Rezension: Jens Nordalm Deutschland, Das unterschätzte Land. Ein Loblied

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| Frankfurter Buchmesse 2026 | Die Wahl von Tobias Rausch (AfD) zum ersten AfD-Landtagspräsidenten | Die Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeyer zum Tag der Deutschen Einheit am 3.10.2026 in Bremen |


Jens Nordalm
Deutschland – Das unterschätzte Land
Ein Loblied
Stuttgart: Cotta 2026.

Frankfurter Buchmesse 2026: Zwischenbilanz nach den ersten beiden Fachtagen

65.000 Fachbesucher*innen aus 130 Ländern | Neues Hallenlayout / KI dominiert die Gespräche | Frankfurt: Wo Kultur und Politik aufeinandertreffen

An den ersten beiden Fachtagen der 78. Frankfurter Buchmesse (7.–11. Oktober 2026) blieb die Besucher*innenzahl auf dem gleichen hohen Niveau wie im Vorjahr. Am Mittwoch und Donnerstag (7.–8. Oktober 2026) besuchten insgesamt 65.000 Fachbesucher*innen aus 130 Ländern die Messe, die noch bis Sonntagabend dauert. Zum ersten Mal kamen Fachbesucher*innen aus Kap Verde, Grönland, Guinea, den Turks- und Caicosinseln sowie Eswatini auf die Messe. 4.000 Aussteller präsentieren ihre Bücher, Produkte und Dienstleistungen auf der führenden internationalen Buchmesse in Frankfurt. Die diesjährige Messe bietet mehr Bühnen als je zuvor. Dort finden mehr als 3.800 Veranstaltungen auf dem Messegelände und in ganz Frankfurt statt.

Das erneut stark frequentierte „Literary Agents & Scouts Centre“ (LitAg) war von 319 Agenturen aus 32 Ländern belegt. Im LitAg und im „Publishers Rights Center“ wurden insgesamt 582 Tische verkauft (2025: 591 Tische). Zu den bedeutenden Rechtegeschäften, die diese Woche für Schlagzeilen in der Fachpresse sorgten, gehörten der Erwerb des Kinderbuch-Debüts „Once, in the Forest“ der „Chocolat“-Bestsellerautorin Joanne Harris durch den unabhängigen britischen Verlag Magic Cat Publishing. Außerdem wurde ein transatlantischer Vertrag zwischen Penguin Random House UK und der Hachette Book Group über den Krimi „The Protector“ von James Patterson und Arnold Schwarzenegger abgeschlossen.

Positives Feedback zum neuen Hallenlayout 

Die diesjährige Messe findet mit einem neuen Hallenlayout statt: Aussteller mit starker B2B-Ausrichtung befinden sich in den oberen Hallenebenen, während jene mit großem Interesse an Privatbesucher*innen in den Erdgeschossen der Hallen platziert sind. Dazu Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse: „Nach den ersten beiden Fachbesucher*innentagen der Messe kann ich sagen, dass sich das neue Hallenkonzept für unsere Aussteller und Fachbesucher*innen äußerst gut bewährt hat. Bislang haben wir von beiden Gruppen sehr positives Feedback erhalten.“

CEOs über die Rolle der KI und die Bedeutung von Geschichten 

KI auf den Blogs unserer Redaktion:

> Sartre et Dürer – www.romanistik.info, 25. Juli 2026

> Rezension: Rainer Mühlhoff, Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus – www.romanistik.info, 15. Juni 2026

> Lesebericht und Nachgefragt: Michael Wildenhain, »Eine kurze Geschichte der Künstlichen
Intelligenz«
– www.romanistik.info, 19. Juni 2026

> Die Falle der künstlichen Intelligenz – Rezension: Eric Sadin, Le Désert de nous-mêmes: Le tournant intellectuel et créatif de l’intelligence artificielle – www.romanistik.info, 12. Januar 2026

> Im Internet suchen? Wie steht es um die Zuverlässigkeit der KI? – www.france-blog.info, 22. Juli 2026

> IA/KI – L’intelligence artificielle au lycée / Künstliche Intelligenz in der Schule – www.frnce-blog.info, 5. Januar 2025

Am Mittwoch betraten mehrere CEOs die Bühnen. Beim „CEO Talk“ erklärte Tobias Wann, CEO von tonies, dass sein Unternehmen zwar bei einigen seiner Produkte mit KI experimentiert habe, die Toniebox selbst jedoch „niemals ein KI-Spielzeug werden wird“. Nigel Newton, Gründer und CEO von Bloomsbury Publishing Plc führte aus, das Verlagswesen habe schon viele Herausforderungen erlebt. Und er sei sicher, dass KI nur ein weiterer Sturm sei, den die Branche gekonnt überstehen werde. „Es ist noch alles offen. Es bleibt noch Zeit, das Biest zu zähmen.“ An anderer Stelle, auf der Frankfurt Kids Conference, sprach Perminder Mann, CEO von Simon & Schuster UK und International, über die Bedeutung der Veröffentlichung von Erzählungen aus allen Teilen der Welt. „Das ist der Weg, um Menschen in einer polarisierten Welt zusammenzubringen“, erklärte sie.

