Erinnerungen an die Hermann-Lietz-Schule auf Schloss Bieberstein

Drei Jahre lang als Französischlehrer während der Schuljahre 2022/2023 bis 2024/2025 auf Schloss Bieberstein in Hofbieber 16 km östlich von Fulda haben mir unvergessliche Erinnerungen beschert. Dort befindet sich ein Oberstufengymnasium der Hermann-Lietz-Stiftung, zu der auch die Schulen in Haubinda und Hohenwehrda gehören:

Hermann-Lietz-Schule Schloss Bieberstein

Auf das Stellenangebot eines Französischlehrers habe ich mich im Frühsommer 2022 dort beworben. Nachdem ich einiges über Hermann Lietz gelesen hatte, war ich neugierig geworden, ob ich dort tatsächlich sehen würde, wie die Lietz-Ideen dort in die Praxis umgesetzt wurden: Eine moderne Hermann-Lietz-Schule lautete mein Resümee nach frei Jahren.

Dr. Hermann Lietz war ein deutscher Reformpädagoge und Gründer der deutschen Landerziehungsheime….

Tatsächlich steht in den Internaten dieser Stiftung ganzheitliches Lernen mit Kopf, Herz und Hand im Mittelpunkt, wobei Gemeinschaft und Kommunikation eine zentrale Rolle spielen. Durch ein strukturiertes Orientierungs- und Coachingkonzept mit zusätzlichen Veranstaltungen wird soziale Verantwortung, Austausch und persönliche Haltung gefördert. Feste Rituale (das Klingeln beim Essen mit den Ansagen oder die Lernstunden oder die wöchentliche – weltliche – Kapelle mit vielen kulturellen Themen, Musik und Lesungen , klare Regeln und ein ausgewogenes Verhältnis von Lernen und Erholung schaffen einen sicheren Rahmen für individuelle Entfaltung. Selbständigkeit wird durch viele Aktivitäten ganz gezielt gefördert. Ein starkes internes und externes Netzwerk, der Verein der Altbürger bietet allen stündig neue Perspektiven.V ielfältige Angebote zur Berufs- und Studienorientierung unsere Schüler/innen nicht nur auf das Abitur, sondern auch auf ein selbstbestimmtes Leben vor.

PC: F 11 zeigt die Fotos über den ganzen Bildschirm. Mit einem Klick auf den rechten oder linken Bildrand des Fotos geht es vor oder zurück: 31 Fotos.

Schloss Bieberstein: Tor zum schlosshof. Blick auf den Sonnenaufgang

Auf der Website der Schule wird eine Führung durch die gesamte Schule angeboten. Außerdem gibt es auch ein Webcamera, mit der man vom Schloss rund in das Land sehen kann: Die Schule sagt, wir bieten unseren Schülern den Blick ins Leben.

> Stellenangebote auf Schloss Bieberstein

Viele Schüler/innen lernen diese Hermann-Lietz-Schule durch ein Probewohnen kennen. Zwei/drei Tage nehmen sie am Internats-und Schulleben teil, wohnen dabei auch gleich in einer der Internatsfamilien und können sich dann entscheiden, ob sie dort oben lernen wohnen wolllen.

Schule auf Reisen lautet die Überschrift einer Seite auf der Website der Schule: Die 10. Klasse Gymnasium mit dem Schwerpunkt „10G Learn & Travel“ vermittelt wirtschaftliche, soziale, sprachliche und kulturelle Kernkompetenzen und bereitet gezielt auf die gymnasiale Oberstufe sowie die spätere Studien- und Berufswahl vor. Ergänzend zum regulären Unterricht nehmen die Schüler:innen an drei mehrwöchigen Auslandsreisen nach Italien, Ägypten und in die USA teil, die ganzheitliches Lernen durch direkte kulturelle Erfahrungen ermöglichen. Eine umfassende Berufs- und Studienorientierung mit Praxistagen, Betriebsbesichtigungen, Bewerbungstraining und Mitarbeit in schuleigenen Schülerbetrieben unterstützt die individuelle Stärkenentwicklung. Darüber hinaus fördern das Curriculum und das Internatsleben selbstständiges Arbeiten, Medienkompetenz sowie soziale und persönliche Fähigkeiten wie Verantwortungsbewusstsein und Selbstsicherheit.

Die Schüler/innen in E-International können in der Einführungsphase das erste Schulhalbjahr weltweit im Ausland zu verbringen und dabei Unterricht nach hessischem Lehrplan mit erlebnisorientiertem Lernen zu verbinden. Der Unterricht wird digital organisiert und durch Videounterricht, Lernplattformen sowie eine enge Begleitung durch Lehrkräfte und Coaches unterstützt, wobei Selbstständigkeit und Medienkompetenz im Mittelpunkt stehen. Die Zielländer sind gezielt so gewählt, dass ihre kulturellen, historischen, wirtschaftlichen und ökologischen Besonderheiten optimal zu den Unterrichtsinhalten passen. Das Programm fördert praxisnahes Lernen, Teamarbeit und Persönlichkeitsentwicklung und steht neben Bieberstein-Schüler:innen auch externen Bewerber/innen aus ganz Deutschland offen.

> Hermann-Lietz-Schule Schloss Bieberstein

Und danach der Unterricht in Schulpforta.

www.deutschland-blog.info

french german 

Mit dem Intercity-Doppeldecker durch das Rheintal von Mainz nach Koblenz

french german 

Mehr dazu:

> Welterbe Oberes Mittelrheintal

> UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Ort des Austausches und Handels im Zentrum Europas

Lesebericht und Nachgefragt: Kolja Reichert, Kann ich das auch? 50 Fragen an die Kunst

Wann waren Sie das letzte Mal in einem Museum und haben sich auf eine Bank vor ein Gemälde gesetzt? Und das Kunstwerk einfach mal so auf Sie wirken lassen? Sie leihen sich doch auch hoffentlich immer einen Audio-Guide? Das rät Ihnen Kolja Reichert: Kann ich das auch? 50 Fragen an die Kunst. Aber wenn das Gerät mit seinen Erklärungen fertig ist, dann fangen Sie mit Ihren Fragen an und entdecken das Werk vor Ihnen noch einmal ganz neu. Dabei können Sie ruhig Zwiesprache mit dem Audioguide halten, widersprechen Sie ihm, kommen Sie auf eine ganz andere Interpretation des Werkes. Mit Ihrer Gegenrede kommen sie der Kunst auf die Spur.

Kolja Reichert stellt 50 Fragen an die Kunst; und erklärt uns, was Kunst bedeutet, was sie kann, worauf es bei ihr ankommt, wie man über Kunst sprechen kann, warum die Kunst immer ein Veränderungspotential enthält, für uns alle, für die Welt und wie der Kunstmarkt funktioniert, welche Unterschiede es zwischen einem Museum und einer Galerie gibt, warum man über Geschmack streiten muss und wie man ein Kunstwerk erkennt, und überhaupt, wie Künstler Erfolg haben und warum ein Flaschenständer es ins Museum schaffen kann.

