscheinbare Konjunktion daher. Doch steckt in ihr die Verbindung der Begriffe Beziehung und weise – und deshalb auch die Frage, auf welche Weise wir unsere Beziehungen bereits gestalten und gestalten wollen. Beziehungsweise Europa betont daher sowohl die europäische Dimension als auch den eigenen Gestaltungsspielraum. Wir tragen gemeinsam Verantwortung, für unsere Beziehungen und für unsere Zukunft. Wie diese aussehen sollen, ist Gegenstand der Veranstaltungen.” so das Kurationsteam.

Präsentiert wurde die Entstehung des Projekts und sein Anliegen, neue literarische Entwicklungen und Strömungen in den drei Ländern sichtbar zu machen. Unterschiedliche Perspektiven auf aktuelle gesellschaftliche und demokratische Herausforderungen sollen miteinander ins Gespräch gebracht werden. Thomas Michelon, Direktor des Institut français Deutschland fügte hinzu: „Diese gemeinsame Initiative wird es dem Publikum ermöglichen, in das schöpferische literarische Schaffen einzutauchen und zugleich zu ermessen, welchen Zugang uns diese Autorinnen und Autoren zu intellektuellen Fragen wie auch zu den großen Herausforderungen unserer Zeit eröffnen.“

Weil Beziehungen in ihren verschiedenen Formen im Mittelpunkt des Projekts stehen, prägen sie auch viele der Veranstaltungsformate und einige davon wurden vorgestellt.

Genannt wurden die ersten Namen derjenigen Autor:innen, die auf der Leipziger Buchmesse anwesend sein werden: Dorota Masłowska, Marie NDiaye, Annett Gröschner, Zyta Rudzka, Laura Vazquez, Matthias Nawrat und Ozan Zakaryia Keskinkiliç.

Das visuelle Erscheinungsbild des Gastlandauftritts – in Form des Logos von Beziehungsweise Europa – wurde ebenfalls erstmals gezeigt.

Rezension: Hubertus Heil, Der Angriff der Autokraten. Die Verteidigung der Demokratie gegen innere und äußere Gegner

Frankfurter Buchmesse
Fr, 9. Oktober | 20:00
OPEN BOOKS:
Der Angriff der Autokraten
Hubertus Heil im Gespräch mit Jürgen Trittin

Moderation: Franziska Haas
Volksbühne im Großen Hirschgraben
Großer Hirschgraben 19
60311, Frankfurt am Main
hwww.klett-cotta.de/veranstaltung/open-books-der-angriff-der-autokraten-v-2498

Rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse 2026 erscheint bei Klett-Cotta der Band von Hubertus Heil, > Der Angriff der Autokraten. Die Verteidigung der Demokratie gegen innere und äußere Gegner. Seit 1998 ist Heil Bundestagsabgeordneter, von 2018 bis 2015 war er Bundesminister für Arbeit und Soziales. Heute ist er Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages.

Unter den Büchern, die zur Zeit sehr berechtigterweise die Gefährdung unserer Demokratie beschwören, fällt das Buch von Hubertus Heil ganz besonders auf, zumal es präzise die Bedrohungen unserer Demokratie durch innere und äußere Gegner nicht nur mit hoher Präzision beschriebt, sondern – unsere Redaktion hat bei der Lektüre nachgezählt-, mindestens 30 plausible Vorschläge macht, wie der aktuellen Lage entgegengesteuert werden sollte.

Im Kapitel „Die Verwundbarkeit der Demokratie“ steht die Erkenntnis: „Die große Gefahr unserer Zeit ist nicht der offene Autoritarismus. Es ist der fortschreitende Verlust des Vertrauens in die demokratische Selbtstwirksamkeit der Bürgerinnen und Bürger.“ (S. 21) Nicht ganz, aber irgendwie schon dreht der Autor den Spieß herum… nicht immer Kritik an den Anderen, wir müssen erst einmal selbst dahinterkommen, wie wir es mit unserer Demokratie halten. Mehr Mut für unsere demokratischen Prozesse, in allen ihren Formen und sie gegenüber Andersdenkenden vertreten, so könnte man sein Zitat, seine Aufforderung interpretieren. Wir trauen uns zu wenig zu. Sonst würden wir der Kritik der ständig Nörgelnden anders entgegentreten. Es gibt schon eine gewisse Gewohnheit oder Akzeptanz, die da in Berlin so heftig zu kritisieren, in den Chor der Kanzlerschelte einzustimmen. Würde das Vertrauen in die „Selbstwirksamkeit der Bürgerinnen und Bürger“ wieder zunehmen, würden wir unsere Demokratie auch wieder mehr als das Unsrige auffassen und auch mal die Erfolge des Ganzen sehen und den Kritikern entgegenhalten. Insoweit sendet Heil einen Weckruf. Viele andere Einsichten in diesem Buch kann man auch auf eine ähnliche Weise interpretieren. Wie kommt es zu dem vermeintlichen Niedergang? „Offenheit und Wehrlosigkeit“ (S. 26 f.) werden miteinander verwechselt. Vielleicht ist es wirklich die offenen Gesellschaft, die eine so geeignete Angriffsfläche bietet: vgl. S. 27 f.

