„Under Destruction“ lautet das Motto der Münchner Sicherheitskonferenz vom 13. – 15. Februar 2026: Die Rede von Bundeskanzler Friedrich Merz

| Münchner Sicherheitskonferenz: Ex-US-General Hodges lobt Europas Rolle: Interview von Ingo Zamperoni |Gespräch zwischen US-Außenminister Marco Rubio und Bundeskanzler Friedrich Merz |

Heute hat Bundeskanzler Friedrich Merz zur Eröffnung der Münchner Sicherheitskonferenz mit einer Grundsatzrede zur deutschen Außenpolitik gehalten. Ein Gratwanderung, aber eine beeindruckende und hoffentlich erfolgreiche. Deutlich und präzise äußerte Merz die Kritik an den Vereinigten Staaten, aber er vermittelte ein Gegengewicht mit der geschickten Formulierung, dass auch eine Großmacht, wenn sie sich isoliert und alleine ist, an ihre Grenzen stößt, und doch wieder Partner braucht. Er beschwor die Erinnerung an die Gründung der NATO, den gemeinsamen Geist mit den USA und sprach für ein Europa eine Art nostra culpa aus, wir seien zu abhängig von den USA geworden, das werde jetzt aber mit Anstrengungen auf militärischem und wirtschaftlichen Gebieten revidiert: ein deutliches Eingehen auf die Forderungen der Administration Trump: Europa müsse mehr Verantwortung übernehmen. Die damit verbundenen Ansätze und Entscheidungen in Europa werden von Ex-US-General Hodges im Gespräch mit Ingo Zamperoni anerkannt.

Video: > Bundeskanzler Merz bei der Münchner Sicherheitskonferenz – Website des Bundeskanzlers

> Münchner Sicherheitskonferenz

In seiner Rede beschrieb Bundeskanzler die neuen Vektoren der deutschen Außenpolitik und deren Folgen für Deutschland für Europa und auch für die Bündnispartner. Er kritisierte die Vereinigten Staaten, wiederholte die Kluft zwischen den Vereinigten Staaten und Europa, von der Vizepräsident J. D. Vance vor einem Jahr in München gesprochen habe. Der Kanzler beschwor aber auch die gemeinsamen Werte, die Europa und die USA nach 1945 mit der Gründung der NATO verbunden haben und erläuterte den Wunsch nach einer Neubegründung der transatlantischen Partnerschaft.

Er erinnerte daran, dass er „mit einigen Unterbrechungen seit mehr als 30 Jahren nach München zur Sicherheitskonferenz“ komme. Die Münchner Sicherheitskonferenz bezeichnet er als „Seismograf“ der politischen Lage, für die Beziehungen zwischen Amerika und Europa, seit vielen Jahren auch als ein ein Seismograf für die gesamte politische Weltlage.

Spätestens mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine vor vier Jahren habe eine neue Phase offen ausgebrochener Kriege und Konflikte begonnen, die unsere Welt tiefgreifender verändern würden, als alle es für möglich gehalten hätten.

Ein düsteres Motto stehe über dieser Konferenz, so der Kanzler: „Under Destruction.“ Damit wird gesagt: „Die internationale Ordnung, die auf Rechten und auf Regeln ruhte, ist im Begriff, zerstört zu werden. ‑ Ich fürchte, wir müssen es noch etwas deutlicher sagen: Diese Ordnung, so unvollkommen sie selbst zu ihren besten Zeiten war, sie gibt es so nicht mehr.“ Was daraus folgt? Der Kanzler zitiert Peter Sloterdijk: „Europa hat einen langen Urlaub von der Weltgeschichte beendet.“ Eine Schwelle in eine Zeit sei überschritten worden, die wieder einmal offen von Macht und vor allem Großmachtpolitik geprägt sei.

Eine Aufzählung der neuen Faktoren: „Russlands gewalttätiger Revisionismus, ein brutaler Krieg gegen die Ukraine, gegen unsere politische Ordnung, mit täglichen schwersten Kriegsverbrechen.“ China erhebe einen globalen Gestaltungsanspruch.