50 Fragen und ich habe beim Lesen 61 Gedanken gezählt – durchnummeriert -, mit denen Reichert Kunst definiert. Unbescheiden ist er nicht. Reichert wollte ein Buch schreiben, „ein Buch, das so einfach ist, dass noch kein Experte drauf kam es zu schreiben,“ (S. 10) und dass ist ihm in vorzüglicher Weise gelungen. Er will zeigen, dass Kunst etwas Konkretes ist, über das jeder sprechen kann,“ (S. 11).

Kunst betrifft uns alle, wendet sich an alle und interpretiert alle Lebensbereiche, wir müssen nur zuhören, zusehen, mitmachen, indem wir uns mit der Kunst beschäftigen. Kunst ist ein Prozess, der von der Auseinandersetzung zwischen den Künstlern und uns allen besteht. Diesen Prozess hat Reichert durchleuchtet und zeigt uns jeden seiner Facetten auf und legt uns eine, ja aufregende Aufforderung vor, sogleich in das nächste Museum zu eilen, oder öffnet uns die Augen für die Kunst, die uns überall begegnet: eine perfekte Anleitung für jeden Museumsbesuch und weit darüber hinaus.

Was ist Kunst, was bewirkt sie? Was kann man daraus machen? Welchen Sinn hat sie, bewirkt sie etwas, gibt es Kriterien für gute Kunst? Gibt es schlechte oder böse Kunst? Warum soll man sich überhaupt mit Kunst beschäftigen? Wie gesagt, ich habe die wichtigsten Elemente für eine Definition der Kunst in diesem Buch durchnummeriert und D1 : „Je mehr Kunst ich gesehen habe, desto reicher wurde auch die Welt um mich herum.“ (S. 15)

Das ganze Buch erklärt die Wirkung, die Aufgaben, die Faszination der Kunst: Und dann dieser Satz „Ich glaube nicht, dass Kunstwerke etwas bedeuten.“ (S. 41) Stellt Reichert sein ganzes Buch in Frage? Keineswegs, denn „Für mich liegt die Bedeutung des Bildes in jedem einzelnen Punkt.“ (S. 42) So ist es! Man denke nur an Sartre, wie er die Gemälde Tintorettos betrachtet: erst durch jede einzelne Bewegung auf dem Bild entsteht dieser Sog, der unsere Augenmuskeln anspannt und das Bild zu einer Theaterszene macht, die sich vor unseren Augen abspielt.

„Kunstwerke brechen aus diesen Gewohnheiten aus,“ das ist auch das Kriterium, dass Sartre an die Werke anlegt, deren Künstler er Porträtstudien gewidmet hat. Sie haben alle für ihre Zeit etwas grundsätzlich Neues gemacht. Nun, das kann man von vielen anderen Künstlern auch sagen. In dem sie etwas Neues erdenken (Reichert: „Regelbrecher“ S. 59), präsentieren, etwas worauf noch niemand gekommen ist, bringen sie etwas Neues in die Welt, eine Neue Sicht, Kunst verändert und Kunst hat wie die Literatur eine Kraft der Vorhersage: „Man könnte sagen, dass jedes gelungen Kunstwerk seine eigene Sprache erfindet.“ Und Reichert denkt dabei an Ludwig Wittgenstein.

Die Wirkung und das Potential der Kunst fasst Reichert so beeindruckend präzise in einem Satz zusammen: „In jedem Kunstwerk kommuniziert also ein Mensch mit anderen, und sei es über den Umweg von Jahrtausenden.“ (S. 54) Rezeptionsästhetik in einem Satz!

Glück? Kann man vor einem Kunstwerk Glück empfinden? Ja. (vgl. S. 63 f.)

Kunst: „In uns wird etwas umprogrammiert.“ (S. 66) Sie müssen gar nicht erst ein Kunstwerk klauen (28: Lohnt sich Kunstraub?), denn man verlässt jedes Museum auch ohne Diebstahl viel reicher, als wie man es betreten hat. Kunst eröffnet uns neue Perspektiven, macht uns reicher und weist neue Wege. Kunst sei teuer? Haben Sie schon mal ein Kunstwerk ausgeliehen? Leasing? (vgl. S. 67)

Jetzt kommt ein Gedanke, der an das Innere der Definition der Kunst pocht, zwar geht es hier um Sätze in der Kunst, aber dennoch, „Sätze in der Kunst funktionieren umso besser, je mehr sie dem Betrachter überlassen, was er aus ihnen macht.“ (S. 83) Das ist die Kernbemerkung über die Kunst hinsichtlich ihrer Qualität, ihres Appells an uns alle, hinsichtlich ihrer Wirkung, denn je weiter wir über das Kunstwerk, hinausgehen können, sozusagen, der Anstoß, mit dem das Kunstwerk uns weiterbefördert, umso besser ist das Kunstwerk: Wittmann, Sartre und die Kunst, Tübingen 1996, S. 181.

Kann man Kunst lernen? Sicher es gibt Kunstakademien und Kunsthochschulen. Reichert bleibt aber sehr zu Recht skeptisch, denn die Lehrenden, die „diese Aufbrüche ins Unbekannte“ (S. 109) ihrer Schüler wirklich fördern wollen, seien rar gesät.

Reichert kommt immer wieder unter ganz verschiedene Fragestellungen auf die Qualität der Kunst zurück. Das ist die Dauerfrage in seinem Buch. Ein gelungenes Kunstwerk, was macht das? Es stellt seine eigenen Regeln auf. (S. 111) Und es sind nur diese Regeln, die für dieses Kunstwerk gelten. (S. 115) Kann man etwas als Kunst erkennen? „Mehr als ein Mensch muss der Auffassung sein, dass es sich um ein Kunstwerk handelt.“ (S. 163) Und dann folgt die Bestätigung für alles, was bisher in diesem Lesebericht gesagt wurde: „Wenn es aber gut ist, dann gibt es diese Rückstoßwirkung: Klarheit für den Geist, Feuer für die Fantasie, Vertrauen in die Menschheit.“

Kolja Reichert schrieb für alle maßgeblichen deutschen Zeitungen und Kunstmagazine und war auch Kunstredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und deren Sonntagszeitung. 2012 erhielt er den Preis für Kunstkritik der deutschen Kunstvereine und der Art Cologne, 2018 den Will-Grohmann-Preis der Akademie der Künste Berlin. Seit 2021 ist er Programmkurator für Diskurs an der Bundeskunsthalle in Bonn. Seit 2024 ist er Chefkurator von K21 in der Kunstsammlung in Düsseldorf.

Kolja Reichert
> Kann ich das auch?50 Fragen an die Kunst
Suttgart: Klett-Cotta 2024
ISBN: 978-3-608-98796-6

Lesebericht: Dana Buchzik, The Power of No

Der Untertitel des Buches von Dana Buchzik „Warum wir unbequem werden müssen“ enthält eine unmissverständliche Aufforderung. Es geht um Grenzen im Alltag und wie man sie einhält – was vor allem an uns selbst liegt! – und wenn wir sie einfordern, kann es passieren, dass wir anderen unbequem erscheinen.