Hinzu kommt das Zerbrechen des Wertekonsens des Westens, vgl. S.30, der brüchig wird, wenn „äußere Einflussnahme“ zunimmt und im Inneren das Vertrauen schwindet. (vgl. ebd.) Besonders wenn viele Krisen jeder Art auf einmal auftauchen… und die Auswirkungen der Regierung, denen da oben vorgeworfen werden. Und die Menschen fühlen sich alleine gelassen, wenn zum Beispiel der kommunale Zusammenhalt zerbricht: vgl. dazu: H. Wittmann, Lesebericht und Nachgefragt: Simon Strauß, In der Nähe. Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht. Die Abgeordneten von Bund und Land müssen sich um ihre Wahlkreise kümmern. Demokratie fängt unten an. Im Dorf, wo der Krämerladen erhalten bleibt und künftig Dorfladen heißt, wo statt Schlecht-Reden, Aufbruchsstimmung durch Initiativen erzeugt wird. Heil kann zu diesem Thema einiges aus seinem Wahlkreis berichten. Schade, dass bei uns nicht jeder Abgeordnete, wie in Frankreich seinen Wahlkreis hat… dann hätten wird die heutigen Probleme vielleicht nicht. „Demokratiejahr“ (einer von den rund 30 Vorschlägen in diesem Buch) ist Heils Stichwort, das die Bürgerinnen und Bürger daran erinnert, dass Demokratie nicht von oben kommt, sondern sie ist in gewissem Maße unsere Pflicht.

Das Kapitel „Hybride Attacken“ erklärt „Russlands Schattenkrieg“ und „Die Logik der Nadelstiche“ (S.59 ff, 61, 65) und man wird auch auf diese Weise auch den Aufbau dieses Buches verstehen, wenn man sich fragt, wie es soweit (mit der AfD) kommen konnte, nachdem es Russland und China in einem solchen Maße gelingt, die Welt zu verändern. Und dazu kommt auch das außenpolitische Schlingern der USA unter Donald Trump: Zölle, Kriege und ständige Verunsicherungen über den Zusammenhalt des westlichen Bündnisses und damit der NATO. Was muss getan werden? „Europa muss souveräner werden.“ Natürlich kommt uns dabei die Dokumentation der > europapolitischen Reden Emmanuel Macrons in den Sinn, der schon zu Beginn seiner ersten Amtszeit uns außenpolitisch allen voraus war. Nur Angela Merkel wollte offenkundig von seiner ersten Sorbonne-Rede nichts wissen. Die Berliner Regierung ließ Macron im Regen stehen, hätte sie seine Vorschläge aufgegriffen, zusammen mit ihm weiterentwickelt und mehr daraus als nur den Aachener-Vertrag gemacht… Heute muss mühsam in großer Eile nachgeholt werden, was Macron schon damals anmahnte.

„Der Krieg der Informationen“ zeigt wie über die (gar nicht mal so) „sozialen Medien“ Wahlen bei uns beeinflusst werden. Heil bringt es auf den Punkt: Die Überforderung von Menschen durch die heutige Informationsflut kann für Desinformationskampagnen genutzt werde.“ (S. 111) Wieder eine Lösung, eine Aufgabe: „Demokratische Immunisierung“ nennt Heil sie und wünscht sich mehr Widerstandskraft, in dem die Urteilsfähigkeit gestärkt wird. Troll-Fabriken (vgl. H. W., Lesebericht und Nachgefragt: Michal Hvorecky, »Troll« , 18.10. 2018 – Den Blog von Klett-Cotta gab es von 2006-2021 mit rund 350 Beiträgen, von 140 Beiträge noch auf der aktuellen Website von Klett-Cotta zu finden sind.) gehören zur hybriden Kriegsführung und schüren die Desinformation, deren Mechanismen Heil en détail aufdeckt.  Es sind die Aushandlungsprozesse als Kern unserer Demokratie, die unter die Räder kommen, wenn Tech-Oligarchen, diese für unnötig halten: (vgl. S. 127-139) – Es geht darum, die Urteilsfähigkeit zu stärken: S. 140. Unsere Redaktion würde gerne hinzufügen… geht nur schwer mit der Künstlichen Intelligenz: Und Heil fügt auch gleich hinzu: „Wir brauchen eine gesellschaftliche Offensive für mehr Urteilsfähigkeit.“ Richtig. Und zu dieser Seite 140 gäbe es noch so viel zu sagen. Wie konnte es bloß zu diesem Misstrauen gegenüber den Medien („Lügenpresse“) oder der Herabwürdigung von denen da oben kommen? Es sind Gefühle, enttäuschte Erwartungen und das Empfinden, alleine gelassen zu werden. Heil sagt es selber: „Rote Linien für die KI ziehen.“ (S. 142) Und er wünscht „Eine Schule, die Urteilskraft trainiert und kritisches Denken vermittelt.“ Demokratische Bildung sollte, so Heil in einen Staatsvertrag zwischen den 16 Bundesländern festgeschrieben werden (vgl. S. 145) : Noch einer von seinen 30 Vorschlägen in diesem Band.