Nach dem Fall der Berliner Mauer habe es einen unipolaren Moment in der Geschichte gegeben, der jetzt lange vorbei sei: „Der Führungsanspruch der Vereinigten Staaten jedenfalls ist angefochten, vielleicht schon verspielt.“ Der Kanzler meint, dass unsere Freunde in den Vereinigten Staaten den eigenen Nachholbedarf gegenüber China erkannt hätten. Auch die Europäer reagieren darauf, aber mit „anderen Ergebnissen als etwa die Administration in Washington.“

Zunächst müsse diese neue Realität anerkannt werden. Es gelte aber weiterhin „deutsche Außenpolitik und deutsche Sicherheitspolitik sind europäisch verankert. Dieses Europa ist heute wertvoller denn je. Wie wir unsere Ziele verfolgen, das bringen wir heute neu mit unseren eigenen Möglichkeiten in Einklang.“

Der Kanzler beschwörte neue Einsichten: „In der Ära der Großmächte ist unsere Freiheit nicht mehr einfach so gegeben. Sie ist gefährdet. Es wird Festigkeit und Willenskraft brauchen, um diese Freiheit zu behaupten.“ Dazu werde dazu nicht demnächst Opfer geben, „sondern jetzt.“

Die Neuordnung der Welt durch große Mächte vollziehe sich schneller und tiefgreifender, als Deutschland reagieren könne. Aber der Kanzler will die Vereinigten Staaten als Partner keineswegs abschreiben, sonst würde man das Potenzial unterschätzen, das unsere Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten bei allen Schwierigkeiten weiterhin habe.

Nein, der Kanzler wünscht keine Großmachtpolitik in Europa: „Nie wieder werden wir Deutsche allein gehen.“ Und der Kanzler fügt hinzu: „Unsere Freiheit behaupten wir mit unseren Nachbarn, nur mit unseren Nachbarn, unseren Verbündeten und unseren Partnern. Wir bauen auf unsere Stärke, unsere Souveränität und unsere Fähigkeit zu gegenseitiger Solidarität in Europa. Wir tun es mit prinzipienfestem Realismus.“

Das Programm der Freiheit hat vier Punkte. Erstens. Wir stärken uns militärisch, politisch, wirtschaftlich und technologisch mit dem Ziel Europa innerhalb der NATO zu stärken. Dazu gehört auch die Unterstützung für die Ukraine. Die Bundeswehr werde schnellstmöglich tiefgreifend modernisiert, die Ostflanke der NATO werde mit der deutschen Brigade in Litauen gestärkt.

Zweitens. Wir stärken Europa: Und der Kanzler nennt (ohne die europapolitischen Konzepte Macrons zu zitieren): „Ein souveränes Europa ist unsere beste Antwort auf die neue Zeit. Europa zu einen und zu stärken ist heute unsere vornehmste Aufgabe.“ Und er fügt hinzu: „Europa muss ein weltpolitischer Faktor werden, mit einer eigenen sicherheitspolitischen Strategie.“ Merz berichtet an dieser Stelle von ersten Gespräche mit Emmanuel Macron über europäische nukleare Abschreckung aufgenommen. Aber für Deutschland gelte weiterhin die nukleare Teilhabe innerhalb der NATO, und es werde in Europa keine Zonen unterschiedlicher Sicherheit geben.

> Merz und Macron reden über europäischen Atomschirm – DER SPIEGEL, 13.2.2026

Erfolg haben nur alle Partner in Europa zusammen. „…für uns Deutsche führt kein Weg daran vorbei. Wir sind die Mitte Europas. Zerreißt Europa, zerreißt Deutschland.“

„Drittens. Wir wollen eine neue transatlantische Partnerschaft begründen.“ Merz erinnert an die Rede Vizepräsident J. D. Vance vor einem Jahr in München, der von einer Kluft, einem tiefen Graben zwischen Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika gesprochen habe. Der Kanzler gab Vance recht und fügte sogleich hinzu: „Der Kulturkampf der MAGA-Bewegung in den USA ist nicht unserer. Die Freiheit des Wortes endet hier bei uns, wenn sich dieses Wort gegen Menschenwürde und Grundgesetz wendet. Und wir glauben nicht an Zölle und Protektionismus, sondern an freien Handel. An Klimaabkommen und der Weltgesundheitsorganisation halten wir fest, weil wir überzeugt sind: Globale Aufgaben werden wir nur gemeinsam lösen.“