Wie schnell werden Grenzen überschritten: Mal kommt jemand einer Kollegin ungebührlich nahe, mal ist es ein Freund, der sich im Plauderton mit seiner Nähe zur AfD brüstet, oder ein Bekannter, der gerade jetzt unbedingt unsere Aufmerksamkeit haben will, oder ein Arbeitskollege, der kurz vor Büroschluss mit einem Riesenproblem um die Ecke kommt, das er alleine nicht lösen kann/will. Oder es ist die Versuchung, sich für Dinge zu entschuldigen… eigentlich nur, um anderen zu gefallen. Das löst oft einen Teufelskreis aus, der zu Angst und Hilflosigkeit führen kann. Die Chance zur authentischen Kommunikation wird verpasst, das Vertrauen über kurz oder lang erschüttert.

In diesen Beispielen geht es immer um Grenzverletzungen: In der Familie, in der Partnerschaft, am Arbeitsplatz, in der Politik. Dana Buchzik erklärt ihren Lesern, warum es notwendig ist, Grenzüberschreitungen frühzeitig zu erkennen. Dass es oft schwer ist, Nein zu sagen, bezweifelt sie nicht. Allzu oft werden wir um einen kleinen Gefallen gebeten, etwas noch schnell zu erledigen, obwohl es uns gar nicht in den Kram passt. Manchmal setzen unsere Zeitgenossen raffinierte Techniken ein, Buchzik nennt sie Manipulation, um unsere Entscheidungen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Wir lassen uns darauf ein, geben unsere Grenzen auf – mit allen negativen Folgen.

„Gesunde Grenzen sind kein Kontrollinstrument, sondern ein soziales Bindemittel.“ (S. 18) Das ist der Leitgedanke ihres Buches. Nur durch das Respektieren von Grenzen, sie nennt es auch Respekt vor dem Anderen, kann ein gedeihliches Miteinander entstehen. Respekt bedeutet dabei keineswegs Selbstaufgabe, wie sie im Kapitel „Die Grenzen des Sagbaren: Wie ehrlich dürfen wir sein?“ (S. 56 ff.) erläutert. Übermäßige Kontrolle oder gar Zwang in der Familie tragen nicht dazu bei, dass Kinder die so notwendige Selbstständigkeit verinnerlichen können. Gelingt es ihnen aber, Ehrlichkeit und Offenheit zu lernen, werden sie auch in der Lage sein, eigenständige Entscheidungen zu treffen und anderen Grenzen zu setzen.
Praktische Teile ergänzen jedes Kapitel in diesem Band. So zeigt zum Beispiel „Grundlegende Beziehungsarbeit in der (Wahl-)Familie“, wie man „auf Augenhöhe über Politik diskutieren“ kann.

Bestandsaufnahme, Zielsetzung, Motivation, gute Fragen, Zweifel zulassen, Empathie sind die Stichworte und Regeln dafür, auf deren Einhaltung man durchaus bestehen kann. Das gilt aber nicht nur für die Familie „Auch unsere Freundschaften brauchen Beziehungsarbeit“: S. 80-84. Das 3. Kapitel „Das ultimative Versprechen? Über Liebe und Grenzenlosigkeit“: Im Kern geht es hier um die „Gratwanderung zwischen Nähe und Distanz“ (vgl. S. 112-114) in Anlehnung an Arthur Schopenhauers Parabel Die Stachelschweine (1831). Je näher, desto schmerzhafter … Zielorientiertes Streiten ist hier das Thema und Dana Buchzik erläutert, wie toxische Kommunikationsmuster zur Abwertung des Gegenübers und zu noch mehr Streit und schließlich zur Trennung führen. Dazu gibt es wieder wertvolle Tipps im Praxisteil: „Erwartungen und Verhaltensmuster reflektieren“ und „Gemeinsam planen statt einsam explodieren“ und ganz bewusst „Das bisherige Verhaltensmuster zum gemeinsamen Feind erklären“ (S. 126 f.)

Mehr noch als Partnerschaften und ihre Probleme sind es die Unwägbarkeiten der Arbeitswelt aller Art zwischen Karriere und Mobbing, die uns herausfordern Diese Überschrift bringt es auf den Punkt: „Billige versus teure Bitten“ (S. 154 ff.) Hinzu kommt „Die hohe Kunst des Feedbacks“ (S. 169-173), das eine Fülle von Stolpersteinen für alle Seiten bereithält, ein wahres Eldorado für Grenzverletzungen aller Art. Ein Hin und Her zwischen Wertschätzung, Coaching und Evaluation. Und auch hier folgt ein Praxisteil, der diesmal vom Ideendieb über den Kontrolletti bis zu den Tratschtanten alle Typen unter die Lupe nimmt und wertvolle Tipps bereithält.

In zwei weiteren Abschnitten geht es um die politische Kommunikation, in der die bereits vorgestellten Manipulatoren in ganz besonderer Weise eingesetzt werden und die unter anderem zum Aufstieg der AfD beigetragen haben. Mit den Feinden der Demokratie können nicht alle Regeln des Dialogs eingehalten werden: vgl. S. 193. Dann nennt Buchzik Faktoren wie Menschenfeindlichkeit, Ausgrenzung, Hass auf Migranten, Antifeminismus und Remigration, die zu einer Radikalisierung führen, wenn Grenzen nicht respektiert werden. Bedauerlich sei, „wie demokratische Parteien und Medien die AfD stärken“, indem sie Feindbilder übernahmen und deren Sprache verharmlosten. Gleichzeitig wird ihrer Dämonisierung Vorschub geleistet, was letztlich wieder der AfD nützt. Grenzziehungen und klare Ansagen kommen auch hier zu kurz.

Vor Fake News schütze nur emotionale Intelligenz und Buchzik empfiehlt kognitive Empathie, Raum für Zweifel, Werte statt Fakten und Emotionsregulation. All das helfe, einen kühlen Kopf zu bewahren. Diese Anmerkungen zielen auch auf Buchziks Aufforderung: „Wir müssen lernen zu unterschieden, wann es lediglich um eine klare Abgrenzung geht und wann und mit wem sich eine Diskussion lohnt.“ (S. 292) Voraussetzung dafür ist die eigene Sicherheit, die auch auf Grenzziehungen beruht. Und einen Raum zu behaupten, in dem wir „Faschisten, die sich an keine Regeln halten und nur menschenverachtende Parolen von sich geben, den Zutritt verweigern“. (ib.) Und im letzten Satz bringt Buchzik ihr Anliegen auf den Punkt: „Indem wir uns erinnern, dass eine offene Gesellschaft vom Widerspruch und Streit lebt, werden wir frei, unbequem zu sein.“ (ib.)