„Europas Freiheit und die neue Weltwirtschaft“ untersucht „Wie sich globale Kräfteverhältnisse verschieben“ (S. 151, 156): Digitale Revolution, Energiewende, Kriegsgefahr in Europa, als wenn in einer Garküche es in allen Töpfen zugleich zu brodeln anfangen würde. Die Auswirkungen, wie Benzinpreisschock wird dann denen da oben vorgeworfen, die dann mit Tankrabatten die Kritiker besänftigen.

Das Gefühl, das bloße Gefühl, der Eindruck, man verliere die Kontrolle, wie gesagt das Gefühl, bedroht zu werden…  das ist der Boden auf dem die AfD wächst und gedeiht. Sie nutzt die Stimmung der Menschen aus und macht aus pandemischen Schutzmaßnahmen (vgl. S. 189) das Märchen vom autoritären Staat. „Das System hat versagt…“ ruft sie und ihre Anhänger nicken. Verunsicherung und Misstrauen erntet, verstärkt und sät sie wieder. Der Angriff auf die Ukraine beruht für sie auf westlicher Mitschuld am Krieg aufgrund der NATO-Osterweiterung. Nebenbei bemerkt, auch unsere Redaktion hat noch nie gehört, dass die AfD irgendwo einmal die NATO-Russland-Grundakte vom 27. Mai 1997 auch nur irgendwo einmal erwähnt hätte. Aber das Herunterspielen der heutigen russischen Bedrohung gehört zum Handwerkskasten der AfD, die weit darüberhinaus, vielfältige Beziehungen mit Russland pflegt: vgl. dazu das letzte Kapitel in diesem Band „Die Internationale der Nationalisten“. Die so national gesinnte AfD baut ihr internationales Netz immer mehr aus, eigentlich im Widerspruch zu ihrer nationalen Ideologie. Heil nennt viele weitere Kennzeichen der rechtsextremen Politik der AfD: „das tiefe Misstrauen gegenüber unabhängigen demokratischen Institutionen“ (S. 204), ihre „Alternativen Medien“ als Machtinstrumente“ (S. 206), ihrer Opferinszenierung, ihre undurchsichtige Finanzierung. Der allerjüngste Coup von Alice Weidel und Tino Chrupalla…, sich nun doch ein klein bisschen mit der EU und dem EURO anfreunden zu wollen – Vgl.: Bericht über internes Strategiepapier: Plant die AfD eine Kehrtwende zu EU und Euro? – Der Tagesspiegel, 5. 10. 2026. Ach, wahrscheinlich nur eine Übernahme des Fraktionsnamens im EU-Parlament: „Europa der Souveränen Nationen (ESN)“, was nach dem „Europa der Vaterländer“ klingt, das man Charles de Gaulle zuschreibt, der es immer abgelehnt hat, diesen Begriff gebraucht zu haben: vgl. H. W., Ein vereintes Europa – Une Europe unie – auf dem Weg zu einer Konföderation  Ein vereintes Europa – Une Europe unie – auf dem Weg zu einer Konföderation

Wenn wir demokratiemüde werden, wenn hybride Attacken nicht richtig eingeordnet werden, wenn wir dem Krieg der Informationen nichts entgegensetzen, wenn Europa der Zerrüttung der Weltordnung zusieht ohne sich auf seine Souveränität zu besinnen, wenn der Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürger weiter abnimmt, werden – such der Aufbau dieses Buches – dann werden „Die Angriffe im Innern“ (S. 185-214) rapide zunehmen. So wie die AfD dies vorführt: Hass, unbarmherzige, immer nur ideologisch grundierte Kritik an denen da oben, Angstmache durch die „Remigration“ und der Aufwiegelung durch den Einzelfallticker (www.afd.de), der das Gefühl vermittelt, jeder Migrant hielte ein Messer zwischen den Lippen, gehören zu diesen Angriffen aus dem Innern heraus.

Wir brauchen mehr Resilienz, Stärkung der Demokratie und Politiker, die auch bereit sind und sich trauen, über Erfolge zu sprechen und die denen entgegentreten, die glauben, dass unsere Hilfen für die Ukraine besser in unsere Sozialsysteme fließen sollten. Wenn Sie dieses Buch lesen, denken Sie daran, Heils 30 Vorschläge zu nummerieren, es lohnt sich, wenn sie sich nur einige Merken und mit Ihren Freunden darüber diskutieren oder auch mit denen, die den Sirenenklängen der AfD erlegen sind.