Wenn die transatlantische Partnerschaft ihre Selbstverständlichkeit verloren habe, müsse sie im doppelten Sinn neu begründet werden: „Zusammen sind wir stärker. Wir Europäer wissen, wie kostbar das Vertrauen ist, auf dem die NATO gründet.“ Und er erinnert die USA daran, dass sie an die Grenzen der eigenen Macht stoßen, wenn sie im Alleingang unterwegs seien: „Die NATO ist nicht nur unser, sondern, liebe amerikanische Freunde, auch euer Wettbewerbsvorteil.“

Und dann folgt eine Passage auf Englisch, mit der er sich direkt an unsere amerikanischen Freunde wendet: Die NATO ist das stärkste Bündnis aller Zeiten, „nicht nur ein Wettbewerbsvorteil für Europa, sondern auch ein Wettbewerbsvorteil für die Vereinigten Staaten.“ Das Angebot von Merz: „Lassen Sie uns also das transatlantische Vertrauen reparieren und gemeinsam wiederbeleben. Wir Europäer leisten unseren Beitrag hierzu.“ Die starke Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten hätte man hier selbst verschuldet. das ist aber für Merz kein Grund, die NATO abschaffen zu wollen, im Gegenteil, wir sollten „im Bündnis im eigenen Interesse einen starken, selbsttragenden europäischen Pfeiler errichten.“

„Viertens und last, but not least, knüpfen wir ein starkes Netz globaler Partnerschaften.“

Neue Partner, wie Kanada und Japan, die Türkei, Indien, Brasilien, und auch Südafrika, die Golfstaaten und andere werden dabei eine Schlüsselrolle bekommen. Das EU-MERCOSUR-Abkommen und das Freihandelsabkommen mit Indien gehören zu dieser Neuordnung mit dazu. Und die folgenden beiden Sätze sind auch an die USA gerichtet: „Wir teilen das grundlegende Interesse an einer politischen Ordnung, in der wir auf Verabredungen vertrauen können, in der wir zur gemeinsamen Bewältigung globaler Probleme imstande sind und in der wir vor allem Konflikte miteinander friedlich ausräumen. Wir teilen die Erfahrung, dass Völkerrecht und internationale Organisationen unserer Souveränität, unserer Unabhängigkeit und auch unserer Freiheit dienen.“

Wer jetzt noch zaudert, den erinnert Merz an die deutsche Geschichte: „Wir Deutsche wissen: Eine Welt, in der nur Macht zählt, wäre ein finsterer Ort. Unser Land ist diesen Weg im 20. Jahrhundert bis zum bitteren und bösen Ende gegangen. Heute schlagen wir einen anderen, einen besseren Weg ein.“

Unsere größte Stärke bleibt die Fähigkeit, Partnerschaften, Bündnisse und Organisationen zu bauen, die auf Recht und Regeln fußen, die auf Respekt und Vertrauen gründen und die an die Kraft der Freiheit glauben.

Und Merz erinnert unsere amerikanischen Freunde, die uns Deutsche Partnerschaften und Bündnisse nach 1945 begeistert hätten: „Das vergessen wir euch nicht. Auf diesem Fundament ist die NATO zum stärksten politischen Bündnis der Geschichte geworden.“

Vergleicht man die Rede von Bundeskanzler Freidrich Merz mit der > Rede des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron auf der Münchner Sicherheitskonferenz ergeben sich zweifelsohne fundamentale Übereinstimmungen auch wenn sich die Wege zum Ziel eines souveränen Europas teilweise unterscheiden: Stichwort Eurobonds.