Dana Buchzik
> The Power of No
Warum wir endlich unbequem werden müssen
Erscheinungstermin, Klett-Cotta  8.3.2025,
ISBN: 978-3-608-96640-4

Lesebericht: Nicole Strüber, Unser soziales Gehirn. Warum wir mehr Miteinander brauchen


Oxytocin steht im Mittelpunkt dieses Buches. Es wird von unserem Gehirn, von seinem sozialen Teil, ausgeschüttet, wenn wir berührt oder umarmt werden oder wenn wir vertrauliche Gespräche führen, die das Miteinander pflegen. (Vgl. S. 12) Fehlt dieses Miteinander schlägt dieses Manko aufs Gemüt, Vertrauen nimmt ab, das Wohlbefinden verschlechtert sich und die Synchronisation mit anderen wird immer schwieriger, Kommunikation und Kooperation leiden darunter, genauso wie die Empathie abhandenkommt.
Die Neurologin Nicole Strüber erklärt mit ihrem Band «Unser soziales Gehirn» die Biochemie des Miteinanders, dessen Baustoffe Oxytocin und Dopamin zugunsten des „Wollens“, und Opiode, die mit „Mögen“ und „Genießen“ zusammenhängen, unser Miteinander beeinflussen und steuern. In jedem Kapitel erklärt die Autorin Grundlagen und Auswirkungen einzelner Facetten des Miteinanders und ergänzt sie regelmäßig durch Abschnitte AUS DER FORSCHUNG. Auf diese Weise wird ihr Band zu einem illustrierten Lehrbuch. Wissenschaftliche Abschnitte werden durch allgemeinverständliche Berichte über soziale Beziehungen jeder Art ergänzt.

Es ist etwas ungewohnt, von „Synchronität im Miteinander“ (S. 31-58!) zu hören. Dahinter steckt der Chamäleon-Effekt (S. 32 f.). Die Erklärungen, die dann folgen, gehen weit über die bekannte Feststellung, mit jemandem auf gleicher Wellenlänge zu sein, hinaus. Strüber beschreibt, was man aktiv für ein erfolgreiches Miteinander tun kann. Wissenschaftler haben eine vermehrte Ausschüttung von Oxytocin in solchen Situationen beobachtet. Sich aktiv für soziale Kommunikation einzusetzen ist wichtig, deshalb bekommt dieses Kapitel am Anfang dieses Buches einen so großen Raum.

Und dennoch ist Strüber sich sehr wohl über die persönlichen Unterschiede im Miteinander bewusst und erklärt verschiedene Bindungsmodelle, die schon in Unterschieden im elterlichen Verhalten angelegt sind und durch sie geprägt sein können. Empathie ist das zentrale Stichwort. Aber Mitgefühl Stress und sogar Burnout liegen dicht nebeneinander und dadurch wird ein kompliziertes Beziehungsgeflecht erkennbar, das wenn die Synchronität nicht funktioniert, zur Belastung werden kann. Es kann aus dem Takt geraten, Gefühle werden nicht mehr beherrscht, Mitgefühl wird dann zur Belastung. Wie reagiert die Forschung auf solche Beobachtungen? Das Stichwort „Gefühlsregulation“ (vgl. S. 106) ist noch nicht die Lösung, deutet aber an, das mit bestimmten Techniken dem Stress sehr wohl begegnet werden kann.

Am Ende des ersten Teils hat der Leser alle Grundlagen, um die Beziehungen in einer Gruppe mit den Stichworten Zusammenhalt, Konflikt und Vorurteile richtig bewerten und einordnen zu können. Gruppenkonflikte können beschrieben, verstanden und einer Lösung angenähert werden. Das 8. Kapitel „Die Gruppe im Miteinander – vorbereitet auf Abgrenzung?“ ist besonders gut gelungen, weil hier die Einflussmöglichkeiten der einzelnen Mitglieder sowie die Bedeutung von Oxytocin im Gruppenrahmen verständlich beschrieben werden.

Dann folgt ein zweiter Teil, eigentlich ein zweites Buch mit dem Titel „Wo das Gehirn das Miteinander braucht“. Hier werden nacheinander alle Lebensstationen abgehandelt, von der Geburt, über das Aufwachsen in der Familie, Krippe, Kita, Schule, die Wahl der Partnerschaft, die Beziehungen zu Freunden, das Miteinander in der Arbeitswelt, in den Kulturen, die Beziehungen zu Ärzten, und schließlich das Lebensende. Im Zentrum all dieser Überlegungen steht immer wieder die Bindungsforschung, das Bewerten von Bindungen, das Beobachten von Defiziten und die Ansätze zu ihrer Verbesserung. Die Kapitel in diesem zweiten Teil wirken wie ein praktisches Training nach dem theoretischen ersten Teil dieses Buches. Dazu kommt die gelungene Aufteilung wie z. B. das Kapitel 13 „Zusammen glücklich – Miteinander in der Partnerschaft“, das dieses Thema mit Abschnitten AUS DER FORSCHUNG ergänzt und dann folgt immer ein Abschnitt „Unsere Welt!“, in dem die heutige Realität untersucht und bewertet wird. Heute hat sich das Smartphone in die Partnerschaft eingeschlichen. Der Partner will Aufmerksamkeit haben und das Smartphone klingelt oder piept: neudeutsch „Technoferenz“ oder „Ich habe vergessen, es auszuschalten…“ und schon ist der Streit vorprogrammiert… oder wie oft beobachtet man den Griff zum Smartphone. Die Zeitgenossen gucken bloß aus Gewohnheit auf das Display, um nur nichts zu verpassen, und nur in den seltensten Fällen wollen sie etwas ganz Bestimmtes nachschlagen. Die Aufmerksamkeitsökonomie hat sie fest im Griff. Oder sie haben Knöpfe im Ohr, schauen teilnahmslos durch ihre Mitmenschen hindurch. In solchen Momenten klappt die Synchronisation natürlich nicht. Man könnte dieses Thema aufgrund der Anregungen von Nicole Strüber noch viel weiter ausführen und schnell feststellen das die sozialen Netzwerke, sozial nur nach ihrem Namen sind, mit sozialen Formen gar nichts zu tun haben, denn die Kommunikation über sie verursacht allenfalls Stress, Hektik und Missverständnisse – mit einem Miteinander, wie Nicole Strüber das so eindrucksvoll in ihrem Buch beschriebt, hat das alles nun wahrlich nichts zu tun.

Immer hin es gibt einen Trost, den Strüber so beschreibt: „Erkenntnisse der Psychotherapieforschung legen nahe, dass uns das Oxytocin nicht nur in schönen und harmonischen Situationen begleitet, sondern insbesondere auch in Konfliktsituationen ausgeschüttet wird. Es hilft uns, auch in Situationen des Konfliktes von dessen Wirkungen zu profitieren und das Vertrauen in den anderen und die Bindung aufrechtzuerhalten.“ (S. 239)

Nicole Strüber
> Unser soziales GehirnWarum wir mehr Miteinander brauchen
Stuttgart, Klett-Cotta 2024
ISBN: 978-3-608-96621-3

Lesebericht: Lesebericht: Hans Erhard Lessing, Das Fahrrad. Eine Kulturgeschichte

Hans-Erhard Lessing erzählt mit seinem Buch > Das Fahrrad. Eine Kulturgeschichte eine 200-jährige Erfolgsgeschichte. 12–14 Milliarden Fahrräder wurden seither weltweit gebaut und rund 72 Millionen gibt es allein in Deutschland. Hans-Erhard Lessing kommt aus Schwäbisch Gmünd. Er ist Physiker, Technikhistoriker und ein weltweit führender Fahrradexperte. Er machte schon 2000 auf den Zusammenhang zwischen der Zweiraderfindung und der Klimakatastrophe von 1816/17 aufmerksam: Hans-Erhard Lessing: What led to the invention of the early bicycle? In: Cycle History, 11, San Francisco 2000, S. 28–36.