Hubertus Heil
> Der Angriff der Autokraten
Die Verteidigung der Demokratie gegen innere und äußere Gegner
Stuttgart: Klett-Cotta 2026

Staatsminister Weimer eröffnet 78. Frankfurter Buchmesse und kündigt neue Auszeichnung „Literarisches Wort des Jahres“ an – Staatsminister Weimer: „Wir feiern die einzigartige Kraft der Sprache“

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eröffnet heute im Namen der Bundesregierung die 78. Frankfurter Buchmesse. Vor der Eröffnung hat er die neue Auszeichnung „Literarisches Wort des Jahres“ angekündigt. Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse ist in diesem Jahr Tschechien. Unter dem Motto „Ein Land an der Küste“ präsentiert sich das Land als Sehnsuchtsort für literarische Entdeckungen. Im Ehrengast-Pavillon findet ein umfangreiches Programm mit Lesungen und Gesprächen statt, zudem sind 75 tschechische Autorinnen und Autoren vor Ort.

Staatsminister Weimer sagte im Vorfeld: „Deutschland und Tschechien verbindet eine wechselvolle literarische Freundschaft. Umso mehr freue ich mich, dass wir dieses Jahr im Ehrengast-Pavillon die Chance haben, in die facettenreiche Welt der tschechischen Literaturszene einzutauchen – geprägt von poetischer Sprache, Ironie und Gesellschaftskritik. Literatur schafft Räume für Begegnung und Verständigung. Hier, auf der Frankfurter Buchmesse, kommt die Welt zusammen, um die einzigartige Kraft und Schönheit des Wortes zu feiern und Menschen und Geschichten aus aller Welt zu verbinden.“

Zur Eröffnung der Buchmesse kündigte er eine neue Auszeichnung in Zusammenarbeit mit der Grimmelshausen Gesellschaft an, die das „Literarische Wort des Jahres“ prämieren soll.

Staatsminister Weimer vorab: „Ist es nicht an der Zeit, die einzigartigen Möglichkeiten der Sprache und Literatur zu feiern und dem Unwort des Jahres sein positives Pendant gegenüberzustellen? Gemeinsam mit einer Jury, die neben älterer Literatur auch Neuerscheinungen auf Sprachschöpfungen durchsucht, möchte ich das „Literarische Wort des Jahres“ küren – ein Wort, das die Kraft der Veränderung in sich trägt. Ich bin zuversichtlich, dass es gemeinsam mit der Grimmelshausen-Gesellschaft und weiteren Partnern gelingen wird im kommenden Jahr das erste „Literarische Wort des Jahres“ zu küren.“

Die Frankfurter Buchmesse findet vom 7. bis zum 11. Oktober 2026 statt. Sie ist das wichtigste Jahrestreffen der internationalen Buchbranche und zugleich Handelsplatz, Lesefestival und Debattenforum. Mit zahlreichen Veranstaltungen bietet sie eine Plattform für intensive Diskussionen zu dringlichen Fragen rund um die Folgen technologischer Entwicklungen, Demokratie, Meinungsfreiheit und weltweiten Konflikten. Auch in diesem Jahr sind zahlreiche Autorinnen und Autoren sowie Partnerinnen und Partner aus der ukrainischen Buch- und Verlagsbranche auf der Buchmesse vertreten. Der ukrainische Länderstand wird erneut mit Mitteln aus dem Etat des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien unterstützt.

Quelle: Bundespresseamt

Vermitteln zwischen Sprachen und Märkten: Übersetzer*innen auf der Frankfurter Buchmesse 2026

Übersetzer*innen prägen mit ihrer Arbeit den internationalen Literaturbetrieb und sind auf den Bühnen der FBM26 sehr präsent.

Vom 7. bis 11. Oktober 2026 wird die Frankfurter Buchmesse zum zentralen Treffpunkt der Publishing-Branche und somit auch für Übersetzer*innen literarischer und wissenschaftlicher Werke aus aller Welt. Mit einem vielfältigen Programm und mehreren internationalen Delegationen werden die Vermittler*innen zwischen Sprachen, Kulturen und Märkten in diesem Jahr besonders sichtbar. Auf den Buchmesse-Bühnen diskutieren sie aktuelle Aspekte ihrer Tätigkeit; auf dem Programm stehen zum Beispiel Debatten über künstliche Intelligenz, Geopolitik und faire Vergütung. Am Messe-Mittwoch wird die Übersetzerbarke verliehen, am Donnerstag erhält das digitale Magazin und Übersetzungsprojekt Words Without Borders den internationalen Aficionado Award 2026.

Übersetzer*innen aus Tschechien und Chile: Internationaler Austausch auf den Buchmesse-Bühnen

Die Übersetzungsförderung ist eine zentrale Säule des Ehrengastauftritts auf der Frankfurter Buchmesse. Beim diesjährigen Ehrengast Tschechien präsentieren rund 95 deutschsprachige Verlage über 150 Neuerscheinungen, die durch tschechische Mittel gefördert wurden. Eine Delegation tschechischer Übersetzer*innen ist insbesondere an den Fachbesucher*innentagen in das rund 100 Veranstaltungen umfassende Programm des Ehrengasts eingebunden. Im Messezeitraum findet außerdem das Fellowship-Programm CZECHIA statt. Es richtet sich an 15 erfahrene Übersetzer*innen aus dem Tschechischen und stärkt deren internationales Netzwerk sowie die Sichtbarkeit tschechischer Literatur.