Zum Gespräch zwischen US-Außenminister Marco Rubio und Bundeskanzler Friedrich Merz hieß es aus Regierungskreisen:

Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich im Rahmen der Münchener Sicherheitskonferenz mit US-Außenminister Marco Rubio getroffen. Zentrales Thema des Gesprächs war die Situation in der Ukraine, der Stand der Verhandlungen mit Russland und die weitere Unterstützung des Landes vor allem mit militärischen Mitteln. Außerdem wurde über die Nato und die europäische Rolle darin gesprochen. Rubio würdigte die deutschen Schritte zur Stärkung der Allianz. Merz und Rubio tauschten sich über die Situation im Nahen Osten und vor allem in Iran aus. Merz nutzte die Gelegenheit vor seiner bevorstehende Reise nach China mit dem US-Außenminister über die Situation in Fernost und die handelspolitische Situation zu sprechen.


Ausschnitte aus dem folgenden Interview wurden am 13.2.2026 in den Tagesthemen gezeigt:
Münchner Sicherheitskonferenz: Ex-US-General Hodges lobt Europas Rolle | tagesthemen-Interview
„Wir brauchen unsere Alliierten“:

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Lesebericht: Dana Buchzik, The Power of No

Der Untertitel des Buches von Dana Buchzik „Warum wir unbequem werden müssen“ enthält eine unmissverständliche Aufforderung. Es geht um Grenzen im Alltag und wie man sie einhält – was vor allem an uns selbst liegt! – und wenn wir sie einfordern, kann es passieren, dass wir anderen unbequem erscheinen.

Wie schnell werden Grenzen überschritten: Mal kommt jemand einer Kollegin ungebührlich nahe, mal ist es ein Freund, der sich im Plauderton mit seiner Nähe zur AfD brüstet, oder ein Bekannter, der gerade jetzt unbedingt unsere Aufmerksamkeit haben will, oder ein Arbeitskollege, der kurz vor Büroschluss mit einem Riesenproblem um die Ecke kommt, das er alleine nicht lösen kann/will. Oder es ist die Versuchung, sich für Dinge zu entschuldigen… eigentlich nur, um anderen zu gefallen. Das löst oft einen Teufelskreis aus, der zu Angst und Hilflosigkeit führen kann. Die Chance zur authentischen Kommunikation wird verpasst, das Vertrauen über kurz oder lang erschüttert.

In diesen Beispielen geht es immer um Grenzverletzungen: In der Familie, in der Partnerschaft, am Arbeitsplatz, in der Politik. Dana Buchzik erklärt ihren Lesern, warum es notwendig ist, Grenzüberschreitungen frühzeitig zu erkennen. Dass es oft schwer ist, Nein zu sagen, bezweifelt sie nicht. Allzu oft werden wir um einen kleinen Gefallen gebeten, etwas noch schnell zu erledigen, obwohl es uns gar nicht in den Kram passt. Manchmal setzen unsere Zeitgenossen raffinierte Techniken ein, Buchzik nennt sie Manipulation, um unsere Entscheidungen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Wir lassen uns darauf ein, geben unsere Grenzen auf – mit allen negativen Folgen.

„Gesunde Grenzen sind kein Kontrollinstrument, sondern ein soziales Bindemittel.“ (S. 18) Das ist der Leitgedanke ihres Buches. Nur durch das Respektieren von Grenzen, sie nennt es auch Respekt vor dem Anderen, kann ein gedeihliches Miteinander entstehen. Respekt bedeutet dabei keineswegs Selbstaufgabe, wie sie im Kapitel „Die Grenzen des Sagbaren: Wie ehrlich dürfen wir sein?“ (S. 56 ff.) erläutert. Übermäßige Kontrolle oder gar Zwang in der Familie tragen nicht dazu bei, dass Kinder die so notwendige Selbstständigkeit verinnerlichen können. Gelingt es ihnen aber, Ehrlichkeit und Offenheit zu lernen, werden sie auch in der Lage sein, eigenständige Entscheidungen zu treffen und anderen Grenzen zu setzen.
Praktische Teile ergänzen jedes Kapitel in diesem Band. So zeigt zum Beispiel „Grundlegende Beziehungsarbeit in der (Wahl-)Familie“, wie man „auf Augenhöhe über Politik diskutieren“ kann.