Es war ein weiter Weg von der Draisine Karl Drais‘ (1785-1851) > www.karldrais.de bis zu den heutigen leichten Klappelektorädern. Ein jahrzehntelanger Kampf um Patente und immer waren es pfiffige Erfinder, die das Fahrrad auf die Zielgerade schickten. 1866 kam die Kurbel am Vorderrad dazu. Soziale Spannungen gab es beim Draisinieren schon damals: schnell und unbemerkt von einem zum anderen Ort. Nur ein Vorteil für die Männer?

Immerhin, Bremsen gab es auch damals schon. Aber lizenzfreie Nachbauten, die sich an Stichen orientierten, ‚vergaßen‘ oder übersahen die Bremsen, weil sie in den Herstellerprospekten hinter dem Bein des Fahrers versteckt waren. Schon 1817 war das Radeln auf den Bürgersteigen in Mannheim verboten worden. Und heute?

StVO, § 2 Absatz 5 Stand: Dezember 2016

„(5) Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen, Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen mit Fahrrädern Gehwege benutzen. Ist ein baulich von der Fahrbahn getrennter Radweg vorhanden, so dürfen abweichend von Satz 1 Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr auch diesen Radweg benutzen. Soweit ein Kind bis zum vollendeten achten Lebensjahr von einer geeigneten Aufsichtsperson begleitet wird, darf diese Aufsichtsperson für die Dauer der Begleitung den Gehweg ebenfalls mit dem Fahrrad benutzen; eine Aufsichtsperson ist insbesondere geeignet, wenn diese mindestens 16 Jahre alt ist. Auf zu Fuß Gehende ist besondere Rücksicht zu nehmen. Der Fußgängerverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Soweit erforderlich, muss die Geschwindigkeit an den Fußgängerverkehr angepasst werden. Wird vor dem Überqueren einer Fahrbahn ein Gehweg benutzt, müssen die Kinder und die diese begleitende Aufsichtsperson absteigen.“

Auf unserem Frankreich-Blog > Fahrradfahren in Paris und in Frankreich – 13. Januar 2020

Pedalkurbeln, so erklärt Lessing, sei ein heißes Thema der Radfahrgeschichtsforschung. Balancieren und gleichzeitig Pedaltreten! Dann kam das Drahtspeichenrad hinzu und wurde bald unter Ausnutzung aller möglichen physikalischen Gesetze als Tangentialspeichenrad (S. 103) verfeinert. Wer hoch fährt, kann tief fallen, also kam man wieder auf Normalmaß. Das Verdeutschungs-Wörterbuch von Otto Sarrazin ersetzte 1886 Bicycle durch Fahrrad oder noch Zweirad. Was fehlt noch? Die Reifen. John Boyd Dunlop (1840-1921) entwickelte die pneumatischen Gummireifen, von denen auch die Autos profitierten.

Lessing stützt sich auf eine profunde Kenntnis der Literatur, die die Entwicklung des Zweirades begleitet und mit vorangetrieben hat: Louis Baudry de Saunier, Pierre Giffard, > Le Cyclisme théorique et pratique Paris 1891, Nachdruck: BnF collection ebooks, 03.07.2015 – 574 Seiten oder von Gustav Steinmann, > Das Velocipede: seine Geschichte, Construction, Gebrauch und Verbreitung, Weber, Leipzig 1870 – 91 Seiten. Oder E. Bertz, > Philosophie Des Fahrrads, 1900, Nachdruck, 1984.

Heute birgt das Zweirad weiterhin ein enormes Potenzial zur Regulierung des Individualverkehrs, sobald ihm angemessene Verkehrsräume und die Rücksicht der Vierradfahrer sicher sind. Statt Fahrradgipfel gibt es bei uns Dieselgipfel, wo die Schadstoffreduzierung per Software versprochen wird, wo doch gerade die Autoindustrie schon per Software den Behörden jahrelang angeblich saubere Motoren untergejubelt hat.

Mit dem Radeln bis zum Opernhaus ist es schon seit vielen Jahren vorbei. Was waren das für unbeschwerte Sommertage im letzten Jahrhundert, als man noch von Cannstatt durch die grüne Lunge bis zum Opernhaus radeln konnte! Lessings Buch gibt die Freude am unbeschwerten Radeln zurück. Aber die Verkehrsplaner in vielen unserer Städte tun nur so, als hätten sie schon mal ein Fahrrad gesehen oder sie übertreiben gleich und reservieren eine ganze Spur für Fahrradfahrer, die dort nie fahren.

Aber mit dem Buch von Lessings Fahrradgeschichte könnten Stadtplaner viel lernen, denn es kann ihnen lehren, wie Politik ihren Beitrag für fröhliches Radeln schaffen könnte. Die Techniker übernehmen die Entwicklung bis hin zum E-Bike, die Politiker sorgen für den Verkehrsrahmen, aber nicht so wie auf dem > Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt, wo jeder Verkehrsteilnehmer ständig den ihm zugewiesenen Raum benutzen muss, aber die Radler bei der Konzeption des Platzes vergessen wurden. Aber die müssten auch das Ihre dazu tun, denn kaum einer von ihnen respektiert rote Ampeln und auf den Bürgersteigen radeln sie, weil die Autofahrer alles tun, um sie mehr oder weniger geschickt von der Fahrbahn zu verdrängen.

A propo parkende Autos: Wie wäre es, wenn der Griff zum Öffnen sofort den Warnblinker an der Seite der Tür aktivieren würde, dann würden Radfahrer merken, da reißt gleich jemand die Türe auf? Oder welche technischen Vorrichtungen müssen eingebaut werden, um die Gefahren des toten Winkels beim Abbiegen zu vermeiden?

Aber Lessings Fahrradbuch ist sehr gelungen, ich eile gleich in den Keller, hole mein Fahrrad und radle in den Kurpark.

Hans-Erhard Lessing
> Das Fahrrad
Eine Kulturgeschichte
Stuttgart, Klett-Cotta, 2. Druckaufl., 2025
ISBN: 978-3-608-98872-7

Lesebericht: Patrick Bahners, »Die Wiederkehr Die AfD und der neue deutsche Nationalismus«

Verfasst am 4.8.2023 für die Website von Klett-Cotta:

Gerade melden die Agenturen die AfD liege mit nahezu 20 % in den Meinungsumfragen gleichauf mit der SPD. Erst vor kurzem hat Maximilian Krah, der gerade gekürte Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl, für die EU eine „Transformation in einen Bund der Vaterländer“ vorgeschlagen: Das klingt nach de Gaulle und das mit seinem Namen so oft verknüpfte „Europa der Vaterländer“ (Frankreich-Blog), was er vehement und aus gutem Grund abgelehnt hat.