Einen Ausblick auf das kommende Gastland bietet die neue „LatAm Stage“ (3.1 F70). Aus Chile, Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2027, reist eine Delegation von sechs Übersetzer*innen nach Frankfurt. Von Mittwoch bis Freitag widmet sich das Programm der Bühne den fachlichen Entwicklungen der lateinamerikanischen Buchbranche. Ab Freitagnachmittag und am Wochenende übernehmen die chilenischen Delegationsmitglieder sowie weitere Schriftsteller*innen aus Argentinien, Brasilien, Guatemala, Mexiko und Kolumbien das Wort, um in Panels aktuelle literarische und gesellschaftliche Fragen Lateinamerikas zu diskutieren.

Auch Rumänien, Ehrengast 2028, hat bereits ein Übersetzungs-Förderprogramm aufgelegt. Weitere Informationen gibt es beim Ehrengastfrühstück am 9. Oktober 2026 von 9.00-10.00 Uhr am Stand der Leseinsel der unabhängigen Verlage (Halle 3.0 C69).

Goldschmidt+: Übersetzer*innen im internationalen Austausch

Das Programm Goldschmidt+ richtet sich an ehemalige Teilnehmer*innen des renommierten Georges-Arthur-Goldschmidt-Programms für Literaturübersetzer*innen aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Österreich. Um im Beruf etablierten Übersetzer*innen eine kontinuierliche Weiterbildung zu bieten, vertieft das Format deren Kompetenzen, baut das internationale Netzwerk aus und rückt die Übersetzung ins Rampenlicht von Festivals und Buchmessen. Auf der Frankfurter Buchmesse 2026 sind die Teilnehmenden auf verschiedenen Fachpanels vertreten. Es geht unter anderem um die Übersetzung Emmanuel Carrères in verschiedene Sprachen, generative KI und Familienbiografien.
Mehr zu Goldschmidt +, Veranstaltungsübersicht siehe unten.

Prämierte Übersetzer*innen im Gespräch

Der internationale Aficionado Award ehrt jährlich wegweisende Initiativen und Organisationen, die die Publishing-Branche nachhaltig verändern. Er wird in Kooperation und mit Unterstützung der Frankfurter Buchmesse und des Salone Internazionale del Libro di Torino durchgeführt. Dass die Auszeichnung 2026 an das globale Übersetzungsprojekt Words Without Borders (Brooklyn, New York) geht, rückt zugleich die literarische Übersetzung auf die internationale Bühne: Das digitale Magazin veröffentlicht seit über zwanzig Jahren internationale Literatur in englischer Übersetzung und macht insbesondere indigene, vom Aussterben bedrohte und übersehene Sprachen zugänglich. Die Preisverleihung findet am Donnerstag, den 8. Oktober 2026, um 11.00 Uhr auf der Global Stage statt (Foyer Halle 5.1/6.1).
Mehr zum Aficionado Award

Weitere preisgekrönte Übersetzer*innen sind Teil des Messeprogramms: Vera Elisabeth Gerling erhält die Übersetzerbarke. Stefan Moster, Träger des Paul-Celan-Preises 2026, sowie Christian Hansen und Wiebke Stoldt, die mit dem Straelener Übersetzerpreis ausgezeichnet wurden, sprechen über Pioniergeist, langen Atem und die Finessen des Übersetzens.

Zentrum Wort: Literatur und Übersetzung auf der Bühne

Das Zentrum Wort (5.0 C115) ist auf der Frankfurter Buchmesse der zentrale Treffpunkt für literarische Übersetzung und Gegenwartsliteratur. Aktuelle deutschsprachige und internationale Literatur sowie übersetzerische Praxis können hier in aller Vielfalt erlebt werden. Gemeinsam gestaltet vom Deutschen Literaturfonds, dem Deutschen Übersetzerfonds und dem Verband deutschsprachiger Übersetzer/innen (VdÜ), bietet das Areal mit seiner Bühne und einer Networking-Area Raum für den fachlichen Austausch. Im Fokus stehen in diesem Jahr drängende Debatten der Branche – von den Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf das Urheberrecht bis hin zur Rolle des Übersetzens in geopolitischen Krisen. Mehr zum Zentrum Wort

Veranstaltungsübersicht (Auswahl, Änderungen vorbehalten)