 Frankfurt: Wo Kultur und Politik aufeinandertreffen 

Bei der Eröffnungs-Pressekonferenz der Messe hielt die amerikanische Historikerin und Pulitzer-Preisträgerin Jill Lepore eine eindringliche Grundsatzrede, in der sie vor einer Welt warnte, in der unsere Zukunft „einer sehr kleinen Zahl unglaublich mächtiger Wirtschaftsmagnaten des 21. Jahrhunderts“ überlassen wird.

Beim Opening, der offiziellen Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse, äußerte sich Glenn Micallef, EU-Kommissar für Generationengerechtigkeit, Jugend, Kultur und Sport, zurückhaltend hinsichtlich des künftigen Einflusses der KI auf die Verlagsbranche und fügte hinzu: „Künstliche Intelligenz wird uns mehr Worte liefern, als jede Generation vor uns jemals hatte. Unsere Verantwortung besteht darin, die Menschen, die dahinterstehen, niemals aus den Augen zu verlieren. Denken Sie daran: Technologie kann Worte generieren. Aber nur Menschen können sie zum Leben erwecken.“ Die literarische Rednerin des Buchmesse-Gastlands, die tschechische Autorin Radka Denemarková, sagte: „Ich stehe hier; ich habe keine Wahl, denn ich existiere, und ich habe die Nase voll von dem, was ich in letzter Zeit so oft gehört habe: dass man Politik und Literatur trennen müsse. Alles ist Politik. Die Frage von heute ist ganz einfach: offene Demokratie oder geschlossene Gesellschaft. Die Literatur kennt die Antwort; deshalb ist sie so gefährlich.“

Über die Frankfurter Buchmesse

Die Frankfurter Buchmesse ist die größte Fachmesse für das internationale Publishing und ein branchenübergreifender Treffpunkt für Player aus den Bereichen Bildung, Filmwirtschaft, Games, Wissenschaft und Fachinformation. Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildet seit 1976 der jährlich wechselnde Ehrengast, der dem Messepublikum auf vielfältige Weise seinen Buchmarkt, seine Literatur und Kultur präsentiert. Die Frankfurter Buchmesse organisiert die Beteiligung deutscher Verlage an internationalen Buchmessen und veranstaltet ganzjährig Fachveranstaltungen in den wichtigen internationalen Märkten. Die Frankfurter Buchmesse ist ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Quelle: pr.buchmesse.de

Die Wahl von Tobias Rausch (AfD) zum ersten AfD-Landtagspräsidenten

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Bundeskanzler Merz anlässlich des 3. Jahrestags des 7. Oktobers 2023

„Am heutigen Jahrestag der furchtbaren Hamas-Terroranschläge vom 7. Oktober 2023 sind unsere Gedanken bei den Opfern und ihren Hinterbliebenen, den Überlebenden und den ehemaligen Geiseln. Wir gedenken der Toten. Wir trauern mit den Hinterbliebenen. Und wir hoffen, dass der tiefe Schmerz und die Wunden, die dieser Tag, die diese monströsen, barbarischen Taten geschlagen haben, heilen können.

Deutschland steht fest an der Seite Israels. Unsere israelischen Freunde können auf unseren Einsatz zählen, damit sich ein solches Verbrechen niemals wiederholt. Wir stehen für die Sicherheit und Existenz Israels ein – das ist Lehre aus der Shoah und Teil deutscher Identität.

Es muss nun darum gehen, das Fundament einer neuen Ordnung zu legen, in der Israelis, Palästinenser und ihre Nachbarn in Frieden und Sicherheit leben können. Dafür setzt sich die Bundesregierung ein. Unserer Überzeugung nach ist dieses Ziel am besten durch die Gründung eines palästinensischen Staates an der Seite Israels zu erreichen.

In Deutschland erleben wir heute einen zunehmenden Antisemitismus, der viel zu oft unwidersprochen bleibt. Die Bundesregierung wird alles in ihrer Macht Stehende tun, um Antisemitismus in all seinen neuen und alten Formen konsequent zu bekämpfen. Jüdinnen und Juden müssen in ganz Deutschland ohne Angst leben können. Jüdisches Leben muss sich in unserer Gesellschaft weiter entfalten können. Deshalb gehen wir gegen antisemitische Vorfälle und Angriffe mit aller Entschlossenheit vor. Und wir treten denjenigen entgegen, die das Existenzrecht Israels relativieren oder gar in Frage stellen. Nicht nur am 7. Oktober, sondern jeden Tag.“

Quelle: Bundespresseamt

Gastlandauftritt des Weimarer Dreiecks auf der Leipziger Buchmesse 2027

| Rezension: Hubertus Heil, Der Angriff der Autokraten. Die Verteidigung der Demokratie gegen innere und äußere Gegner | Die Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeyer zum Tag der Deutschen Einheit am 3.10.2026 in Bremen |


Anlässlich des Gastlandauftritts „BEZIEHUNGSWEISE EUROPA“ von Polen, Frankreich und Deutschland (Weimarer Dreieck) auf der Leipziger Buchmesse 2027 fand heute auf der Frankfurter Buchmesse eine Pressekonferenz statt. Das Projekt wird von den drei Kulturinstituten der Länder – dem Polnischen Institut, dem Institut français Deutschland und dem Goethe-Institut getragen.