Dem Vernehmen nach, habe die missglückte Debatte um das Heizungsgesetz und ein gewisses Misstrauen in die Politik der Ampel-Koalition diesen Aufschwung der AfD begünstigt. So einfach liegen die Dinge aber nicht, man muss schon viel genauer hinsehen, um die Gunst der Wähler zugunsten der AfD und die Entstehung des neuen Nationalismus in und mit der AfD zu analysieren. Außerdem muss auch der Populismus der AfD, Probleme ansprechen, aufbauschen und einfache Lösungen vorschlagen, in den Blick genommen, bewertet und erklärt werden. In einer ausführlich belegten Dokumentation mit vielen Beispielen untersucht Patrick Bahners die Gründung und die Entwicklung der AfD seit ihrer Gründung vor 10 Jahren. Ihre Wahlerfolge in den Ländern und im Bund zeigen, dass der deutsche Nationalismus wieder da ist, den man eigentlich 1990 für überwunden hielt.

In der Einleitung zu seinem Band »Die Wiederkehr« mit dem Untertitel »Die AfD und der neue deutsche Nationalismus« erinnert Bahners an die missglückte Wahl Thomas Kemmerichs in Thüringen zum Ministerpräsidenten. Nach der Verfassung waren alle Regeln eingehalten wurden. Politisch missglückt war die Wahl dennoch, weil Kemmerich offenkundig mit Hilfe der AfD Bodo Ramelow mit einer Stimme Vorsprung besiegt hatte: Vgl. Testfall Thüringen S. 235-322: 5. Februar 2020 13:27: 19 bange Sekunden benötigte Kemmerich, um sich zu sammeln und bis er die Frage, ob er die Wahl annehme, mit Ja beantwortete. Worüber er wohl nachgedacht hatte? Über die Folgen? Mit Hilfe der AfD gewählt zu werden? Wie auch immer, ein Tabu war gebrochen worden. Von der Gnade der AfD zu leben, um regieren zu dürfen, das will sich eigentlich niemand zumuten müssen.

„Der Nationalismus ist wieder eine politische Kraft in Deutschland,“ heißt es auf der ersten Seite der Einleitung „Die gefährdete Republik“. Die Krise der Demokratie, die Flüchtlingsbewegung des Sommers 2015, eine Enttäuschung über die Parteien, die im Bund und in den Ländern die Regierung und die Opposition stellen, die Betonung des Volkes, seine Selbstbestimmung, wie auch die Fundamentalopposition gegenüber den anderen Parteien gehören zu Programm der AfD, wozu auch ihre Radikalisierung zu zählen ist.

Bahners will hier herausfinden, wie es zur Gefährdung der Demokratie durch einen in einer Partei organisierten Nationalismus (vgl. S. 23) kommen konnte. Dies erklärt auch den Umfang dieses Buches, das anhand verschiedener Vorgänge ausführlich belegt, dass die Entwicklung der AfD wohl am besten zu fassen ist, wenn das „Verhältnis der AfD zum politischen Prozess, sozusagen ihrer Politik mit der Politik“ (S. 23) dargestellt wird. Und genau dieses Verhältnis der AfD zur Politik ist ambivalent. Einerseits hadert sie ständig mit den „Altparteien“, will überall nur den drohenden Untergang sehen und trotzdem wird die so geschmähte Politik zum Lebensinhalt der AfD-Funktionäre. (vgl. S. 24)

Mit klaren Worten fasst Bahners das Gebaren der AfD zusammen: „Der Regierung wird die Legitimität abgesprochen. Das nationalistische Vokabular dient dazu, den Staat als Okkupationsregime hinzustellen.“ (S. 24) Und dementsprechend ist die „Führungsriege der AfD … Bund von Fanatikern und Opportunisten.“ (S. 25)

In Bezug auf den Demokratiebegriff der AfD lautet Bahners Urteil genauso eindeutig: „Der Antrieb des neuen Nationalismus, der in der AfD parlamentarische Gestalt angenommen hat, ist radikaler Zweifel an der in Deutschland gegebenen Form demokratischer politischer Herrschaft.“ (S.3 2) Mit der AfD sei eine Partei, so Bahners, im Bundestag, die es auf den Umsturz der bestehenden Ordnung abgesehen habe. (vgl. ib.)

Beeindruckend, wie präzise Bahners seine Recherchen zu Personal der AfD betrieben hat. General Joachim Wundrak trat im August 2019 als Kandidat der AfD für die Wahl des OBs in Hannover an. Nicht die Unzufriedenheit über den Zustand der Bundeswehr, sondern die Sorge vor einem Souveränitätsverlust hatte ihn in die Arme der AfD getrieben. (vgl. S. 47)

Wie im Fall Wundrak sammelt Bahners mit der Lektüre vieler weiterer Interviews und Reden anderer AfD Funktionäre die Themen und Beweggründe, deretwegen sie sich der AfD angeschlossen haben. Es ist die fundamentale Unzufriedenheit ihrer Anhänger mit der Berliner Politik und der der Landesregierungen und ideologiegetriebene Alternativen, die meist oft eher nur populistische Vorschläge hervorbringen. Dazu gehört auch das 2016 beschlossenen Grundsatzprogramm der AfD (S. 84 – 126). Populistisch ist doch, wenn die AfD in ihrem Grundsatzprogramm sagt „Dem Bruch von Recht und Gesetz, der Zerstörung des Rechtsstaats und verantwortungslosem politischen Handeln gegen die Prinzipien wirtschaftlicher Vernunft konnten und wollten wir nicht länger tatenlos zusehen.“ Vom „Bruch von Recht und Gesetz“ kann in diesem Land keine Rede sein, allenfalls ist das eine Meinung, genauso wie die „Zerstörung des Rechtsstaates“ eine Erfindung der AfD ist. Probleme benennen, die es so gar nicht gibt und dann eine Lösung skizzieren… das ist Populismus (Frankreich-Blog), auf den die Wähler hineinfallen.

Das Kapitel „Verschwörungstheorien in der Demokratie“ untersucht das Gerücht, die Saga vom großen Austausch und nimmt damit die Mechanismen unter die Lupe, mit denen die AfD vor dem „bevorstehenden Untergang Deutschlands“ (S. 143) warnt. Wer das nicht glaubt, hat in der Partei keine Chance. Nie würde die AfD Erfolgsgeschichten geglückter Einbürgerung erzählen, jedes Verbrechen aber nutzt sie um Flüchtlinge in toto zu kriminalisieren. In ihrem Grundsatzprogramm steht. „An Deutschlands Außengrenzen sollen wieder betriebsbereite Grenzübergangsstellen bereitstehen,“ was auf die Aufkündigung des Schengener Abkommens hinausläuft.

Alexander Gauland (S. 185-234) wie auch dem bereits erwähnten „Testfall Thüringen“ werden eigene Kapitel gewidmet.

Besondere Aufmerksamkeit bekommen, wie eingangs besprochen, die vier Facetten des neuen Nationalismus: „Realismus, Republikanismus, Anti-Moralismus und Paternalismus“. Wieder geht es um die Folgen der Flüchtlingswelle im Sommer 2015 und dem unglücklichen Wort von Horst Seehofer „Herrschaft des Unrechts“ (Februar 2016). Die Grenzöffnung der (offenen) Grenzen wurde Frau Merkel vorgeworfen: Lesebericht und Nachgefragt: Stephan Detjen, Maximilian Steinbeis, Die Zauberlehrlinge. Der Streit um die Flüchtlingspolitik und der Mythos vom Rechtsbruch.