Preisverleihungen und andere Veranstaltungen mit prämierten Übersetzer*innen

  • „Wir müssen uns Übersetzer*innen als glückliche Menschen vorstellen“: Ein Gespräch anlässlich der Verleihungen des Paul-Celan-Preises und der Straelener Übersetzerpreise 2026
    Mittwoch, 7. Oktober 2026, 16.00-17.00, Zentrum Wort, Halle 5.0 C115
    Mit: Christian Hansen, Stefan Moster, Wiebke Stoldt, Patricia Klobusiczky (Moderation)
  • Verleihung der Übersetzerbarke 2026 an Vera Elisabeth Gerling
    Mittwoch, 7. Oktober 2026, 17.00-18.00, Zentrum Wort, Halle 5.0 C115
  • Aficionado Award: Panel und Preisverleihung
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 11.00-11.30 Uhr, Global Stage, Foyer 5.1/6.1
    Mit: Elisabeth Jaquette (Executive Director von Words Without Borders), Tom Kraushaar (Klett-Cotta) und Erin Cox (Moderation, Frankfurter Buchmesse)

Veranstaltungen mit Teilnehmer*innen des Förderprogramms Goldschmidt+

  • Akzent: Übersetzung ins Rampenlicht
    Mittwoch, 7. Oktober 2026, 11.30-12.10 Uhr, OFF Bühne Schweiz, Halle 3.0 F86
    Mit: Catherine Schlumberger (Geschäftsführerin, Solothurner Literaturtage), Jörn Cambreleng (Direktor, ATLAS), Seid Serdarević (Lektor, Fraktura), Sula Textor (Moderation)
  • Erinnerung übersetzen – Familiengeschichten zwischen Schweigen, Archiv und Sprache
    Mittwoch, 7. Oktober 2026, 15.30-16.00 Uhr, Inspiration Stage, Halle 3.0 J34
    Mit: Sula Textor (Literaturübersetzerin, Goldschmidt+), Patrick Farges (Université Paris Cité) Bettina Sund (Moderation).
  • „Gott spielen“: Wie generative KI Sprache und Denken automatisiert, mit Social-Media-Beiträgen Kriege steuert, uns unmündig macht und was wir dagegen tun können
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 10.00-11.00 Uhr, Inspiration Stage, Halle 3.0 J34
    Mit: Nina George (Bestsellerautorin, Kommissarin für Politische Angelegenheiten des EWC), Hans Neubauer (Autor, Journalist), Claudia Hamm (Übersetzerin)
  • Schreiben und übersetzen
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 11.00-12.00 Uhr, Inspiration Stage, Halle 3.0 J34
    Mit: Julia Wolf (Autorin, Übersetzerin), Francesca Manfredi (Autorin, Übersetzerin), Veronika Islinger (Moderatorin)
  • Geschichte im Prisma der Sprachen: Emmanuel Carrères „Kolchose“ auf Italienisch, Englisch und Deutsch
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 12.00-13.00 Uhr, Inspiration Stage, Halle 3.0 J34
    Mit: Ena Marchi (Lektorin), John Lambert (Übersetzer), Claudia Hamm (Übersetzerin)

Veranstaltungen im Zentrum Wort, 5.0 C115

  • Böhmische Dörfer – Zeitgenössische Literatur aus Tschechien übersetzen
    Mittwoch, 7. Oktober 2026, 15.00-16.00 Uhr
    Mit: Mirko Kraetsch, Eva Profousová, Katharina Borchardt (Moderation)
  • Unterschreiben oder verlieren? KI-Training, Urheberrecht und faire Vergütung für Übersetzer*innen
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 11.00-12.00 Uhr
    Mit: Johanna Czerny, Philipp Diepmans, Elvira Iannone, Ricarda Essrich (Moderation)
  • Vermintes Gelände – Übersetzung im geopolitischen Spannungsfeld
    Freitag, 9. Oktober 2026, 14.00-15.00 Uhr
    Mit: Larissa Bender, Karin Betz, Christiane Körner Paul Ingendaay (Moderation)
  • Von Wikingern, Mord und Spice – Wie Genreübersetzungen entstehen
    Samstag, 10. Oktober 2026, 15.00-16.00 Uhr
    Mit: Freyja Melsted, Julia Schwenk, Justus Carl (Moderation)
  • Übersetzungen in der Öffentlichkeit: Vom Feuilleton zu BookTok
    Samstag, 10. Oktober 2026, 16.00–17.00 Uhr
    Mit: Jacqueline Mikol, Leyli Sahin, Lea Schneider Julia Rosche (Moderation)
  • Poetische Schwarmintelligenz: ein Übersetzungsexperiment
    Sonntag, 11. Oktober 2026, 12.00-13.00 Uhr
    Mit: Sven Koch, Leonie Nückell, Anna Eble (Moderation)
  • Übersetzung: Mensch oder Maschine? Finden Sie den Unterschied!
    Sonntag, 11. Oktober 2026, 14.00-15.00 Uhr
    Mit: Heide Franck, Andreas Jandl und Myriam Alfano