Aufzeichnung der Eröffnungspressekonferenz: https://youtube.com/live/qB7uR76M5J0 

Buchmesse-Direktorin Astrid Böhmisch eröffnete die Pressekonferenz und erklärte: „‚Beziehungsweise Europa‘ steht in einem unmittelbaren inhaltlichen Dialog mit dem Motto der Leipziger Buchmesse 2027 ‚Neugier öffnet neue Seiten‘. (…) So entsteht auf der Messe, aber hoffentlich ganz besonders auch noch im Nachgang, ein Energiefeld für die Geschichten, Haltungen und Impulse, die die Literaturen der drei Länder mitbringen.“

Außerdem sprachen Thorsten Dönges (Kurator), Katarzyna Sitko (Polnisches Institut Berlin), Thomas Michelon (Institut français Deutschland), und Katharina von Ruckteschell-Katte (Goethe-Institut). Karolina Golimowska (Polnisches Institut), Wolf Iro (Goethe-Institut) und Myriam Louviot (Institut français Deutschland), standen nach der Pressekonferenz für Gespräche zur Verfügung und erläuterten als Kurationsteam ihr Konzept und die verschiedenen Veranstaltungsformate.

Das Konzept des Gastlands 2027 wurde erstmals vorgestellt und in seinen kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Kontext eingeordnet. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Repräsentation einer einzelnen nationalen Literatur, sondern die Schaffung eines grenzüberschreitenden Raums für literarischen Austausch, kulturelle Fragen sowie gesellschaftliche und politische Debatten.

So Katarzyna Sitko, Direktorin des Polnischen Instituts Berlin: „Wenn wir die Bücher unserer Nachbarn lesen, verstehen wir einander besser und entdecken, wie viel uns verbindet. Gerade in instabilen Zeiten brauchen wir diese Nähe mehr denn je. Ein starkes Europa lebt nicht nur von politischer und wirtschaftlicher Zusammenarbeit, sondern auch von kulturellen Verbindungen, die uns das Gefühl geben, wirklich Teil einer europäischen Gemeinschaft zu sein.“

Es gibt eine Verbindung zwischen den Literaturen Polens, Frankreichs und Deutschlands, die sowohl Teil des gemeinsamen europäischen kulturellen Erbes als auch prägend für die zeitgenössische Kultur Europas sind. Das Projekt knüpft dabei an die vielfältigen literarischen und kulturellen Beziehungen zwischen den drei Ländern an und greift zugleich die Idee des Weimarer Dreiecks auf: die gemeinsame Verantwortung, die europäische Idee zu stärken und weiterzuentwickeln. „Polen, Frankreich und Deutschland gehören zu Europa, ohne es als Ganzes zu verkörpern; sie stehen einander nahe, ohne deshalb einig zu sein. Was sie verbindet, ist die Geschichte ihrer Beziehungen, ihre gegenseitigen Abhängigkeiten und – vielleicht vor allem– der Wille, miteinander im engen Austausch zu bleiben“ steht im Konzept des Kurationsteams.

Das Weimarer Dreieck ist ursprünglich ein politischer Begriff: Polen, Frankreich und Deutschland haben sich dazu bekannt, die europäische Idee gemeinsam zu stärken und weiterzuentwickeln. Seit seiner Gründung 1991 steht das Weimarer Dreieck für Dialog, Verständigung und die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft Europas. Und, wie Katharina von Ruckteschell-Katte, Abteilungsleiterin Kultur und Bildung Goethe-Institut anmerkt: „Das Weimarer Dreieck ist aus dem politischen Willen entstanden, Europa gemeinsam zu stärken und weiterzuentwickeln. Als Gastland sendet es deshalb ein wichtiges Zeichen: Europas Zukunft liegt nicht in Alleingängen und Abgrenzung, sondern in Zusammenarbeit, Austausch und dem Bewusstsein für das, was uns miteinander verbindet. Gerade Kultur und Literatur machen diese Verbindungen sichtbar und eröffnen zugleich Raum für unterschiedliche Perspektiven. Dies machen wir mit dem Gastlandauftritt erlebbar”.

Der Titel des Projekts ist Programm: “Das Wort beziehungsweise kommt zunächst nur als unscheinbare Konjunktion daher. Doch steckt in ihr die Verbindung der Begriffe Beziehung und weise – und deshalb auch die Frage, auf welche Weise wir unsere Beziehungen bereits gestalten und gestalten wollen. Beziehungsweise Europa betont daher sowohl die europäische Dimension als auch den eigenen Gestaltungsspielraum. Wir tragen gemeinsam Verantwortung, für unsere Beziehungen und für unsere Zukunft. Wie diese aussehen sollen, ist Gegenstand der Veranstaltungen.” so das Kurationsteam.

Präsentiert wurde die Entstehung des Projekts und sein Anliegen, neue literarische Entwicklungen und Strömungen in den drei Ländern sichtbar zu machen. Unterschiedliche Perspektiven auf aktuelle gesellschaftliche und demokratische Herausforderungen sollen miteinander ins Gespräch gebracht werden. Thomas Michelon, Direktor des Institut français Deutschland fügte hinzu: „Diese gemeinsame Initiative wird es dem Publikum ermöglichen, in das schöpferische literarische Schaffen einzutauchen und zugleich zu ermessen, welchen Zugang uns diese Autorinnen und Autoren zu intellektuellen Fragen wie auch zu den großen Herausforderungen unserer Zeit eröffnen.“

Weil Beziehungen in ihren verschiedenen Formen im Mittelpunkt des Projekts stehen, prägen sie auch viele der Veranstaltungsformate und einige davon wurden vorgestellt.

