Unterrichten in Schulpforta
Mit den Monaten nach Schloss Bieberstein als Französisch- und Geschichtslehrer in der Landesschule Pforta in Naumburg auf den Spuren von Friedrich Nietzsche, der dort von 1858-1864 Schüler war, sind nachdrückliche Erlebnisse und Erinnerungen verbunden. Sue Prideaux hat in ihrer Biographie ausführlich über die Schulzeit Nietzsches in Schulpforta berichtet: Lesebericht: Sue Prideaux, Ich bin Dynamit. Das Leben des Friedrich Nietzsche.
Schloss Bieberstein, ein privates Oberstufengymnnasium der Hemann-Lietz-Stiftung auf deiner hohen Bergkuppe und dann die Landesschule Pforta, ein öffentliches Internatsgymnasium für Hochbegabte in einem alten Zisterzienser Kloster vor den Toren von Naumburg. Kleine Lerngruppen auf Schloss Bieberstein und in der Landesschule – insgesamt 300 Schüler/innen – hatte ich 82 Schüler in fünf Klassen. Der vergleich der beiden Internate war sehr lehrreich. Beide Schulen haben ihren jeweils ganz eigenen spiritus loci. Das altehrwürige Schloss oberhalb von Hofbieber bei Fulda, das Hermann Lietz kurz nach 1900 erworben hat, um darin eine seiner Schulen zu gründen und die Landesschule, die 1543 das Kloster bezog, dass die Zisterzienser kurz vorher aufgegeben hatten. Zum Kloster gehört noch heute eine Kirche, die größer als so manche Stadtkirche ist und in der u .a. am Montagabend, Schüler/innen de Andacht weitgehend selbst gestalten. Wenn sie singen, könnte an meinen, die Kirche sei voll. Heute lernen in Schulpforta rund 300 Jugendliche der Klassen 9 bis 12 unter anspruchsvollen Aufnahmebedingungen und im Rahmen des Internatslebens. Ziel der Schule ist es weiterhin, talentierte junge Menschen unabhängig vom sozialen Hintergrund zu fördern, weshalb die Internatskosten vergleichsweise niedrig sind und zusätzliche Unterstützung durch Stiftungen erfolgt.
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Nach dem Weggang der Zisterziensermönche 1540 wurde das Kloster 1543 von Kurfürst Moritz von Sachsen in eine staatliche Internatsschule für begabte Jungen umgewandelt, die kostenlos ausgebildet werden sollten. Anfangs lag der Schwerpunkt auf den Alten Sprachen, besonders Latein, und die Schule entwickelte sich trotz Kriegen und Krisen zu einer bedeutenden Bildungsstätte mit vielen berühmten Absolventen. Im 19. Jahrhundert erlebte Schulpforte unter preußischer Herrschaft eine Blütezeit, während sich im 20. Jahrhundert durch Weltkriege, Inflation und politische Umbrüche tiefgreifende Veränderungen ergaben. ⚔️ Während der NS-Zeit wurde die Schule zur nationalsozialistischen Eliteschule umgestaltet, später in der DDR in das sozialistische Bildungssystem integriert, wobei nach und nach neue Schwerpunkte wie Sprachen und Musik entstanden. Nach der deutschen Wiedervereinigung ging die Schule in die Trägerschaft Sachsen-Anhalts über, wurde modernisiert und um einen naturwissenschaftlichen Zweig ergänzt, sodass heute etwa 300 Schülerinnen und Schüler dort gemeinsam lernen und leben. Noch nie habe ich in einer Schule so viele Klaviere gesehen… und eine Schülerin, die ich suchte, saß in einem der Übungsräume und übte Harfe. In einen der Clubraeume kamen abends 20 Schüler/innen und wir haben den Klavierspieler vom Gare du Nord angeguckt. Ein anderer hatte mir Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ mitgebracht und wir haben mehrere Wochen lang, regelmäßig darin gelesen und darüber diskutiert.
Die Landesschule Pforta fördert besonders begabte Schülerinnen und Schüler ab der 9. Klasse in den drei Schwerpunkten Fremdsprachen, Musik oder Naturwissenschaften, ohne die allgemeine Bildung zu vernachlässigen. Neben der fachlichen Vertiefung legt die Schule großen Wert auf soziale Kompetenzen, die durch das gemeinsame Leben im Internat und die Betreuung durch Lehrer als Hauseltern gestärkt werden. Als zertifizierte Begabtenförderschule ist sie Teil mehrerer Fördernetzwerke und Initiativen, wodurch ihre Absolventinnen und Absolventen zusätzlich zum Abitur besondere Leistungsnachweise für Studium und Beruf erhalten.
Schulpforta besitzt eine bemerkenswerte Historische Bibliothek, die um 1570 gegründet wurde und umfasst heute rund 80 000 Titel umfasst. Sie gehört jedoch aufgrund fehlender Neuanschaffungen seit dem Zweiten Weltkrieg vor allem zu den wissenschaftlich-historischen Sammlungen. Ihre Bestände reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, darunter mittelalterliche Handschriften und Inkunabeln, und wuchsen über Jahrhunderte durch staatliche Mittel, Spenden und Geschenke erheblich an. Heute ist sie eine Präsenzbibliothek für Forschung und historische Studien, während aktuelle Literatur den Schülerinnen und Schülern in einem modernen Studienzentrum zur Verfügung steht.
Friedrich Gottlieb Klopstock (1724 – 1803), Johann Gottlieb Fichte (1762 – 1814), Philosoph.Leopold von Ranke (1795 – 1886), Friedrich Nietzsche (1844 – 1900), Karl Gotthart Lamprecht (1856 – 1915) gehören zu den berühmten Schülern dieser Schule.




