Veranstaltungen auf weiteren Bühnen

  • (M)other tongues: Workshop mit Ela zum Winkel
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 10.30-11.10 Uhr, OFF Bühne Schweiz, Halle 3.0 F86
    Mit: Ela zum Winkel (Literaturübersetzerin, Theaterschaffende)
  • Why Translation Funding Matters
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 11.00-12.00 Uhr, LatAm Stage, Halle 3.1 F70
    Mit: Cristina Varas Largo, Pavella Copolla Palacios, Claudia Cabrera, Soledad Lagos (Moderation). Sprache: Englisch
  • Wer überlebt im Literaturbetrieb? Urheberschaft für Übersetzer*innen
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 12.30-13.00 Uhr, Discovery Stage, Halle 5.0 C147
    Mit: Tong Yali (Lyrikerin, Klangpoetin, Literaturwissenschaftlerin, Übersetzerin)
  • Endlicher Spaß. Zur Kunst des Übersetzens
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 15.30-16.30 Uhr, Halle 3.0 D87
    Mit: Ulrich Blumenbach, Träger des Johann-Heinrich-Voß-Preises für Übersetzung 2026, und Daniel Göske, Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung
  • Translations and their Funding in Asia – Concepts, Demands and Ideas
    Freitag, 9. Oktober 2026, 14.30-16.00 Uhr, Asia Stage, Halle 5.1 A75
    Mit: Sabine Müller, Chanwoo Park, Charisse Aquino-Tugade, Elaine Ng
  • „Des Paradieses Töne“ – Arabische Lyrik in deutscher Sprache
    Freitag, 9. Okt. 2026, 17.00-18.00 Uhr, Dialogue Stage, Foyer Halle 4.0/4.1
    Mit: Stefan Weidner, Claudia Ott, Christian Junge (Moderation)
  • Translating Children’s Books
    Freitag, 9. Okt. 2026, 17.00-18.00 Uhr, LatAm Stage, Halle 3.1
    Mit: Paula Fernández, Maria José Ferrada, Mariana Warth, Paula Peretti (Moderation). Sprache: Englisch

Veranstaltungen im Ehrengast-Pavillon, Forum, Ebene 1

  • Europa übersetzen: Das ENLit-Netzwerk 
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 13.00-13.50 Uhr, Harbour Stage
    Mit: Izaskun Arretxe, Elise Vanoosthuyse und Eleonora di Blasio, Martin Krafl (Moderation). Sprache: Englisch
  • KI in der Übersetzungs- und Verlagsbranche: neue Studien von Humanaid und CEATL
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 14.00-14.50 Uhr, Harbour Stage
    Mit: Jiřina Šmejkalová, Lenka Pořízková, Francesca Novajra, Anna Luňáková (Moderation). Sprache: Englisch
  • ÜbersetzerInnen und ihre Rolle: VerlegerIn, AgentIn, OrganisatorIn, AktivistIn
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 15.30-16.20 Uhr, Shore Stage
    Mit: Veronika Siska, Susanna Räty, Julia Miesenböck, Jitka Hanušová (Moderation). Sprache: Englisch
  • Perlen auf dem Meeresgrund. Unübersetzt gebliebene Bücher der tschechischen Literatur.
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 11.150-12.00 Uhr, Shore Stage
    Mit: Susa Wolfrum (Moderation), Jana Krötzsch (Moderation). Sprache: Englisch

Die Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeyer zum Tag der Deutschen Einheit am 3.10.2026 in Bremen

| Lesebericht und nachgefragt: Volker Weiß, Das Deutsche Demokratische Reich. Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört | Lesebericht: Antonio Scurati, »Faschismus und Populismus« |


Beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen am 3.10.202 hielt Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeyer die Festrede:

Die Deutsche Einheit war ein Glücksmoment. Der Bundespräsidenten erinnerte an den Mut der Menschen von 1989 in Leipzig am 9. Oktober 1989 als 70.000 Menschen dafür sorgten, dass die Macht des Unrechts gebrochen wurde.

Er erinnerte auch daran, dass die Demokratie heute gefährdet ist und nannte für die aktuellen Probleme soziale und wirtschaftliche Unsicherheit, mangelnde Aufstiegschancen, Arbeitslosigkeit, unzureichende politische Repräsentation und die Folgen der Globalisierung.

F.-W. Steinmeyer: „Wir leben zur Zeit nicht in jener Welt der Zuversicht und der Hoffnung, aus der wir kommen. Viele von uns, und wahrlich nicht nur im Osten des Landes, zeigen sich in ihren Erwartungen enttäuscht. Die politische Realität bei uns zu Hause und in der Welt hat uns ihre harte und bittere Seite gezeigt.“Und er fügte hinzu: „Bald vier Jahrzehnte nach der Deutschen Einheit, nach vielfachen, ich glaube historisch beispiellosen Anstrengungen des Aufbauens und Erneuerns, erklären große Teile der Bürgerschaft ihr Misstrauen gegen die politische Ordnung der Bundesrepublik. Ich will nicht sagen, dass sie sich gegen die Demokratie an sich wenden. Aber, um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Ich halte jeden, der heute ein Wahlrecht genießt, das es in der Diktatur nicht gab, für berechtigt und mündig, selbst zu entscheiden. Jede Stimme zählt, jede ist ernst zu nehmen. Gerade deshalb können wir uns nicht um die Tatsache herumdrücken, dass ein Viertel, ein Drittel und mehr mit ihrer Wahlentscheidung bekunden, dass sie sich von wichtigen Grundrechten unserer Republik abwenden. Die Motive können individuell unterschiedlich sein. Ich glaube, niemand kennt sie allesamt. Doch bleibt es eine Tatsache: Wähler, die zu den Extremen gehen, pochen laut auf die eigenen Rechte, während sie bereit sind, die Rechte anderer zur Disposition zu stellen.