Genannt wurden die ersten Namen derjenigen Autor:innen, die auf der Leipziger Buchmesse anwesend sein werden: Dorota Masłowska, Marie NDiaye, Annett Gröschner, Zyta Rudzka, Laura Vazquez, Matthias Nawrat und Ozan Zakaryia Keskinkiliç.

Das visuelle Erscheinungsbild des Gastlandauftritts – in Form des Logos von Beziehungsweise Europa – wurde ebenfalls erstmals gezeigt.

Rezension: Hubertus Heil, Der Angriff der Autokraten. Die Verteidigung der Demokratie gegen innere und äußere Gegner

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Hubertus Heil
> Der Angriff der Autokraten
Die Verteidigung der Demokratie gegen innere und äußere Gegner
Stuttgart: Klett-Cotta 2026

Staatsminister Weimer eröffnet 78. Frankfurter Buchmesse und kündigt neue Auszeichnung „Literarisches Wort des Jahres“ an – Staatsminister Weimer: „Wir feiern die einzigartige Kraft der Sprache“

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eröffnet heute im Namen der Bundesregierung die 78. Frankfurter Buchmesse. Vor der Eröffnung hat er die neue Auszeichnung „Literarisches Wort des Jahres“ angekündigt. Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse ist in diesem Jahr Tschechien. Unter dem Motto „Ein Land an der Küste“ präsentiert sich das Land als Sehnsuchtsort für literarische Entdeckungen. Im Ehrengast-Pavillon findet ein umfangreiches Programm mit Lesungen und Gesprächen statt, zudem sind 75 tschechische Autorinnen und Autoren vor Ort.

Staatsminister Weimer sagte im Vorfeld: „Deutschland und Tschechien verbindet eine wechselvolle literarische Freundschaft. Umso mehr freue ich mich, dass wir dieses Jahr im Ehrengast-Pavillon die Chance haben, in die facettenreiche Welt der tschechischen Literaturszene einzutauchen – geprägt von poetischer Sprache, Ironie und Gesellschaftskritik. Literatur schafft Räume für Begegnung und Verständigung. Hier, auf der Frankfurter Buchmesse, kommt die Welt zusammen, um die einzigartige Kraft und Schönheit des Wortes zu feiern und Menschen und Geschichten aus aller Welt zu verbinden.“

Zur Eröffnung der Buchmesse kündigte er eine neue Auszeichnung in Zusammenarbeit mit der Grimmelshausen Gesellschaft an, die das „Literarische Wort des Jahres“ prämieren soll.

Staatsminister Weimer vorab: „Ist es nicht an der Zeit, die einzigartigen Möglichkeiten der Sprache und Literatur zu feiern und dem Unwort des Jahres sein positives Pendant gegenüberzustellen? Gemeinsam mit einer Jury, die neben älterer Literatur auch Neuerscheinungen auf Sprachschöpfungen durchsucht, möchte ich das „Literarische Wort des Jahres“ küren – ein Wort, das die Kraft der Veränderung in sich trägt. Ich bin zuversichtlich, dass es gemeinsam mit der Grimmelshausen-Gesellschaft und weiteren Partnern gelingen wird im kommenden Jahr das erste „Literarische Wort des Jahres“ zu küren.“

Die Frankfurter Buchmesse findet vom 7. bis zum 11. Oktober 2026 statt. Sie ist das wichtigste Jahrestreffen der internationalen Buchbranche und zugleich Handelsplatz, Lesefestival und Debattenforum. Mit zahlreichen Veranstaltungen bietet sie eine Plattform für intensive Diskussionen zu dringlichen Fragen rund um die Folgen technologischer Entwicklungen, Demokratie, Meinungsfreiheit und weltweiten Konflikten. Auch in diesem Jahr sind zahlreiche Autorinnen und Autoren sowie Partnerinnen und Partner aus der ukrainischen Buch- und Verlagsbranche auf der Buchmesse vertreten. Der ukrainische Länderstand wird erneut mit Mitteln aus dem Etat des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien unterstützt.

Quelle: Bundespresseamt

Vermitteln zwischen Sprachen und Märkten: Übersetzer*innen auf der Frankfurter Buchmesse 2026

Übersetzer*innen prägen mit ihrer Arbeit den internationalen Literaturbetrieb und sind auf den Bühnen der FBM26 sehr präsent.

Vom 7. bis 11. Oktober 2026 wird die Frankfurter Buchmesse zum zentralen Treffpunkt der Publishing-Branche und somit auch für Übersetzer*innen literarischer und wissenschaftlicher Werke aus aller Welt. Mit einem vielfältigen Programm und mehreren internationalen Delegationen werden die Vermittler*innen zwischen Sprachen, Kulturen und Märkten in diesem Jahr besonders sichtbar. Auf den Buchmesse-Bühnen diskutieren sie aktuelle Aspekte ihrer Tätigkeit; auf dem Programm stehen zum Beispiel Debatten über künstliche Intelligenz, Geopolitik und faire Vergütung. Am Messe-Mittwoch wird die Übersetzerbarke verliehen, am Donnerstag erhält das digitale Magazin und Übersetzungsprojekt Words Without Borders den internationalen Aficionado Award 2026.