Bestandsaufnahme, Zielsetzung, Motivation, gute Fragen, Zweifel zulassen, Empathie sind die Stichworte und Regeln dafür, auf deren Einhaltung man durchaus bestehen kann. Das gilt aber nicht nur für die Familie „Auch unsere Freundschaften brauchen Beziehungsarbeit“: S. 80-84. Das 3. Kapitel „Das ultimative Versprechen? Über Liebe und Grenzenlosigkeit“: Im Kern geht es hier um die „Gratwanderung zwischen Nähe und Distanz“ (vgl. S. 112-114) in Anlehnung an Arthur Schopenhauers Parabel Die Stachelschweine (1831). Je näher, desto schmerzhafter … Zielorientiertes Streiten ist hier das Thema und Dana Buchzik erläutert, wie toxische Kommunikationsmuster zur Abwertung des Gegenübers und zu noch mehr Streit und schließlich zur Trennung führen. Dazu gibt es wieder wertvolle Tipps im Praxisteil: „Erwartungen und Verhaltensmuster reflektieren“ und „Gemeinsam planen statt einsam explodieren“ und ganz bewusst „Das bisherige Verhaltensmuster zum gemeinsamen Feind erklären“ (S. 126 f.)

Mehr noch als Partnerschaften und ihre Probleme sind es die Unwägbarkeiten der Arbeitswelt aller Art zwischen Karriere und Mobbing, die uns herausfordern Diese Überschrift bringt es auf den Punkt: „Billige versus teure Bitten“ (S. 154 ff.) Hinzu kommt „Die hohe Kunst des Feedbacks“ (S. 169-173), das eine Fülle von Stolpersteinen für alle Seiten bereithält, ein wahres Eldorado für Grenzverletzungen aller Art. Ein Hin und Her zwischen Wertschätzung, Coaching und Evaluation. Und auch hier folgt ein Praxisteil, der diesmal vom Ideendieb über den Kontrolletti bis zu den Tratschtanten alle Typen unter die Lupe nimmt und wertvolle Tipps bereithält.

In zwei weiteren Abschnitten geht es um die politische Kommunikation, in der die bereits vorgestellten Manipulatoren in ganz besonderer Weise eingesetzt werden und die unter anderem zum Aufstieg der AfD beigetragen haben. Mit den Feinden der Demokratie können nicht alle Regeln des Dialogs eingehalten werden: vgl. S. 193. Dann nennt Buchzik Faktoren wie Menschenfeindlichkeit, Ausgrenzung, Hass auf Migranten, Antifeminismus und Remigration, die zu einer Radikalisierung führen, wenn Grenzen nicht respektiert werden. Bedauerlich sei, „wie demokratische Parteien und Medien die AfD stärken“, indem sie Feindbilder übernahmen und deren Sprache verharmlosten. Gleichzeitig wird ihrer Dämonisierung Vorschub geleistet, was letztlich wieder der AfD nützt. Grenzziehungen und klare Ansagen kommen auch hier zu kurz.

Vor Fake News schütze nur emotionale Intelligenz und Buchzik empfiehlt kognitive Empathie, Raum für Zweifel, Werte statt Fakten und Emotionsregulation. All das helfe, einen kühlen Kopf zu bewahren. Diese Anmerkungen zielen auch auf Buchziks Aufforderung: „Wir müssen lernen zu unterschieden, wann es lediglich um eine klare Abgrenzung geht und wann und mit wem sich eine Diskussion lohnt.“ (S. 292) Voraussetzung dafür ist die eigene Sicherheit, die auch auf Grenzziehungen beruht. Und einen Raum zu behaupten, in dem wir „Faschisten, die sich an keine Regeln halten und nur menschenverachtende Parolen von sich geben, den Zutritt verweigern“. (ib.) Und im letzten Satz bringt Buchzik ihr Anliegen auf den Punkt: „Indem wir uns erinnern, dass eine offene Gesellschaft vom Widerspruch und Streit lebt, werden wir frei, unbequem zu sein.“ (ib.)

Dana Buchzik
> The Power of No
Warum wir endlich unbequem werden müssen
Erscheinungstermin, Klett-Cotta  8.3.2025,
ISBN: 978-3-608-96640-4