Die unerträgliche politische Demagogie extremistischer Kräfte, die eine Lust an der Zerstörung ausleben und andere Menschen verhöhnen und bedrohen, gefährdet heute nicht nur Freiheit und Demokratie. Sie gefährdet unsere Einheit.“

Heute gebe es Kritik an der politischen Streitkultur, die aber immer neu errungen werden muss: Soziale Medien hätten die öffentliche Debatte verändert: Desinformation, Verschwörungserzählungen, Bots und starke Emotionalisierung erschwerten einen sachlichen demokratischen Streit. Der Bundespräsident beschwor den Zusammenhalt und die Erfolge unserer demokratische Institutionen: Die Bundesrepublik habe trotz vieler Krisen große Erfolge erzielt. Rechtsstaat, Menschenrechte, demokratische Institutionen und die Fähigkeit zum Kompromiss seien zentrale Grundlagen, die geschützt werden müssten.

Das Vertrauen müsse zurückgewonnen werden: Deutschland benötigt wirtschaftliche Dynamik, Investitionen, Wachstum und Arbeit. Reformen seien notwendig, damit Menschen wieder stärker auf ihre eigene und die Zukunft ihrer Kinder vertrauen könnten.

Und schließlich sprach der Bundespräsident auch über Europe Europa, Frieden und Zukunft: Die internationale Krisen fordern eine Verbindung von militärischer Stärke und Diplomatie sowie ein starkes, vereintes Europa.

Der Wortlaut seiner Rede – Website des Bundespräsidneten

Die internationale Lage aus deutscher Sicht und die Reformen in Deutschland

| Lesebericht und nachgefragt: Volker Weiß, Das Deutsche Demokratische Reich. Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört | Lesebericht: Antonio Scurati, »Faschismus und Populismus« |


Bundeskanzler Friedrich Merz hätte in Berlin die gleiche Ansprache halten können, wie sie der französische Präsident am 18. September in Paris gehalten hat: > Emmanuel Macron : Situation internationale : réunion avec les chefs des partis – www.france-blog.info.

Der russische Angriff auf die Ukraine, die hybriden russischen Angriffe auf Europa, und die Folgen der Konflikte im Nahen Osten haben die Sicherheitslage und die Probleme für die Energieversorgung nicht nur in Europa sondern weltweit dramatisch verschärft. In dieser Situation gerät Bundeskanzler Merz immer mehr in die Kritik, gerade so, als sei er alleine für Entwicklung der Weltlage und mit seiner Regierung für die Steigerung der Spritpreise verantwortlich. Zudem wird ihm vorgeworfen, mit dem Sondervermögen vor Beginn der Sitzung des neuen Bundestages ein Wahlversprechen gebrochen zu haben. Hätte er nicht vorgesorgt, wäre ihm diese Unterlassung ebenso zur Last gelegt worden.

Die AfD verspricht ihren Wählern, die Unterstützung für die Ukraine einzustellen > Haltung der AfD zum Ukraine-Krieg stößt auf breiten Widerspruch 86. Sitzung vom 25.06.2026 – Website des Deutschen Bundestages und setzt damit die Sicherheit Europas aufs Spiel.

Die Kritik am Reformkurs der Bundesregierung hat sich in den Wahlkämpfen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, wo die CDU sogar aus dem Landtag geflogen ist, und in Berlin verschärft. Der Bundeskanzler kündigte am Wahlabend des 20. September sofort nach Schließung der Wahllokale an, an den anstehenden Reformen festhalten zu wollen. Zuerst wurde er für das Ausbleiben der Reformen kritisiert, auch nachdem die Gesundheitsreform schon unterwegs war, dann wird er für die Reformen kritisiert, auch dann, wenn diese noch gar nicht im Bundestag zur Debatte standen. Seine Kritiker wollen immer nur das Negative erkennen, kaum jemand von ihnen trägt etwas Konstruktives zum Diskussionsprozess bei und qualifiziert sich für eigene Regierungsarbeit. Alle Gegner lauern nur auf neuen Streit, wie Verhandlungen in der Koalition oft vorschnell bezeichnet werden. Man darf nicht vergessen, dass es um Reformen ging, um die Vorgängerregierungen einen großen Bogen gemacht haben, obwohl sie wussten, dass unsere Sozialsysteme auf große Probleme zusteuern.

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