Übersetzer*innen aus Tschechien und Chile: Internationaler Austausch auf den Buchmesse-Bühnen

Die Übersetzungsförderung ist eine zentrale Säule des Ehrengastauftritts auf der Frankfurter Buchmesse. Beim diesjährigen Ehrengast Tschechien präsentieren rund 95 deutschsprachige Verlage über 150 Neuerscheinungen, die durch tschechische Mittel gefördert wurden. Eine Delegation tschechischer Übersetzer*innen ist insbesondere an den Fachbesucher*innentagen in das rund 100 Veranstaltungen umfassende Programm des Ehrengasts eingebunden. Im Messezeitraum findet außerdem das Fellowship-Programm CZECHIA statt. Es richtet sich an 15 erfahrene Übersetzer*innen aus dem Tschechischen und stärkt deren internationales Netzwerk sowie die Sichtbarkeit tschechischer Literatur.

Einen Ausblick auf das kommende Gastland bietet die neue „LatAm Stage“ (3.1 F70). Aus Chile, Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2027, reist eine Delegation von sechs Übersetzer*innen nach Frankfurt. Von Mittwoch bis Freitag widmet sich das Programm der Bühne den fachlichen Entwicklungen der lateinamerikanischen Buchbranche. Ab Freitagnachmittag und am Wochenende übernehmen die chilenischen Delegationsmitglieder sowie weitere Schriftsteller*innen aus Argentinien, Brasilien, Guatemala, Mexiko und Kolumbien das Wort, um in Panels aktuelle literarische und gesellschaftliche Fragen Lateinamerikas zu diskutieren.

Auch Rumänien, Ehrengast 2028, hat bereits ein Übersetzungs-Förderprogramm aufgelegt. Weitere Informationen gibt es beim Ehrengastfrühstück am 9. Oktober 2026 von 9.00-10.00 Uhr am Stand der Leseinsel der unabhängigen Verlage (Halle 3.0 C69).

Goldschmidt+: Übersetzer*innen im internationalen Austausch

Das Programm Goldschmidt+ richtet sich an ehemalige Teilnehmer*innen des renommierten Georges-Arthur-Goldschmidt-Programms für Literaturübersetzer*innen aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Österreich. Um im Beruf etablierten Übersetzer*innen eine kontinuierliche Weiterbildung zu bieten, vertieft das Format deren Kompetenzen, baut das internationale Netzwerk aus und rückt die Übersetzung ins Rampenlicht von Festivals und Buchmessen. Auf der Frankfurter Buchmesse 2026 sind die Teilnehmenden auf verschiedenen Fachpanels vertreten. Es geht unter anderem um die Übersetzung Emmanuel Carrères in verschiedene Sprachen, generative KI und Familienbiografien.
Mehr zu Goldschmidt +, Veranstaltungsübersicht siehe unten.

Prämierte Übersetzer*innen im Gespräch

Der internationale Aficionado Award ehrt jährlich wegweisende Initiativen und Organisationen, die die Publishing-Branche nachhaltig verändern. Er wird in Kooperation und mit Unterstützung der Frankfurter Buchmesse und des Salone Internazionale del Libro di Torino durchgeführt. Dass die Auszeichnung 2026 an das globale Übersetzungsprojekt Words Without Borders (Brooklyn, New York) geht, rückt zugleich die literarische Übersetzung auf die internationale Bühne: Das digitale Magazin veröffentlicht seit über zwanzig Jahren internationale Literatur in englischer Übersetzung und macht insbesondere indigene, vom Aussterben bedrohte und übersehene Sprachen zugänglich. Die Preisverleihung findet am Donnerstag, den 8. Oktober 2026, um 11.00 Uhr auf der Global Stage statt (Foyer Halle 5.1/6.1).
Mehr zum Aficionado Award

Weitere preisgekrönte Übersetzer*innen sind Teil des Messeprogramms: Vera Elisabeth Gerling erhält die Übersetzerbarke. Stefan Moster, Träger des Paul-Celan-Preises 2026, sowie Christian Hansen und Wiebke Stoldt, die mit dem Straelener Übersetzerpreis ausgezeichnet wurden, sprechen über Pioniergeist, langen Atem und die Finessen des Übersetzens.