Dieses Buch beantwortet viele Fragen. Woher kommt der Erfolg der AfD? Wie gelingt es ihr einen Nationalismus im Rahmen ihrer Partei wieder erfolgreich zu machen? Welche politischen Instrumente nutzt die Partei, um ihre Fundamentalkritik an der Berliner Demokratie, von der sie im Bund und in den Ländern außerordentlich profitiert zu verbreiten? Auf welchem Nährboden entwickeln sich die Erfolge der AfD?

Patrick Bahners
Die Wiederkehr: Die AfD und der neue deutsche Nationalismus
Stuttgart: Klett-Cotta 2023
ISBN: 978-3-608-98689-1

Lesebericht: Sue Prideaux, Ich bin Dynamit. Das Leben des Friedrich Nietzsche

Friedrich Nietzsche (1844-1900) hat einige Jahre zu früh gelebt, möglicherweise war er seiner Epoche voraus. Erst nach seinem Zusammenbruch am 3. Januar 1888 setzte allmählich sein Ruhm ein, seine Bücher verkauften sich besser, das konnte er von seinem Fenster aus in Weimar nicht mehr miterleben und vielleicht hätte er sich in den folgenden Jahren auch gegen die Vereinnahmung seiner Werke durch die rechte Szene verwahrt.

>Nachgefragt:  Sue Prideaux, Ich bin Dynamit. Das Leben des Friedrich Nietzsche  *.pdf

Sue Prideaux hat eine spannende Biographie verfasst. Sie beschreibt en détail die Freundschaft und den so intensiven geistigen Austausch mit Richard Wagner (1813-1883) und Cosima Wagner (1837-1930) – 23 Besuche Nietzsches ab Mai 1869 bis April 1872 in der  Villa Tribschen am Vierwaldstättersee, wo er auch ein eigenes Arbeitszimmer bekam – erzählt seine Kindheit in Röcken, seine Jugend in Naumburg, die Schulzeit in Pforta, seine Krankheiten, die vier Jahre Studium in Bonn und Leipzig, das zeitweise so komplizierte Verhältnis zu seinen Schwestern –  bevor er im Herbst 1866 Richard Wagner (vgl. S. 9-16) kennenlernte. 1869 nimmt er den Ruf auf den Lehrstuhl für Philologie der Universität in Basel an. Am 28. Mai hält er seine Antrittsvorlesung > Homer und die klassische Philologie – zeno.org. Er lernt Jacob Burckhardt (1818-1897) kennen. Er wird freiwilliger Krankenpfleger im Deutsch-französischen Krieg und erkrankt schwer.

Ein Senkrechtstarter, der aber auch von den Verbindungen seines Netzwerkes enorm profitierte. Prideaux nennt die Philosophen, die Nietzsche besonders beeindruckt haben, allen voran Friedrich Schleiermacher (1768-1834) mit Die Welt als Wille und Vorstellung (1819), den er mit seinen Zweifeln am Christentum als Alternative zu Kant verstand. Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik (1872) (S. 117-147), die Erfahrungen aus seinen vielen Gesprächen mit Wagner verarbeitet und sein Profil als Philosoph schärfte, wird eines seiner Hauptwerke. Er bekommt positive Rückmeldungen von den Wagners, die ihn gleich sehen wollen: „Kommen Sie bald auf einen Husch herüber…“ War die Reaktion Wagners ehrlich gemeint oder wollte er Nietzsche schonen? Friedrich Ritschl (1806-1876), dem Nietzsche nach Leipzig gefolgt war, hingegen markierte sein Exemplar der Die Geburt der Tragödie mit Ausrufen wie „Größenwahn“ – er sollte nicht der Einzige bleiben, der von Nietzsches Entwicklung entsetzt war. Unmittelbar danach folgt seine Schrift über > Die Zukunft unserer Bildungsanstalten (zeno.org): Die „Rückkehr zur Bildung als Selbstzweck“ ist ihm ein Anliegen und seine Kritik ist eindeutig: „…dass nämlich der Staat keine brillanten Köpfe wolle, sondern funktionierende Rädchen im Getriebe, Spezialisten, die gerade soweit ausgebildet werden, dass sie unkritisch und untertänig ihren Beitrag leisten können…,“ (S. 133) schreibt Sue Prideaux.

War Nietzsche sich seiner eigenen Unzeitgemäßheit bewusst? Oder ahnte er sie? „Das eine bin ich, das andere sind meine Schriften,“ erklärt er in Ecce Homo (1888, ersch. 1908). 1873 stellt er die erste Unzeitgemäße Betrachtung: David Strauß, der Bekenner und der Schriftsteller fertig. 1874 folgt die zweite > Unzeitgemäße Betrachtung: Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben. – Von seinen Büchern werden nur sehr wenige Exemplare verkauft, das wird sich bis zu seinem Zusammenbruch 1888 nicht ändern. – In dieser Schrift über die Geschichte erscheint das Wort vom „Begriffsbeben“ verbunden mit der Frage „… soll das Erkennen über das Leben herrschen?“ (zit. auf S. 161, vgl. auch das Kap. 7: Begriffsbeben, S. 165-184) Die Wahrheit gibt es in der Wissenschaft genauso wenig wie in der Religion. Jacob Burkhardt mag Nietzsches Argumentation nicht folgen.

Ein unsteter Geist war Nietzsche.
Die vielen Reisen nach Italien, die vielen verschiedenen Orte, wo er sich immer für ein paar Wochen, ein paar Monate niederließ, sind kaum nachzuvollziehen. Er wirkte ständig wie ein von den eigenen Gedanken Getriebener, durch sein Streben, endlich Erfolg zu haben, wie auch durch die schon vertraute Gewohnheit, die Kritik und die mangelnde Beachtung, gar Verachtung seiner Schriften wegzustecken oder zu übergehen. Seine Misserfolge waren für ihn immer ein neuer Antrieb weiterzudenken.

Prideaux legt hier eine Kulturgeschichte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland vor. Wagner und sein Ring gehören ebenso dazu, wie dessen gigantische Anstrengungen, seine Idee der Oper als Gesamtkunstwerk in Bayreuth gegen so viele Widerstände zu realisieren. Muss man herausfinden, wer von beiden, Nietzsche oder Wagner dem Anderen mehr gegeben hat? Oder wird die Frage schon mit den Hinweisen darauf entschieden, dass der Schöpfer des Tristans seinem Kritiker und Freund nicht wirklich zu folgen vermochte? Oder dass Nietzsche sich gedanklich von Wagner abwandte? „Der Fall Wagner ist für den Philosophen ein Glücksfall…,“ hieß es in Nietzsche, Der Fall Wagner, in id., Der Fall Wagner. Schriften – Aufzeichnungen – Briefe, hrsg. v. D. Borchmeyer, S.129. Aber 1882/83 schreibt er: „W(agner), der übrig bleiben wird als M(ensch), der im Ungeschmack der Anmaßung am weitesten gegangen ist.“  Id. „Loslösung von Wagner“ (1877-1883), in: Der Fall Wagner, loc cit., S. 413. Die Freundschaft schien dahin zu sein, als Wagner am 21. September 1873 an Nietzsche schreibt: Er habe mit „trauriger Absichtlichkeit zuletzt lange Zeit gänzlich unterlassen, Nietzsche zu schreiben, weil ich … aus purer Eitelkeit immer noch annahm, Sie würden einen Brief von mir auch selbst lesen wollen, was Ihnen übel bekommen mußte.“ (R. Wagner, Briefe, hrsg. v. H. Kesting, München, Zürich 1983, S. 584) – Die Erschütterungen ihrer Freundschaft zeichnet Prideaux genau nach und lässt erkennen, wie hier der Musiker und der Philosoph mit ihren jeweiligen Empfindlichkeiten nicht gerade freundschaftlich miteinander umgehen.