Zentrum Wort: Literatur und Übersetzung auf der Bühne

Das Zentrum Wort (5.0 C115) ist auf der Frankfurter Buchmesse der zentrale Treffpunkt für literarische Übersetzung und Gegenwartsliteratur. Aktuelle deutschsprachige und internationale Literatur sowie übersetzerische Praxis können hier in aller Vielfalt erlebt werden. Gemeinsam gestaltet vom Deutschen Literaturfonds, dem Deutschen Übersetzerfonds und dem Verband deutschsprachiger Übersetzer/innen (VdÜ), bietet das Areal mit seiner Bühne und einer Networking-Area Raum für den fachlichen Austausch. Im Fokus stehen in diesem Jahr drängende Debatten der Branche – von den Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf das Urheberrecht bis hin zur Rolle des Übersetzens in geopolitischen Krisen. Mehr zum Zentrum Wort

Veranstaltungsübersicht (Auswahl, Änderungen vorbehalten)


Preisverleihungen und andere Veranstaltungen mit prämierten Übersetzer*innen

  • „Wir müssen uns Übersetzer*innen als glückliche Menschen vorstellen“: Ein Gespräch anlässlich der Verleihungen des Paul-Celan-Preises und der Straelener Übersetzerpreise 2026
    Mittwoch, 7. Oktober 2026, 16.00-17.00, Zentrum Wort, Halle 5.0 C115
    Mit: Christian Hansen, Stefan Moster, Wiebke Stoldt, Patricia Klobusiczky (Moderation)
  • Verleihung der Übersetzerbarke 2026 an Vera Elisabeth Gerling
    Mittwoch, 7. Oktober 2026, 17.00-18.00, Zentrum Wort, Halle 5.0 C115
  • Aficionado Award: Panel und Preisverleihung
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 11.00-11.30 Uhr, Global Stage, Foyer 5.1/6.1
    Mit: Elisabeth Jaquette (Executive Director von Words Without Borders), Tom Kraushaar (Klett-Cotta) und Erin Cox (Moderation, Frankfurter Buchmesse)

Veranstaltungen mit Teilnehmer*innen des Förderprogramms Goldschmidt+

  • Akzent: Übersetzung ins Rampenlicht
    Mittwoch, 7. Oktober 2026, 11.30-12.10 Uhr, OFF Bühne Schweiz, Halle 3.0 F86
    Mit: Catherine Schlumberger (Geschäftsführerin, Solothurner Literaturtage), Jörn Cambreleng (Direktor, ATLAS), Seid Serdarević (Lektor, Fraktura), Sula Textor (Moderation)
  • Erinnerung übersetzen – Familiengeschichten zwischen Schweigen, Archiv und Sprache
    Mittwoch, 7. Oktober 2026, 15.30-16.00 Uhr, Inspiration Stage, Halle 3.0 J34
    Mit: Sula Textor (Literaturübersetzerin, Goldschmidt+), Patrick Farges (Université Paris Cité) Bettina Sund (Moderation).
  • „Gott spielen“: Wie generative KI Sprache und Denken automatisiert, mit Social-Media-Beiträgen Kriege steuert, uns unmündig macht und was wir dagegen tun können
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 10.00-11.00 Uhr, Inspiration Stage, Halle 3.0 J34
    Mit: Nina George (Bestsellerautorin, Kommissarin für Politische Angelegenheiten des EWC), Hans Neubauer (Autor, Journalist), Claudia Hamm (Übersetzerin)
  • Schreiben und übersetzen
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 11.00-12.00 Uhr, Inspiration Stage, Halle 3.0 J34
    Mit: Julia Wolf (Autorin, Übersetzerin), Francesca Manfredi (Autorin, Übersetzerin), Veronika Islinger (Moderatorin)
  • Geschichte im Prisma der Sprachen: Emmanuel Carrères „Kolchose“ auf Italienisch, Englisch und Deutsch
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 12.00-13.00 Uhr, Inspiration Stage, Halle 3.0 J34
    Mit: Ena Marchi (Lektorin), John Lambert (Übersetzer), Claudia Hamm (Übersetzerin)

Veranstaltungen im Zentrum Wort, 5.0 C115

  • Böhmische Dörfer – Zeitgenössische Literatur aus Tschechien übersetzen
    Mittwoch, 7. Oktober 2026, 15.00-16.00 Uhr
    Mit: Mirko Kraetsch, Eva Profousová, Katharina Borchardt (Moderation)
  • Unterschreiben oder verlieren? KI-Training, Urheberrecht und faire Vergütung für Übersetzer*innen
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 11.00-12.00 Uhr
    Mit: Johanna Czerny, Philipp Diepmans, Elvira Iannone, Ricarda Essrich (Moderation)
  • Vermintes Gelände – Übersetzung im geopolitischen Spannungsfeld
    Freitag, 9. Oktober 2026, 14.00-15.00 Uhr
    Mit: Larissa Bender, Karin Betz, Christiane Körner Paul Ingendaay (Moderation)
  • Von Wikingern, Mord und Spice – Wie Genreübersetzungen entstehen
    Samstag, 10. Oktober 2026, 15.00-16.00 Uhr
    Mit: Freyja Melsted, Julia Schwenk, Justus Carl (Moderation)
  • Übersetzungen in der Öffentlichkeit: Vom Feuilleton zu BookTok
    Samstag, 10. Oktober 2026, 16.00–17.00 Uhr
    Mit: Jacqueline Mikol, Leyli Sahin, Lea Schneider Julia Rosche (Moderation)
  • Poetische Schwarmintelligenz: ein Übersetzungsexperiment
    Sonntag, 11. Oktober 2026, 12.00-13.00 Uhr
    Mit: Sven Koch, Leonie Nückell, Anna Eble (Moderation)
  • Übersetzung: Mensch oder Maschine? Finden Sie den Unterschied!
    Sonntag, 11. Oktober 2026, 14.00-15.00 Uhr
    Mit: Heide Franck, Andreas Jandl und Myriam Alfano