Menschliches, Allzumenschliches
(Kap. 10, S. 221-234) erscheint 1876/78 in Aphorismenform. Der ersehnte Erfolg stellt sich nicht ein und dieses Kapitel endet mit der Aufgabe der Professur in Basel am 2. Mai 1879. Man kann wohl nicht sagen, dass seine publizistische Arbeit ihm seine Stellung gekostet hat, aber auch sein Ansehen war durch seine Publikationen nicht gerade größer geworden. Er wird zum Wanderer und Dauerreisenden zwischen Naumburg, Venedig, Genau, Rom, Luzern und neuen Bekanntschaften darunter Lou Salomé (1861-1939).

Von Genua nach Rappallo, wo er sich in Klausur begab, in der Also sprach Zarathustra entstand, in der er vom Übermenschen spricht, wird die individuelle Tugend, das Wesen des Verbrechens und die Frage nach einem guten Tod erläutert. (vgl. S. 299). Prideaux hat eine bemerkenswerte Art, die Inhalte und die Interpretation der Werke Nietzsches in die Erzählung seiner Biographie so zu integrieren, auf dass sie dem Leser eindrucksvolle Einblicke in die Beweggründe seines Schreibens vermitteln kann.

Auf Jenseits von Gut und Böse (1886)
mit dem Untertitel Vorspiel einer Philosophie der Zukunft (vgl. S: 346-360) folgte 1887/88 Zur Genealogie der Moral. Eine Streitschrift und 1889 Götzen-Dämmerung. Prideaux stellt alle drei Werke in einen Zusammenhang, den Nietzsche selber in Ecce homo, „Warum ich ein Schicksal bin“, Abschnitt 1 so kommentiert: „Ich kenne mein Los. Es wird sich einmal an meinen Namen die Erinnerung an etwas Ungeheures anknüpfen – an eine Krisis, wie es keine auf Erden gab, an die tiefste Gewissens-Kollision, an eine Entscheidung, heraufbeschworen gegen alles, was bis dahin geglaubt, gefordert, geheiligt worden war. Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit.“

Sue Prideaux
Ich bin Dynamit. Das Leben des Friedrich Nietzsche
Aus dem Englischen von: Thomas Pfeiffer und Hans-Peter Remmler
Klett-Cotta: stuttgart 2020
ISBN: 978-3-608-98201-5

Lesebericht und Nachgefragt: Stephan Detjen, Maximilian Steinbeis, Die Zauberlehrlinge. Der Streit um die Flüchtlingspolitik und der Mythos vom Rechtsbruch

Stephan Detjen ist Jurist und Historiker. Er leitet in Berlin das Hauptstadtbüro vom Deutschlandradio. Im August 2015 warfen Kritiker der Bundesregierung „ständigen Rechtsbruch“ vor. In ihrem Buch, das er und Maximilian Steinbeis verfasst haben, prüfen sie diese Behauptung und zeigen, wie deren ungeprüfte Weitergabe an den Grundfesten unserer Demokratie rüttelt. Wie kommt es aber zu dem Titel Die Zauberlehrlinge Mit dem Untertitel „Der Streit um die Flüchtlingspolitik und der Mythos vom Rechtsbruch“? Klett-Cotta: Stuttgart 2019. Vergriffen.

Dieser Beitrag wurde im Mai 2019 für den Blog von Klett-Cotta verfasst und mit diesem Video dort veröffentlicht.

Erst kamen die Flüchtlinge in so großer Zahl im Sommer 2015 über Ungarn nach Deutschland, dann schrieb Ulrich Vosgerau, eine Staatsrechtsdozent aus Köln,in der Zeitschrift Cicero einen Artikel mit der Überschrift „Die Herrschaft des Unrechts“. Wie konnte es aber passieren, dass diese Auffassung eine so steile politische Karriere machte?

Die Kritiker sprachen von Rechtsbruch, ohne aber tragfähige Alternativen aufzuzeigen: Im Vordergrund stand die Kritik an Bundeskanzlerin Merkel, die Grenzen geöffnet zu haben. Nun die Grenzen war offen, da gab es nichts zu öffnen. Horst Seehofer verlieh dem Spruch von der „Herrschaft des Unrechts“ kurz vor dem Aschermittwoch 2018  seinen ministeriellen Segen, in dem er ihn in einem Interview nannte und so eine Granate nach Berlin abschoss, war das populistisch, darf man fragen.

In Deutschland habe mit den Folgen der These vom Rechtsbruch, so beide Autoren, habe die „Rechtskultur gelitten“, Stephan Detjen sprach im Studio 9 auch von einer „Erosion des Rechtsbewusstseins“, kann man damit den Erfolg der AfD bei der letzten Bundestagswahl deuten?

Die Gretchenfrage: Hatte die Bundesregierung im August/September 2015 eine Handlungsalternative? Die Grenzen schließen? Die Fehler und die Versäumnisse der Bundesregierung liegen aber wohl woanders: „Die Bundesregierung hat viel zu lange geglaubt, das Problem vernebeln und sich alle Optionen offen halten zu können, anstatt öffentlich aufzuklären darüber, auf welche rechtlichen Vorgaben sie ihr Tun und Unterlassen gründet.“ (S. 231)

Damit ist die Bundesregierung aber nicht allein. Sie und Herr Steinbeis nehmen aber auch die Juristen in den Blick, die das Europarecht irgendwie nicht richtig auf dem Schirm hatten. Und die Medien geraten auch in das Visier von ihnen beiden. Die Medien hätten sich von der „Kraft der Erzählung von der angeblichen Herrschaft des Unrechts“ faszinieren lassen und so indirekt zum Erfolg der AfD beigetragen.

Stephan Detjen, Maximilian Steinbeis
Die Zauberlehrlinge
Der Streit um die Flüchtlingspolitik und der Mythos vom Rechtsbruch
Das Buch ist leider vergriffen.
1. Aufl. 2019, ca. 176 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-96430-1

Zu diesem Thema vgl. auf > www.france-blog.info: > Les réfugiés, les migrants, les demandeurs d’asile et les droits de l’homme. Une interview de la Présidente de la CNCDH > www.france.blog.info – 28. Januar 2016 von H. Wittmann

1 2