Veranstaltungen auf weiteren Bühnen

  • (M)other tongues: Workshop mit Ela zum Winkel
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 10.30-11.10 Uhr, OFF Bühne Schweiz, Halle 3.0 F86
    Mit: Ela zum Winkel (Literaturübersetzerin, Theaterschaffende)
  • Why Translation Funding Matters
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 11.00-12.00 Uhr, LatAm Stage, Halle 3.1 F70
    Mit: Cristina Varas Largo, Pavella Copolla Palacios, Claudia Cabrera, Soledad Lagos (Moderation). Sprache: Englisch
  • Wer überlebt im Literaturbetrieb? Urheberschaft für Übersetzer*innen
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 12.30-13.00 Uhr, Discovery Stage, Halle 5.0 C147
    Mit: Tong Yali (Lyrikerin, Klangpoetin, Literaturwissenschaftlerin, Übersetzerin)
  • Endlicher Spaß. Zur Kunst des Übersetzens
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 15.30-16.30 Uhr, Halle 3.0 D87
    Mit: Ulrich Blumenbach, Träger des Johann-Heinrich-Voß-Preises für Übersetzung 2026, und Daniel Göske, Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung
  • Translations and their Funding in Asia – Concepts, Demands and Ideas
    Freitag, 9. Oktober 2026, 14.30-16.00 Uhr, Asia Stage, Halle 5.1 A75
    Mit: Sabine Müller, Chanwoo Park, Charisse Aquino-Tugade, Elaine Ng
  • „Des Paradieses Töne“ – Arabische Lyrik in deutscher Sprache
    Freitag, 9. Okt. 2026, 17.00-18.00 Uhr, Dialogue Stage, Foyer Halle 4.0/4.1
    Mit: Stefan Weidner, Claudia Ott, Christian Junge (Moderation)
  • Translating Children’s Books
    Freitag, 9. Okt. 2026, 17.00-18.00 Uhr, LatAm Stage, Halle 3.1
    Mit: Paula Fernández, Maria José Ferrada, Mariana Warth, Paula Peretti (Moderation). Sprache: Englisch

Veranstaltungen im Ehrengast-Pavillon, Forum, Ebene 1

  • Europa übersetzen: Das ENLit-Netzwerk 
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 13.00-13.50 Uhr, Harbour Stage
    Mit: Izaskun Arretxe, Elise Vanoosthuyse und Eleonora di Blasio, Martin Krafl (Moderation). Sprache: Englisch
  • KI in der Übersetzungs- und Verlagsbranche: neue Studien von Humanaid und CEATL
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 14.00-14.50 Uhr, Harbour Stage
    Mit: Jiřina Šmejkalová, Lenka Pořízková, Francesca Novajra, Anna Luňáková (Moderation). Sprache: Englisch
  • ÜbersetzerInnen und ihre Rolle: VerlegerIn, AgentIn, OrganisatorIn, AktivistIn
    Mittwoch, 7. Okt. 2026, 15.30-16.20 Uhr, Shore Stage
    Mit: Veronika Siska, Susanna Räty, Julia Miesenböck, Jitka Hanušová (Moderation). Sprache: Englisch
  • Perlen auf dem Meeresgrund. Unübersetzt gebliebene Bücher der tschechischen Literatur.
    Donnerstag, 8. Oktober 2026, 11.150-12.00 Uhr, Shore Stage
    Mit: Susa Wolfrum (Moderation), Jana Krötzsch (Moderation). Sprache: Englisch

Die Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeyer zum Tag der Deutschen Einheit am 3.10.2026 in Bremen

| Lesebericht und nachgefragt: Volker Weiß, Das Deutsche Demokratische Reich. Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört | Lesebericht: Antonio Scurati, »Faschismus und Populismus« |


Beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen am 3.10.202 hielt Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeyer die Festrede:

Die Deutsche Einheit war ein Glücksmoment. Der Bundespräsidenten erinnerte an den Mut der Menschen von 1989 in Leipzig am 9. Oktober 1989 als 70.000 Menschen dafür sorgten, dass die Macht des Unrechts gebrochen wurde.

Er erinnerte auch daran, dass die Demokratie heute gefährdet ist und nannte für die aktuellen Probleme soziale und wirtschaftliche Unsicherheit, mangelnde Aufstiegschancen, Arbeitslosigkeit, unzureichende politische Repräsentation und die Folgen der Globalisierung.

F.-W. Steinmeyer: „Wir leben zur Zeit nicht in jener Welt der Zuversicht und der Hoffnung, aus der wir kommen. Viele von uns, und wahrlich nicht nur im Osten des Landes, zeigen sich in ihren Erwartungen enttäuscht. Die politische Realität bei uns zu Hause und in der Welt hat uns ihre harte und bittere Seite gezeigt.“Und er fügte hinzu: „Bald vier Jahrzehnte nach der Deutschen Einheit, nach vielfachen, ich glaube historisch beispiellosen Anstrengungen des Aufbauens und Erneuerns, erklären große Teile der Bürgerschaft ihr Misstrauen gegen die politische Ordnung der Bundesrepublik. Ich will nicht sagen, dass sie sich gegen die Demokratie an sich wenden. Aber, um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Ich halte jeden, der heute ein Wahlrecht genießt, das es in der Diktatur nicht gab, für berechtigt und mündig, selbst zu entscheiden. Jede Stimme zählt, jede ist ernst zu nehmen. Gerade deshalb können wir uns nicht um die Tatsache herumdrücken, dass ein Viertel, ein Drittel und mehr mit ihrer Wahlentscheidung bekunden, dass sie sich von wichtigen Grundrechten unserer Republik abwenden. Die Motive können individuell unterschiedlich sein. Ich glaube, niemand kennt sie allesamt. Doch bleibt es eine Tatsache: Wähler, die zu den Extremen gehen, pochen laut auf die eigenen Rechte, während sie bereit sind, die Rechte anderer zur Disposition zu stellen.

Die unerträgliche politische Demagogie extremistischer Kräfte, die eine Lust an der Zerstörung ausleben und andere Menschen verhöhnen und bedrohen, gefährdet heute nicht nur Freiheit und Demokratie. Sie gefährdet unsere Einheit.“

Heute gebe es Kritik an der politischen Streitkultur, die aber immer neu errungen werden muss: Soziale Medien hätten die öffentliche Debatte verändert: Desinformation, Verschwörungserzählungen, Bots und starke Emotionalisierung erschwerten einen sachlichen demokratischen Streit. Der Bundespräsident beschwor den Zusammenhalt und die Erfolge unserer demokratische Institutionen: Die Bundesrepublik habe trotz vieler Krisen große Erfolge erzielt. Rechtsstaat, Menschenrechte, demokratische Institutionen und die Fähigkeit zum Kompromiss seien zentrale Grundlagen, die geschützt werden müssten.

Das Vertrauen müsse zurückgewonnen werden: Deutschland benötigt wirtschaftliche Dynamik, Investitionen, Wachstum und Arbeit. Reformen seien notwendig, damit Menschen wieder stärker auf ihre eigene und die Zukunft ihrer Kinder vertrauen könnten.

Und schließlich sprach der Bundespräsident auch über Europe Europa, Frieden und Zukunft: Die internationale Krisen fordern eine Verbindung von militärischer Stärke und Diplomatie sowie ein starkes, vereintes Europa.

Der Wortlaut seiner Rede – Website des Bundespräsidneten

Die internationale Lage aus deutscher Sicht und die Reformen in Deutschland

| Lesebericht und nachgefragt: Volker Weiß, Das Deutsche Demokratische Reich. Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört | Lesebericht: Antonio Scurati, »Faschismus und Populismus« |


Bundeskanzler Friedrich Merz hätte in Berlin die gleiche Ansprache halten können, wie sie der französische Präsident am 18. September in Paris gehalten hat: > Emmanuel Macron : Situation internationale : réunion avec les chefs des partis – www.france-blog.info.

Der russische Angriff auf die Ukraine, die hybriden russischen Angriffe auf Europa, und die Folgen der Konflikte im Nahen Osten haben die Sicherheitslage und die Probleme für die Energieversorgung nicht nur in Europa sondern weltweit dramatisch verschärft. In dieser Situation gerät Bundeskanzler Merz immer mehr in die Kritik, gerade so, als sei er alleine für Entwicklung der Weltlage und mit seiner Regierung für die Steigerung der Spritpreise verantwortlich. Zudem wird ihm vorgeworfen, mit dem Sondervermögen vor Beginn der Sitzung des neuen Bundestages ein Wahlversprechen gebrochen zu haben. Hätte er nicht vorgesorgt, wäre ihm diese Unterlassung ebenso zur Last gelegt worden.

Die AfD verspricht ihren Wählern, die Unterstützung für die Ukraine einzustellen > Haltung der AfD zum Ukraine-Krieg stößt auf breiten Widerspruch 86. Sitzung vom 25.06.2026 – Website des Deutschen Bundestages und setzt damit die Sicherheit Europas aufs Spiel.

Die Kritik am Reformkurs der Bundesregierung hat sich in den Wahlkämpfen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, wo die CDU sogar aus dem Landtag geflogen ist, und in Berlin verschärft. Der Bundeskanzler kündigte am Wahlabend des 20. September sofort nach Schließung der Wahllokale an, an den anstehenden Reformen festhalten zu wollen. Zuerst wurde er für das Ausbleiben der Reformen kritisiert, auch nachdem die Gesundheitsreform schon unterwegs war, dann wird er für die Reformen kritisiert, auch dann, wenn diese noch gar nicht im Bundestag zur Debatte standen. Seine Kritiker wollen immer nur das Negative erkennen, kaum jemand von ihnen trägt etwas Konstruktives zum Diskussionsprozess bei und qualifiziert sich für eigene Regierungsarbeit. Alle Gegner lauern nur auf neuen Streit, wie Verhandlungen in der Koalition oft vorschnell bezeichnet werden. Man darf nicht vergessen, dass es um Reformen ging, um die Vorgängerregierungen einen großen Bogen gemacht haben, obwohl sie wussten, dass unsere Sozialsysteme auf große Probleme zusteuern.

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